Der Silberfisch
Von Tanja Krienen
Wie es des Silberfisches Art ist
Die auch als Unart oft bekannt ist
Saß heute Nacht um halbe Drei –
Dem Mondlicht war es einerlei –
Ein Exemplar der fetten Sorte
In einer Ritze vom Aborte
Behänd´ griff ich zur Zewa-Rolle
Denn diese wieselflinken Trolle
Lassen - so wie die Spinnen-Zecken –
Mich schlaftrunken doch sehr erschrecken
Gewiss wär´ eine Wasserspülung
Ein Hochgenuss fürs Fischlein-Feeling
Denn in der Kanalisation
Träf´ er vielleicht den Enkelsohn
Sie chartern dann ´nen Wasserfloh
Der nähm´ ihr Geld und wär´ sehr froh
Er kennt sich auch vortrefflich aus
Und brächt´ sie in die Freiheit raus
Doch leider wollt es mir nicht glücken
Den quicken Bengel aufzupflücken
Denn fisch ich hier, schwänzelt er dort
Und patsch ich dort, tänzelt er fort
Zewas-Prinzip des „Weg und Wisch“
Klappt beim Kakao, doch nicht beim Fisch
Ja wenn es doch ein Goldfisch wär´
Der gäbe eine Zierde her
Im Wasserglas auf meinem Tisch
Wär´ es ein angenehmer Fisch
Und wenn ich dann Fischstäbchen esse
Wär´ das für ihn doch von Interesse
Auch so ein Bronze-Fisch wär´ niedlich
Er stünd´ als Büste still und friedlich
Neben der Skulptur Nietzsches Friedrich –
Der Anblick wäre doch sehr sinnlich
Dagegen wär´ ein Bild von Sting
Ein verdammt hässliches Unding
Doch leider ist das Leben mies
Bösartig und mitunter fies
Der Fisch in voller Fischestücke
Entfleuchte in die Bodenlücke
So ist der flinke Silberfisch
Mir heute Nacht einfach entwischt
Da hilft kein Klagen und kein Jammern
Ich teile nun die Fachwerk-Kammern
Mit diesem fischigen Gesellen
Dem eigentümlich kleinen schnellen
Doch ist´s erträglich – aus dem Grund:
Er lärmt nicht viel und hält den Mund
Das ist in Hessen äußerst selten
Doch sind sie nicht allein zu schelten
Denn auch Rheinländer oder Sachsen
Könn´ Löcher in die Stille schwatzen
Und sinken manchmal dabei tiefer
Als manches liebes Ungeziefer
Hallo Tanja.
Das ist ein geniales Gedicht.
Mach weiter so
Heinz
Kommentar von khf — 30. Juli 2007 @ 23:49
Danke. Ich bin es auch zufrieden. Obwohl ich nie bewusst etwas von Eugen Roth las, fiel mir plötzlich ein, dass es in letzter Zeit öfter mal in die Richtung ging, schaute nach, und entdeckte z.B. grad Folgendes:
Ein Mensch erlebt den krassen Fall,
Es menschelt deutlich, überall -
Und trotzdem merkt man, weit und breit
Oft nicht die Spur von Menschlichkeit.
Kommentar von Tanja Krienen — 31. Juli 2007 @ 07:06