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13. Juli 2005

Sylt

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 21:20

Spiegel-online dringt wieder einmal nicht so recht durch den zu behandelnden Stoff, wie so häufig in den vergangenen Monaten.

Von Tanja Krienen

Heute erschien ein Artikel auf der Site von Spiegel-online, der fast schon als Schmähung Sylts zu sehen ist: es ist halt IN das Mondäne oder Außergewöhnliche zu kritisieren, um beim Publikum einen Neid-Reflex, und gleichzeitig das Gegenteil, abzurufen – jedem das Seine, signalisiert man unschlüssig.

Die Abarbeitung der Insel-Historie war sicher eine Fleißaufgabe, soweit, so mittelmäßig, aber die konkreten Äußerungen über das Hier und Jetzt, resp. die vergangenen 40 Jahre, sind doch arg aus jenem Blickwinkel, der dort beinahe soziologisch entschuldigt wird - Spiegel-Artikel über Sylt

Nun möchte ich doch meine subjektiven, aber originären Betrachtungen dagegen halten, die ich in exact der angesprochenem Zeit speicherte, und die nicht weniger aus dem Blickwinkel eines Kindes der ach so mitleidenswerten Arbeiterklasse stammt. Aus meiner Biographie:

Sylt

Nach dem schönen Urlaub im sonnigen, faschistischen Spanien, war meine Lust weiter zur Schule zu gehen, kleiner, als die Ohnmacht dies zu ändern, und nur mein nagelneues superbuntes, im Psychodelic-Stil rot und schwarz gemustertes, unverschämt poppiges Hemd, ließ mich mit leicht affektiertem Stolz, den Gang zum Unterricht in die anstehenden Saison 1969/70 antreten.

Zwei wichtige Ereignisse prägten aus meiner Sicht das Jahr 1970; zum einen, die Auflösung der Beatles, die im Gegensatz zu den Rolling Stones so klug waren und sich als Band verabschiedeten, zum anderen, der lange, dreiwöchige gemeinsame Urlaub mit meinen Eltern, der uns zum ersten Mal auf die Insel Sylt führen sollte. So wurde in den siebziger Jahren, die größte deutsche Nordseeinsel unser Lieblingsurlaubziel - wir verbrachten dort in den Jahren 1970, 1972,1973, 1974 und 1977 unseren Sommerurlaub.

Meine Eltern hatten in einer privaten Unterkunft einer einheimischen Familie ein Zimmer gemietet, im Stadtteil Westerland am Rande Wenningstedts, nicht weit von der Kurklinik entfernt. Der Hausherr war ein friesischer Klassiker, der seine Sätze oft mit: „Kiek mol“ begann, sie trug ihr Haar streng nach hinten gekämmt, war freundlich und sehr geschäftstüchtig.

Von unserer Pension aus erreichte man in etwa 15 Minuten den sehr schönen und breiten Sandstrand, der zudem mit vielen Körben ausgestattet war. An diesem Teilstück lagen auch die Patienten der Klinik und so wurde der Anblick von kriegsversehrten Männern etwas Alltägliches. Hier konnte man sehen, was sich hinter den von außen nur unmerklich humpelnden Männern verbarg, wenn sie ihre Hosen auszogen - Beinstümpfe, manchmal auf beiden Seiten, ungleichmäßig lang, einige unter dem Knie abgenommen, mal sehr hoch am gewesenen Oberschenkel. Arme hatten sie oft, bei denen man die Teilung der Elle und der Speiche sehen konnte, bei vielen jedoch schaute nur noch ein Stummel in der Verlängerung des Schulterblattes heraus, ein Stummel, der sich manchmal zusammenkrampfte, wenn der Mann den Muskel des Stumpfs anspannte. Die Männer waren gar nicht so alt, - wer 1944/45 als 16 bis 20jähriger verletzt wurde, war nun, 1970, gerade mal Anfang Vierzig bis 45 Jahre alt, nur eine kleine Minderheit schätzte ich deutlich über 50.

Wir frühstückten in der Ferienpension immer in einem kleinen Anbau, wo alle Gäste zusammenkamen. Einer der Gäste war auch gleichzeitig in der Nordseeklinik in Behandlung, denn er war ein so genannter Kriegsversehrter. Er kam mit seiner Frau immer etwa zu der Zeit in den Frühstücksraum, da wir gerade fertig gefrühstückt hatten. Ich versuchte ihm bei unserer ersten Begegnung aus dem Weg zu gehen, drückte mich hinter meinen Eltern aus der zweiten Eingangstür. Bemerkenswert und nicht hoch genug zu schätzen ist der Fakt, dass meine Eltern mit mir anschließend über mein Verhalten sprachen und mir klarmachten, wie notwendig es sei, diesem Menschen freundlich zu begegnen und sogar die Hand zu geben, - die Hand, die keine war; denn hierin lag das Problem: Der Mann besaß dort nichts was den Namen „Hand“ rechtfertigen würde - es war ein formloser Klumpen Fleisch, vielleicht nicht einmal das. Wie sollte man zudem einem Wesen ins Gesicht schauen, das über keinerlei Gesichtszüge, über keine sichtbaren Regungen dort verfügte, denn: Es war auch kein „richtiges“ Gesicht vorhanden, wo das Gesicht sein sollte. Die Stelle, wo das Gesicht sein musste, war eine einzige Fleischmasse, ein erstarrtes, wächsernes, fast plastikartiges und völlig zerfurchtes Etwas, hinter dem sich Augen bewegten, die aus einem wiederum starren und verzogenen Umfeld blickten. Dieser Mann war nicht einmal 50 Jahre alt und - so erzählte man uns - im letzten Kriegsjahr als 18jähriger Soldat mit einer Brandbombe in Berührung gekommen, die im Grunde seine gesamte sichtbare Hautfläche zerstörte. Aber: Ich gab im am nächsten Morgen zur Begrüßung die Hand - meine Eltern hatten mich ihm vorgestellt und mein eiliges Verschwinden am Tage zuvor irgendwie entschuldigt. Doch es war auch gar nicht so schlimm diese Hand zu spüren, auch wenn ich sie als ungewöhnlich kalt empfand.

Nur wenige hundert Meter von diesem Bereich entfernt, begann der FKK-Bereich von Wenningstedt, der mich kurzzeitig interessierte, weil ich dieses Phänomen massenhaft nackter Menschen nicht kannte. Außerdem hatte mir meine Mutter schon erzählt, wie es war, als sie Werner Höfer - oh graus - ohne alles, nein, mit Sandalen bekleidet und mit nichts als Sandalen an den Füßen und den dazu gehörenden Socken(!), gesehen hatte. So ganz ohne Frühschoppen und ohne antisemitische Pamphlete.

Wenn man über die schmalen Holzwege durch die nahen Dünen ging, konnte man manchmal Wolken süßlichen Duftes riechen, die hier durch die klare Luft waberten, – die ersten Hippies waren angekommen! Sie rauchten sich die Revolte aus dem Kopf und jeder zweite pflegte den kleinen Charles Manson in sich.

Auf Sylt perfektionierte ich meine Schwimmkünste. Der Schwimmunterricht im Jahr zuvor, gehörte zu den grauenvollsten Erinnerungen der gesamten Realschulzeit, den unser Sportlehrer, der schon recht betagt wirkende Herr K., fest verwachsen mit seinem weinroten Trainingsanzug, mit deutscher Übungsleiterpädagogik durchzog. Erst im Nordseewasser erreichte ich die Leichtigkeit, die man für die Bewegungen notwendigerweise braucht. Im Freibad Kampen, das zum Teil überdacht war, schaffte ich dann sogar meinen Frei - und Fahrtenschwimmer, letzteren jedoch nur, weil das 3 Meter - Brett an diesem Tag defekt war und ich stattdessen drei Mal vom Einer springen durfte. Da hatte ich großes Glück, denn um keinen Preis der Welt wäre ich aus drei Metern Höhe in die Tiefe gesprungen! Manchmal übrigens, kamen hier Nadja Tiller und Walter Giller vorbei.

In Kampen betrieb die alte Ausdruckstänzerin Valeska Gert den „Ziegenstall“ und der aus der ZDF-Unterhaltungssendung „Der goldenen Schuss“ geschasste Lou van Burg besaß in Keitum eine Bar (”Keitumer Keller”), in der auch Kabarett aufgeführt wurde. Man hatte van Burg damals beim ZDF rausgeschmissen, weil er sich scheiden lassen wollte und dies war Ende der 60er Jahre bei jemandem, der in der Öffentlichkeit stand, für die prüden Herren des so genannten „Adenauer-Fernsehens“ noch immer nicht hinnehmbar. Wir sahen uns in van Burgs Bar einen Abend mit Jürgen von Manger an. Lou van Burg begrüßte jeden seiner Gäste persönlich, legte seinen Arm um meine Schulter und wies die Plätze an. An jenem Abend lernte ich die Kapitalistenklasse kennen und vorläufig hassen…

In meiner Heimatstadt Hagen gibt es ein Gebiet, welches oberhalb der durch den Basketball bekannten Ischelandhalle und des Fußballstadions, des ehemaligen Zweitligisten SSV Hagen liegt und „der Höing“ heißt. Einer dieser Höings, Schulte-Höing, einer sehr besitzenden westfälischen Familie, saß an diesem Abend an unserem Tisch. Er war ein feister Typ Marke Erhardt, in Begleitung eines ebensolchen Individuums und zweier erheblich jüngerer, in klassischer Weise zurechtgemachter Damen, welche nur schlecht ihre Langeweile kaschierten. Höing beschwerte sich bei Lou van Burg, es wäre ihnen ein separater Tisch versprochen und nun säßen drei weitere Personen am Tisch. Van Burg erklärte ihm allerdings, aus Platzgründen könne man keine Änderungen herbeizuführen und die Sitzordnung wäre immer so, ohne dass sich jemand darüber beschwert hätte. Der Dickwanst wurde kleinlauter, stellte sich nun vor und machte seinen Frieden mit der Situation. Er wurde dann unerträglich gesprächig und erzählte seine Familien, Besitz und anderweitige Geschichten und ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, Mitglieder der „feinen Gesellschaft“ den ganzen Abend beobachten zu können, wie sie lachten, aßen, tranken, mit ihren Frauen scherzten, herablassend schwadronierten und unnütz in die Gegend starrten.

Das von Manger-Programm wurde für mich zur Nebensache, ich hatte in diesen Stunden erlebt, wie eine Abneigungen gegen solche Menschen entstehen konnte und der Eindruck dieses Erlebnisses sollte ein bleibender ein.

Ach ja: Sylt. 1972 hatten wir von dort eine Ausflugsfahrt nach Helgoland mitgemacht - bei Windstärke 8! Mein Vater und ich landeten in der Station des Roten Kreuzes. Logisch, das an diesem verhängnisvollen Tag, da mir der Stand erstmals in meinem Leben verloren ging, der FC Schalke 04 mit 5:0 gegen Kaiserslautern das DFB-Pokalendspiel 1972 gewann.

Unangenehm war vor dem nächsten Urlaub im Jahre 1973, dass mein Hamster Schnüffi sich seit Tagen sterbenskrank durch den Käfig schleppte. Was sollte ich tun? Alle meine Tiere vergrub ich nach ihrem Ableben hinter der Garage, die neben dem Haus stand. Wenn ich nun in den Urlaub fahren würde und Schnüffi stürbe ein oder zwei Tage später, vielleicht schmisse man ihn einfach in den Müll - jedenfalls wüsste ich nicht wo er genau wäre und schließlich besaß ich ihn schon eine ganze Weile. Weil er mir so ans Herz gewachsen war, entschloss ich mich ihn zu erschießen. Es war eine Qual, - für mich! Ich nahm ihn aus dem Kasten, setzte ihn auf die Wiese hinter dem Haus und weinte. Immer wieder nahm ich Anlauf. Zwar konnte ich gut mit dem Luftgewehr umgehen, hatte früher dummerweiße als Kind auch schon mal beim Spatzenschießen mitgemacht, doch dieses kleine braune Geschöpf hatte ich sehr lieb. Aber was blieb mir schon anderes übrig? Nach einer halben Stunde Kampf mit mir und meinem Gewissen, entschloss ich mich zur bitteren Notwendigkeit, setzte Schnüffi den Lauf ins Genick und drückte ab. Die Kugel durchschlug den Körper, der überhaupt nicht zuckte. Ich begrub ihn an der Garage und konnte nun beruhigter in den Urlaub nach Sylt fahren.

TK 1972 auf Sylt

TK auf Helgoland

TK auf Sylt 1974

Fotos: Tanja Krienen-Archiv

14 Kommentare »

  1. Noch so eine völlig absurde Schmähung einer Autorin, die mir schon lange verdächtig ist -
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,362647,00.html

    Kommentar von Campo-News — 18. Juli 2005 @ 07:47

  2. Da entdeckte ich doch jüngst ein weiteres Sylter-Bild aus dem Jahr 1972, das mich im Alter von süßen 15 Jahren zeigt.
    sylt-2.jpg

    Kommentar von Campo-News — 21. April 2007 @ 08:19

  3. Hattest du da noch deinen Schwanz?

    TK: Frauen haben doch seit ca. 35 000 Jahren keine Schwänze mehr. Zu keiner Zeit aber wäre es einer Frau eingefallen, mit dem Namen einer gesäßlastigen und hüftsteifen Tunte zu kokettieren und wahrscheinlich auch zu masturbieren. Das bleibt nur Vertretern deiner Sorte vorbehalten.

    Kommentar von Boy George — 21. April 2007 @ 12:07

  4. Du scheinst  - der Rest wurde gelöscht.

    TK: Lebe deine Schwulenphantasie woanders aus.

    Kommentar von Boy George — 22. April 2007 @ 23:01

  5. Warum gehst du mit dem so böse um, Tanja,

    “Boy George” hat immerhin einige gute Popknaller hingelegt, da darf man ihn doch auch mal gut finden. Ich erinnere mich noch an eine Taxifahrt vom Berliner “Dschungel” in den neuen Laden “Crie du chat”, der Taxifahrer hat die komplette Boy George Platte runtergespielt und ist einen Umweg gefahren. Aber damals hatte ich Geld satt, mir war das egal, ich war ja “Drogendealer”, aber nicht bewaffnet!

    Kommentar von hegelxx — 23. April 2007 @ 10:35

  6. Über das:

    http://www.youtube.com/watch?v=WjO27NZULMw

    könnten du, ich, Tjark Kunstreich und Eike Stedefeldt sich sicher eine ganze Weile unterhalten… da kämen wahrscheinlich Sachen raus, die wir alle nicht wahrhaben wollen!

    Grüsse

    Kommentar von hegelxx — 23. April 2007 @ 10:46

  7. Eine Anmerkung neinerseits jedoch:

    Das irre Zeug mit der Liebe, wovon “Boy George” da faselt, und das macht er gut, ich frage mich gerade, “wieso singt ein Drogenbold vor demn Royal Orchstra?”

    Das hat der Marx schon vor 150 Jhren erledigt:

    Um sich zur “Ruhe des Erkennens” zu vollenden, muß die kritische Kritik vor allem sich der Liebe zu entledigen suchen. Die Liebe ist eine Leidenschaft, und nichts gefährlicher für die Ruhe des Erkennens als die Leidenschaft. Bei Gelegenheit der Romane der Frau v. Paalzow, die er “gründlich studiert zu haben” versichert, überwältigt Herr Edgar daher “eine Kinderei wie die genannte Liebe”. Solches ist ein Scheuel und Greuel und reget in der kritischen Kritik auf Ingrimmigkeit, machet sie fast gallenerbittert, ja abersinnig.

    “Die Liebe … ist eine grausame Göttin, welche, wie jede Gottheit, den ganzen Menschen besitzen will und nicht eher zufrieden ist, als bis er ihr nicht bloß seine Seele, sondern auch sein physisches Selbst dargebracht hat. Ihr Kultus ist das Leiden, der Gipfel dieses Kultus ist die Selbstaufopferung, der Selbstmord.”

    Um die Liebe in den “Moloch”, in den leibhaftigen Teufel zu verwandeln, verwandelt Herr Edgar sie vorher in eine Göttin. Zur Göttin, d.h. zu einem theologischen Gegenstand geworden, unterliegt sie natürlich der Kritik der Theologie, und überdem liegen bekanntlich Gott und Teufel nicht weit auseinander. Herr Edgar verwandelt die Liebe in eine “Göttin”, und zwar in eine “grausame Göttin”, indem er aus dem liebenden Menschen, aus der Liebe des Menschen den Menschen der Liebe macht, indem er die “Liebe” als ein apartes Wesen vom Menschen lostrennt und als solches verselbständigt. Durch diesen einfachen Prozeß, durch diese Verwandlung des Prädikats in das Subjekt, kann man alle Wesensbestimmungen und Wesensäußerungen des Menschen in Unwesen und Wesensentäußerungen kritisch umformen. So z.B. macht die kritische Kritik aus der Kritik, als einem Prädikat und einer Tätigkeit des Menschen, ein apartes Subjekt, die sich auf sich selbst beziehende und darum kritische Kritik: ein “Moloch”, dessen Kultus die Selbstaufopferung, der Selbstmord des Menschen, namentlich des menschlichen Denkvermögens ist.

    “Gegenstand”, ruft die Ruhe des Erkennens aus, “Gegenstand, das ist der richtige Ausdruck, denn der Geliebte ist dem Liebenden - (das Femininum fehlt) - nur wichtig als dieses äußere Objekt seiner Gemütsaffektion, als Objekt, in welchem es sein selbstsüchtiges Gefühl befriedigt sehn will.”

    Gegenstand! Entsetzlich! Es gibt nichts Verwerflicheres, Profaneres, Massenhafteres als ein Gegenstand - à bas der Gegenstand! Wie sollte die absolute Subjektivität, der actus purus , die “reine” Kritik, nicht in der Liebe ihre bête noire, den leibhaftigen Satan erblicken, in der Liebe, die den Menschen erst wahrhaft an die gegenständliche Welt außer ihm glauben lehrt, die nicht nur den Menschen zum Gegenstand, sondern sogar den Gegenstand zum Menschen macht!

    Die Liebe, fährt die Ruhe des Erkennens, außer sich, fort, beruhigt sich nicht mal dabei, den Menschen in die Kategorie “Objekt” für den andern Menschen zu verwandeln, sie macht ihn sogar zu einem bestimmten, wirklichen Objekt, zu diesem, schlecht-individuellen (siehe Hegel, “Phänomenologie”, über das Diese und das Jene, wo auch gegen das schlechte “Dieses” polemisiert wird), äußerlichen, nicht nur innerlichen, in dem Gehirn steckenbleibenden, sondern sinnlich offenbaren Objekt.

    Lieb’
    Lebt nicht allein vermauert im Gehirn.

    Nein, die Geliebte ist sinnlicher Gegenstand, und die kritische Kritik verlangt zum allermindesten, wenn sie sich zur Anerkennung eines Gegenstandes herablassen soll, einen sinnlosen Gegenstand. Die Liebe aber ist ein unkritischer, unchristlicher Materialist.

    Endlich macht die Liebe gar den einen Menschen zu “diesem äußern Objekt der Gemütsaffektion” des andern Menschen, zum Objekt, worin sich das selbstsüchtige Gefühl des andern Menschen befriedigt, ein selbstsüchtiges Gefühl, weil es sein eignes Wesen im andern Menschen sucht, und das soll doch nicht sein. Die kritische Kritik ist so frei von aller Selbstsucht, daß sie den ganzen Umfang des menschlichen Wesens in ihrem eignen Selbst erschöpft findet.

    Herr Edgar sagt uns natürlich nicht, wodurch sich die Geliebte unterscheidet von den übrigen “äußerlichen Objekten der Gemütsaffektion, worin sich die selbstsüchtigen Gefühle der Menschen befriedigen”. Der geistreiche, vielsinnige, vielsagende Gegenstand der Liebe sagt der Ruhe des Erkennens nur das kategorische Schema: “dieses äußere Objekt der Gemütsaffektion”, wie etwa der Komet dem spekulativen Naturphilosophen nichts sagt als die “Negativität”. Indem der Mensch den Menschen zum äußeren Objekt seiner Gemütsaffektion macht, legt er ihm zwar nach dem eignen Geständnis der kritischen Kritik “Wichtigkeit” bei, aber eine sozusagen gegenständliche Wichtigkeit, während die Wichtigkeit, welche die Kritik den Gegenständen beilegt, nichts anders ist als die Wichtigkeit, die sie sich selbst beilegt, die sich daher auch nicht in dem “schlechten äußeren Sein”, sondern in dem “Nichts” des kritisch wichtigen Gegenstandes bewährt.

    Wenn die Ruhe des Erkennens in dem wirklichen Menschen keinen Gegenstand besitzt, besitzt sie dagegen in der Menschheit eine Sache. Die kritische Liebe “hütet sich vor allem, über der Person die Sache zu vergessen, welche nichts anders ist als die Sache der Menschheit”. Die unkritische Liebe trennt die Menschheit nicht von dem persönlichen individuellen Menschen.

    “Die Liebe selber, als eine abstrakte Leidenschaft, die kommt, man weiß nicht wo her, und geht, man weiß nicht wohin, ist des Interesses einer innern Entwicklung unfähig.”

    Die Liebe ist in den Augen der Ruhe des Erkennens eine abstrakte Leidenschaft nach dem spekulativen Sprachgebrauch, wonach das Konkrete abstrakt und das Abstrakte konkret heißt.

    Sie war nicht in dem Tal geboren,
    Man wußte nicht, woher sie kam;
    Doch schnell war ihre Spur verloren,
    Sobald das Mädchen Abschied nahm.

    Die Liebe ist für die Abstraktion “das Mädchen aus der Fremde”, ohne dialektischen Paß, und wird dafür von der kritischen Polizei des Landes verwiesen,

    Die Leidenschaft der Liebe ist des Interesses einer innern Entwickelung unfähig, weil sie nicht a priori konstruiert werden kann, weil ihre Entwicklung eine wirkliche ist, die in der Sinnenwelt und zwischen wirklichen Individuen vorgeht. Das Hauptinteresse der spekulativen Konstruktion ist aber das “Woher” und das “Wohin”. Das Woher ist eben die “Notwendigkeit eines Begriffs, sein Beweis und Deduktion” (Hegel). Das Wohin ist die Bestimmung, “wodurch jedes einzelne Glied des spekulativen Kreislaufes, als Beseeltes der Methode, zugleich der Anfang eines neuen Gliedes ist” (Hegel). Also nur, wenn ihr Woher und ihr Wohin a priori zu konstruieren wäre, verdiente die Liebe das “Interesse” der spekulativen Kritik.

    Was die kritische Kritik hier bekämpft, ist nicht nur die Liebe, sondern alles Lebendige, alles Unmittelbare, alle sinnliche Erfahrung, alle wirkliche Erfahrung überhaupt, von der man nie vorher weiß, “woher” und “wohin”.

    Herr Edgar hat durch die Überwältigung der Liebe sich vollständig als “Ruhe des Erkennens” gesetzt und kann nun an Proudhon sogleich eine große Virtuosität des Erkennens, für welches der “Gegenstand” aufgehört hat, “dieses äußere Objekt” zu sein, und eine noch größere Lieblosigkeit gegen die französische Sprache bewähren.

    Kommentar von hegelxx — 23. April 2007 @ 11:57

  8. Was wollen wir nicht wahrhaben? Dass der echte “Boy” George” eine arme drogenabhängige Tunte ist? So wie alle dieses Schlages a la Michaels Jackson, Freddie Mercury usw.? Und was seine “Kunst” angeht so liegt die auf diesem Niveau - http://www.campodecriptana.de/blog/2006/10/07/607.html und bedarf keines weiteren Kommentars.

    Kommentar von Campo-News — 23. April 2007 @ 15:47

  9. Insel ohne Insulaner

    Kommentar von Campo-News — 14. August 2010 @ 07:57

  10. Sylt brennt

    Kommentar von Campo-News — 16. August 2010 @ 18:29

  11. Ein 13-jähriger Urlauber aus Nordrhein-Westfalen soll die Polizei auf die Spur des Verdächtigen geführt haben. Das beherzte Eingreifen des Teenagers rettete demnach Menschenleben.

    Kommentar von Campo-News — 22. August 2010 @ 15:55

  12. http://www.focus.de/reisen/deutschland/sylt-insel_id_3751406.html

    Kommentar von Campo-News — 20. Juli 2014 @ 09:33

  13. Jedes Jahr spülen und kippen die Sylter Abertausende Tonnen Sand vor ihre Westküste. Auch der Ort Hörnum im Süden wurde gesichert: Dort ließen Ende der Sechzigerjahre Lokalpolitiker Hunderte tonnenschwere Tetrapoden an den Strand legen, sie brechen die Brandung - unmittelbar nördlich der Odde.

    Den Schutzwall für den Ort halten viele Sylter für den Todesstoß an der Odde. Die Zahlen scheinen ihnen recht zu geben: Seit Anfang der Siebzigerjahre hat sich der Landverlust im Süden erheblich verstärkt. Offenbar läuft das Meer nun - abgelenkt von den Tetrapoden - stärker im Süden auf.

    Die nördlichsten Dünen der Odde immerhin profitiert von den Tetrapoden, sie liegen hinter dem Schutzwall. “Insofern”, sagt Küstenschützer Arfst Hinrichsen, “wird es auch künftig eine kleine Odde geben”. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/hoernum-odde-sylt-verliert-seinen-sueden-a-1075261.html

    Kommentar von Campo-News — 5. Februar 2016 @ 11:10

  14. Natürlich liegt Hohenlimburg NICHT im Sauerland http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/boeing-wird-100-vom-bootsschuppen-zum-weltgroessten-flugzeughersteller-a-1103168.html

    Kommentar von Campo-News — 17. Juli 2016 @ 15:20

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