Campo de Criptana




17. Oktober 2008

Salomon der Weise spricht

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 18:25

Eines Tags ruhte Salomon auf einem harten Stein aus, als ihm eine Jungfer vorgeführt wurde, die ein Kopftuch trug. Sie hatte ihren Oheim mitgebracht und beide klagten abwechselnd ihr Leid ob des schwelenden Konfliktes, welches das Kopftuch des Mädchens überall, besonders in der Schule auslöste. Dabei war es ein schöner Stoff, der Haar, Ohren und Stirn umhüllte, ein Stoff, der wohl auch manchen Jüngling aufzureizen imstande war dem Mädchen – aus welchen Motiven auch immer- zu entreißen, nicht zuletzt, um, gleich einem Taschentuch, ein Stückchen von ihm immer bei sich zu tragen. Aber dieser Stoff reizte auch jene, die dem Mädchen sagten, es zeige dadurch, dass sie der Gewalt und dem Aberglauben huldige und deshalb das Tuch entfernen solle.

Salomon hatte geduldig zugehört und fragte: „Ist das alles, was ihr vorzutragen habt? So will ich ein Urteil sprechen.“ Da wandte sich der Oheim ab, ging kurz hinfort und kam mit einem Jungen wieder, der ihn schon um eine halbe Haupteslänge überragte. „Sieh, oh weiser Salomon!“, sagte der Oheim des Mädchens, „Dieser Knabe hier, darf eine schäbige Mütze auf seinem Kopf tragen und niemand fordert ihn dazu auf, diese abzulegen. Auch nicht in der Schule.“ Tatsächlich trug der Junge eine abgegriffene, wirklich hässliche Mütze mit Phantasiezeichen auf dem Kopf. Quer herüber war dort mit greller Schrift zu lesen: B-A-S-E-B-A-L-L F-I-G-H-T-E-R-S. Vorn besaß die Mütze einen weiten Überstand, den man „Schirm“ nannte und der die Augen des Jungen vollständig verdeckte.

„Ist es nicht ungerecht“, fuhr der Oheim fort, „dass es dem geliebten Kind meiner geliebten Schwester nicht erlaubt wird nicht seine Kopfbedeckung tragen, während dieser Knabe, Gott behüte seine arme Seele, mit dieser unwürdigen Kopfbedeckung sogar in den Unterricht darf?“ „Die trage ich freiwillig!“ wandte der Junge hilflos ein. „Ich auch“, sagte das Mädchen leise. “Und ich habe Angst vor dir.” 

 

„Ich bitte um Ruhe!“ erhob Salomon kräftig seine Stimme, um gütiger fortzufahren. „Seht“, hob er an, „ich bin ein zwar ein Herrscher, aber als solcher auch Lehrer meines Volkes. Schwer ist der Umgang der Menschen miteinander, Hass, Streit und Missgunst prägen den Verkehr, Krieg ist seine roheste Form. Doch wir haben die Vernunft, den Verstand und unser Gefühl, um Richtiges von Falschem zu trennen. So höret. >Schauet die Augen, sie verraten mehr als Worte.< heißt ein altes Sprichwort unserer Väter. Und es kannte schon unserer Väter Väter.“ Er schmunzelte kurz ob dieses überflüssigen Apercus, fuhr dann aber sehr ernst weiter fort: „Wer Augen verbirgt, hat etwas zu verbergen. Wer Ohren verstopft, kann nicht hören. Und wer den Kopf verhüllt, so wie es die alten Weiber machen, wird zum alten Weib, noch bevor es eines ist. So fälle ich hiermit mein Urteil, als Herrscher und Lehrer. Ihr sollt beide im Unterricht euren Kopf nicht bedecken! Hört ihr?! Ihr sollt ihr nicht bedecken, damit das freie Wort der freien Lehre eure Sinne erreichen und euren Kopf füllen kann! So geht denn hin und lebet in Frieden, jeder auf seine Weise dort, wo er mit seiner Art niemanden stört.

Die ganze Welt hörte von dem Urteil, das der König gefällt hatte, und sie schauten mit Ehrfurcht zu ihm auf; denn sie erkannten, dass die Weisheit Gottes in ihm war, wenn er Recht sprach.

Na also, sprach Tanja Krienen und es wurde Tag.

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