Campo de Criptana




28. Juli 2007

Der Silberfisch

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 19:26

Von Tanja Krienen

Wie es des Silberfisches Art ist

Die auch als Unart oft bekannt ist

Saß heute Nacht um halbe Drei –

Dem Mondlicht war es einerlei –

Ein Exemplar der fetten Sorte

In einer Ritze vom Aborte

 

Behänd´ griff ich zur Zewa-Rolle

Denn diese wieselflinken Trolle

Lassen - so wie die Spinnen-Zecken –

Mich schlaftrunken doch sehr erschrecken

Gewiss wär´ eine Wasserspülung

Ein Hochgenuss fürs Fischlein-Feeling

 

Denn in der Kanalisation

Träf´ er vielleicht den Enkelsohn

Sie chartern dann ´nen Wasserfloh

Der nähm´ ihr Geld und wär´ sehr froh

Er kennt sich auch vortrefflich aus

Und brächt´ sie in die Freiheit raus

 

Doch leider wollt es mir nicht glücken

Den quicken Bengel aufzupflücken

Denn fisch ich hier, schwänzelt er dort

Und patsch ich dort, tänzelt er fort

Zewas-Prinzip des „Weg und Wisch“

Klappt beim Kakao, doch nicht beim Fisch

 

Ja wenn es doch ein Goldfisch wär´

Der gäbe eine Zierde her

Im Wasserglas auf meinem Tisch

Wär´ es ein angenehmer Fisch

Und wenn ich dann Fischstäbchen esse

Wär´ das für ihn doch von Interesse

 

Auch so ein Bronze-Fisch wär´ niedlich

Er stünd´ als Büste still und friedlich

Neben der Skulptur Nietzsches Friedrich –

Der Anblick wäre doch sehr sinnlich

Dagegen wär´ ein Bild von Sting

Ein verdammt hässliches Unding

 

Doch leider ist das Leben mies

Bösartig und mitunter fies

Der Fisch in voller Fischestücke

Entfleuchte in die Bodenlücke

So ist der flinke Silberfisch

Mir heute Nacht einfach entwischt

 

Da hilft kein Klagen und kein Jammern

Ich teile nun die Fachwerk-Kammern

Mit diesem fischigen Gesellen

Dem eigentümlich kleinen schnellen

Doch ist´s erträglich – aus dem Grund:

Er lärmt nicht viel und hält den Mund

 

Das ist in Hessen äußerst selten

Doch sind sie nicht allein zu schelten

Denn auch Rheinländer oder Sachsen

Könn´ Löcher in die Stille schwatzen

Und sinken manchmal dabei tiefer

Als manches liebes Ungeziefer

 

2 Kommentare »

  1. Hallo Tanja.
    Das ist ein geniales Gedicht.
    Mach weiter so
    Heinz

    Kommentar von khf — 30. Juli 2007 @ 23:49

  2. Danke. Ich bin es auch zufrieden. Obwohl ich nie bewusst etwas von Eugen Roth las, fiel mir plötzlich ein, dass es in letzter Zeit öfter mal in die Richtung ging, schaute nach, und entdeckte z.B. grad Folgendes:

    Ein Mensch erlebt den krassen Fall,
    Es menschelt deutlich, überall -
    Und trotzdem merkt man, weit und breit
    Oft nicht die Spur von Menschlichkeit.

    Kommentar von Tanja Krienen — 31. Juli 2007 @ 07:06

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