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10. Juli 2015

Das Interview zum Buch und Vorwort-Auszüge

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 10:48

DAS INTERVIEW ZUM BUCH!!!

„Der Mensch sucht sich seine Vorbilder nach seinen Neigungen.“

Frage: Tanja, Du bist eine interessante Person, die man als widersprüchlich bezeichnen muss. Du schreibst Artikel für linke Blätter, zum Beispiel: Spiegel und taz, dann aber auch für rechte Magazine, wie das von eigentümlich frei. Kannst Du Dich nicht für eine politische Richtung entscheiden?

Tanja Krienen: Widersprüchlich wäre ich, wenn sich meine Positionen widersprechen würden. Dies geschieht aber selten, maximal dann, wenn der Zeitstrom völlig andere Konstellationen bringt und etwas, das in einer anderen Zeit richtig war, modifiziert werden muss, weil die handelnden Parteien, Personen, Staaten oder Gruppen ihren Charakter änderten. Die erdrückende Anzahl meiner getätigten Meinungsäußerungen sind von der Richtung ihrer Aussagen gleich geblieben, wie man in meinem neuen Buch „Fackeln in der Dämmerung – Texte aus vier Jahrzehnten“ sehen kann. Da sich die Rahmenbedingungen stark veränderten, ordnen sich bestimmte Äußerungen bisweilen in ein anderes politisches Schema ein als in früheren Jahren oder Jahrzehnten. Ich habe immer dort veröffentlicht, wo mir die Chance dazu ermöglicht wurde und es bei entsprechender Toleranz passte, denn manche Medien sind, resp. waren diskussionsfreudiger als man denkt. Mein Ehrgeiz hat aber abgenommen und ich bemühe mich kaum noch um Veröffentlichungen, nicht zuletzt, weil es auch andere Möglichkeiten gibt seine Meinung unzensiert zu veröffentlichen. Das war ja auch ein Grund für die Herausgabe meines Magazins „Campo de Criptana“.

Frage: Wer Deine Texte liest, weiß, dass Du Aphorismen, Gedichte und Artikel schreibst. Du vereinigst in Deinen Werken Poesie und Politik, was widersprüchlich ist. In der Regel sind Autoren eher Poeten, also an Politik wenig interessiert; wie ist diese Mischung zustande gekommen?

Tanja Krienen: Och, die meisten Literaten haben doch sowohl Gedichte als auch Aphorismen geschrieben und von Zeit zu Zeit auch eine andere Form zur Veröffentlichung genutzt. Karl Kaus, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht – die klassischen großen Alten der neuen Form haben dies getan, aber auch Philosophen wie Friedrich Nietzsche oder sogar Karl Marx, dichteten neben ihrem eigentlich Werk oder, wie der erstgenannte, komponierte sogar. Günter Grass oder Wolf Biermann konnten ebenfalls die ganze Angebots-Palette abrufen: Werke, Gedichte und Artikel. Bei Letzterem kommt noch der politische Gesang hinzu. „Allrounder“ sind meine Vorbilder und da ich durch keine Journaillenschule schmal kanalisiert und abgetötet wurde, versuche ich mich traditionell an allem. Die ersten Geschichten habe ich mit 13 geschrieben, sie sind aber verschollen. Was vielleicht auch gut ist. Nein, ganz bestimmt sogar. Vorbild ist auch einer, wie Richard Huelsenbeck, der nicht nur eine Kunstform mit entwarf, sondern dichtete, Pamphlete schrieb und im Hauptberuf später als Psychoanalytiker eine Praxis in New York betrieb. Oder Georg Kreisler, der nicht nur gereimte Texte schrieb, sondern auch Artikel, Satiren, hauptsächlich aber sang und vielerlei komponierte. Im Bereich der Sprache wäre auch noch Hanns-Dieter Hüsch zu nennen, der, ähnlich wie Kreisler, Wortakrobatik, Politik und Unterhaltung vorbildlich verband. Unter den fremdsprachigen Autoren muss hier noch Tom Lehrer erwähnt werden, obwohl ich zu ihm erst relativ spät gelangte.

Frage: Der marxistische Philosoph Herbert Marcuse prägte den Begriff der Repressiven Toleranz, also einer Toleranz, die Herrschaft unterstützt. Wie stehst Du als Autorin und Publizistin dazu? Akzeptierst Du die Meinung von Marcuse oder hast Du, bezüglich von Toleranz, eine andere Meinung? Wie drückt sich die in Deinen Büchern aus? 

Tanja Krienen: Marcuses Essay ist klug, aber auch sperrig, einseitig, verengt und autoritär. Daneben finden sich manch richtige einzelne Aussagen. Der Rahmen in dem Marcuse denkt, resp. den er sich setzte, ist ein linksradikaler und hat sich völlig verändert. Für ihn war allein die „Klassenfrage“ entscheidend und alle Vorgänge reduzierte er darauf, ob sie dem linken Kollektiv nutzen oder schaden. In seinem Sinne war die Toleranz gegenüber jeder abweichenden Meinung, die er rechts einordnete, falsch, ja sogar böse. Es gibt innerhalb seines verengten Weltbildes dennoch eine Option zur tatsächlichen Weltverbesserung und eine gewisse Schnittmenge, die er mit säkularen und aufgeklärten Menschen teilt. Und an dieser Stelle hat er ganz abstrakt recht: Die Politik, bzw. die Gesellschaft, schafft viele Ventile zur Ablenkung und zur kollektiven Identitätsstiftung, die letztlich ein falsches „Wir“ erzeugt  und die eigentliche Probleme nicht erkennt oder sie verleugnet, in dem sie alle Äußerungsformen als gleich und wichtig belässt. Marcuse kannte den Begriff der Postmoderne noch nicht. Fakt ist, dass er, der sich als Dialektiker versteht, wie so viele scheinbar dialektisch Denkende, den letzten Sprung zur Wahrheitsfindung um jeden Preis ablehnt und zugunsten einer politischen Propaganda verwirft. Er ist kein typischer Vertreter der Frankfurter Schule. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Toleranz kein endgültiger Wert sein kann, nur beziehe ich diese Trennschärfe auf ganz andere und heute aktuelle Themen. Ob Marcuse zu ihnen gelangt wäre, vermag ich nicht sagen.

Frage: Erzähl doch mal, über welche Themen Du genau schreibst?

Tanja Krienen: Solange ich denken kann kreisen meine Gedanken um die Politik und die damit zusammenhängenden gesellschaftlichen Fragen, aber auch um Musik, Kunst und Literatur. Ebenso bin ich an Philosophie interessiert und an der Psychologie, die ich mit der Beschreibung unzähliger Verhaltensweisen in Satiren und Polemiken auf eine greifbare Ebene herunterbreche und dadurch ihre Wirkung auf den Menschen aufzeige.

Frage: Wer sind Deine literarischen Vorbilder und warum genau die?

Tanja Krienen: Der Mensch sucht sich seine Vorbilder nach seinen Neigungen. Fast alles fügt sich automatisch zusammen. Am Anfang standen die klassischen deutschen Gedichte, die mir mein Vater, ein Mauer, als Kind aus dem Gedächtnis vortrug, noch ehe ich lesen konnte. Unbehagliches Empfinden am Lernstoff in der Schule, löste sich vorsichtig, als ich Wolfgang Borchert oder auch im Ansatz Brecht gewahr wurde. Als Arbeiterkind musste ich mir Wissen erst durch eigenes Interesse erarbeiten, zumal ich in der Schule fast nichts für das Leben lernte. So war es dann ein Glücksfall, dass ich frühzeitig mit der Linken in Berührung kam, z.B. später die konkret las und durch Gremlizas Neigung zu Karl Kraus, neugierig wurde. Sodann erschloss sich vor allem ein Faible für die Art und Weise des Schreibens. Der Rhythmus, die respektlose Herangehensweise, der hintergründige Witz, die Tempowechsel und die raffinierte Auflösung verschachtelter Sätze, die artifiziell zu nennenden Satzkompositionen, letztlich der Spaß an der Bedeutungssuche mir unbekannter Fremdworte und abseitiger, hingeworfener Informationen, ließen mich in den Sprachgarten eintauchen und versinken. Der Wiedererkennungswert bei Nietzsche war sehr groß. Wann immer ich die linken Vorbilder nenne, so meine ich heute nicht ihre konkrete Ausformung, ihre bisweilen immer nur in klassischen Feindbildern verharrenden Bilder, sondern ihre Methodik, die ich wie vorgestellt charakterisierte. Von den alt-konservativen Schreibern, vereinfacht gesagt, fesselt mich allein Schopenhauer.

Frage: Lass uns ein wenig über Dein Leben reden. Manches erinnert mich an Nietzsche, der mit dem Hammer philosophieren wollte. Bist Du ein weiblicher Nietzsche?

Tanja Krienen: Meine Affinität zu ihm teile ich mit vielen anderen künstlerisch interessierten Menschen, denen das herrschende Korsett zu eng ist und die sich selbst eine Fähigkeit zur Meinungsbildung attestieren. Mein Hang zur „Besserwisserei“, wie es manche Außenstehende vielleicht empfinden, liegt darin begründet, viele Fakten anzusprechen und tatsächlich verschiedene Enden miteinander zu einer neuen Sichtweise zu verknüpfen. Da sie aber wenig metaphysische Elemente besitzt, kann sie die Massen nicht nebulös einspannen und bleibt zu schroff. Sie versucht nie die Massen für sich zu gewinnen, hasst aber ebenso verschrobenes und elitäres Denken einzelner und selbstgerechter kleiner Könige. Da bedarf es manchmal auch des Hammers. Blass-Bürgerlicher-Background steht bis heute im Gegensatz zur „Hemd-aus-der-Hose-und-Hände-in-der-Tasche“-Haltung. Für den Hammer muss man die Hand aus der Tasche nehmen. Und beide Hände benötigt man oft beim Reden!

Frage: Du schreibst auch manchmal über Deine Art von Sexualität - ist Sexualität politisch? Ich meine, ist Deine Art der Sexualität Dein Antrieb auf das Gebiet der politischen Bühne?

Tanja Krienen: Überhaupt nicht. Ich hege keinerlei alternative Gedanken, sie sich aus irgendeiner sexuellen Sichtweise speisen. Da empfinde ich mich als Norm, als absolut mittig. Es ist tragisch, dass ich oft in Ecken gestellt werde, in denen ich mich nicht einmal bei Nacht wage. Wenn ich etwas konstatieren muss, dann vielleicht eine gewisse Empfindlichkeit, weil man mich für etwas nimmt, was ich nicht bin und einsortiert. Mein Interesse für Psychologie und eine gewisse Erfahrung machen mich kundiger als der Schnitt und mein Mut Klartext zu reden und mich zu positionieren, angreifbarer. Das geht jedem so, der sich vorwagt und eine abweichende Meinung äußert und sei es auch nur in Teilbereichen.

Frage: Mir fällt auf, dass Du in verschiedenen Parteien warst, angefangen von der erzlinken DKP, über die konservative CDU, bis hin zur rechtskonservativen AfD. Wie kam das?

Tanja Krienen: Als Linke startete ich aufgrund meines Elternhauses und manch frühen kindlichen Erfahrungen im Alltag. Die gesellschaftlichen Schichten waren vor 50 Jahren viel stärker als heute voneinander getrennt, denn die Menschen lebten in völlig unterschiedlichen Welten. Über die Unzufriedenheit mit der regierenden SPD, der Lektüre von Marx und Engels und dem Kennenlernen von Wolf Biermann und seiner kritischer Sicht auf die DDR aus linker Überzeugung, sah ich mich vom Frühjahr 1974 an, also um meinen 17.Geburtstag, als der kommunistischen Bewegung zugehörig. Verstand und Gefühl folgend, lief auch hier viel über die Musik und besonders über die Lieder des für mich bis heute einzigartigen Sängers Ernst Busch. Er traf genau den Ton, den ich mochte: klar, direkt, intelligent in der Umsetzung. Ein deutscher Johnny Cash! Ein mexikanischer Jorge Negrete! Wir hatten in den 70er Jahren viele nette Ideen und ich analysierte bereits 1982, also drei Generalsekretäre vor Gorbatschow, dass sich objektiv nicht nur das Meiste erfüllt hatte, sondern manche Forderungen weit über das Ziel hinaus schossen. So verließ ich die DKP. Philosophisch blieb ich Materialistin, Atheisten und Anhängerin der Modernen. Ich blieb stehen, die ganze Meute aber rauschte irgendwann links an mir vorbei, forderte Absurdes, das wir einst nur den Abenteurern, Trotzkisten, Maoisten, Anarchisten oder regelmäßigen Drogenkonsumenten zugeignet hatten. Von diesem ultralinken Standpunkt erscheint meiner nur in Teilen liberal und vielfach auch konservativ, sogar reaktionär. Wenn man die Ausführungen der Philosophen des 19. Jahrhunderts als Maßstab nimmt und an weite Bereiche als immer noch zutreffend, dann muss man halt das Etikett „rückwärtsgewandt“ annehmen, selbst wenn man es moderner präsentiert. So will es das Gesetz, das von jenen bestimmt wird, die nie über den viel älteren Marx oder die Sagengestalt Jesus herauskamen.

Frage: Bei der AfD hast Du das Handtuch geworfen, obwohl Du den Ortsverband gegründet hast und zur Sprecherin bestimmt wurdest. AfD und Tanja Krienen - ein Missverständnis?

Tanja Krienen: Ich habe die AfD schon richtig verstanden. Es war übrigens der Kreisverband den ich mitgründete, so wie auch den Landesverband NRW! Die AfD ist nicht das, was sie vorgibt, sondern eine weitgehend unideologische Wutbürgerpartei ohne echte Analysefähigkeit, die meist genauso grummelt wie die linke Basis. Von einer Partei, welche angeblich die alte Formel von der liberal-konservativen Richtung vertreten will, wie sie z.B. der Publizist Gerhard Löwenthal postulierte, der übrigens auch ehedem ein Linker war (Jude dazu)l, ist die Partei meilenweit entfernt. Aber nur so eine Partei wäre ein echter Widerpart zum Allparteipool, in den man die AfD wohl mit hineinwerfen darf. So ist sie das, was es schon längst gibt.

Frage: Um noch einmal auf den hauptsächlich als Kabarettist bekannten Georg Kreisler zurückzukommen, mit dem Du einen regen Briefwechsel geführt hast. Wie hast Du ihn kennengelernt? Über welche Themen habt ihr euch ausgetauscht und letztlich: Du hast herausgefunden, dass sich Kreisler mal mit Hanns Eisler getroffen hat. Was ist an diesem Treffen so interessant gewesen?

Tanja Krienen: Ich sah ihn häufig auf der Bühne und sprach auch schonmal nach der Vorstellung mit ihm. Doch die elf Jahre dauernde Brieffreundschaft begann, als mir bei einer Recherche auffiel, dass an Charlie Chaplins „Monsieur Verdoux“ sowohl Hanns Eisler, als auch Georg Kreisler mitgearbeitet haben sollen, obwohl in den einzelnen Biographien nichts von einer gemeinsamen Arbeit zu lesen war. Sollte es sich um einen Irrtum handeln? Kr(eisler), sehr kurios. Und doch: Chaplin wollte zu seinem Film die Musik schreiben, konnte aber keine Noten. So pfiff er Kreisler die Melodien vor, der notierte sich alles und machte sich dann auf nach Malibu, wo Hanns Eisler im Exil wohnte, der dann die Vorlagen in Orchestermusik umsetze. Zwei Juden, die beide in Hollywood überlebten, der ältere schon sehr erfolgreich, nicht nur wegen seiner Arbeit mit Brecht, und der jüngere, grad 22, der sich seinen Namen noch erarbeiten musste.

Frage: Du hast einige Briefe beigesteuert zu dem Buch von Dr. Nikolaus Topic-Matutin, das den Titel hat: „Georg Kreisler – Doch gefunden hat man mich nicht“. Das Buch veröffentlichte Texte, Gedichte und Briefe, die bisher noch unbekannt waren. Kann man noch mehr von Dir über Kreisler erwarten – etwa in Buchform?

Tanja Krienen: Das wohl nicht, doch der Verlust schmerzt noch immer. Gern würde ich jedoch einen Spielfilm über sein Leben anregen wollen, das unfassbar viele Anekdoten bereithält und mit der Weltgeschichte verknüpft ist. Zum Beispiel, wie Hitler Kreislers Onkel Julius Plakate für eine Werbeaktion gegen Schweißfüße malte oder wie er auf der Flucht 1938 auf einem Schiff das Kosher-Nostra Mitglied Bugsy Siegel (eigentlich Benjamin Siegelbaum) traf und mit ihm Schach spielt und auch später bei dessen Erschießung in der Nähe weilt oder als er 1945 als Mitglied der „Ritchie Boys“ u.a. Hermann Göring, Julius Streicher und Ernst Kaltenbrunner als Dolmetscher mitverhört u.v.m.

Frage: Was planst Du für die Zukunft?

Tanja Krienen: Falls es sie gibt: Seit zwei Jahren sammele ich Stoff für einen Roman und habe schon fragmentarisch einige Szenen erarbeitet. Wenn es gelingt, wird es mit Abstand zum bösesten Werk, das ich je verbrach. Mein Arbeitstempo hat sich verlangsamt, ich werde sicher noch zwei, vielleicht auch drei Jahre zur Vollendung benötigen. Ansonsten halte ich es mit Brecht:

Ja, mach nur einen Plan!

Sei nur ein großes Licht!

Und mach dann noch’nen zweiten Plan

Gehn tun sie beide nicht.

Das Interview mit Tanja Krienen führte Wolfgang Luley, Redakteur und Lektor des Romowe-Verlages

Hagen Ernst, Herausgeber: „Der Unterschied zwischen Tanja Krienen und vielen anderen politischen Beobachtern ist, dass Tanja Krienen keine Despotin ihrer Meinung ist. Trotzdem taff und kampfesgewillt ist, damit ihre Sicht der Dinge aufgezeigt werden können….Tanja Krienen muss gedruckt und gelesen werden. Über ihre Meinungen muss diskutiert werden. Und ehrlich, ganz leise, werden wir im Chor die Zeile „Es muss mehr Krienens geben“ anstimmen.“

Wolfgang Luley, Autor und Lektor: „Über Tanja Krienens Fähigkeit, als Autorin, lautet mein Urteil: Sie kann alles, außer langweilen!…Gemäß ihres Vorbildes Karl Kraus, bescheinigt sie sich „produktiven“ Hass. Weiß man, wie manche Leute mit ihr umspringen, dann versteht man ihre Einstellung. Philosophierte Nietzsche mit dem Hammer, so hämmert Tanja mit hammerharten Wortspielen. Ihre Texte erschöpfen sich aber nicht in bloßen Wortspielen, dafür hat sie dann zu viel kämpferischen Geist, der sich in wertkonservativen An- und Einsichten ausdrückt. Der Leser mag selbst entscheiden, was ihn an den Texten überzeugt und gefällt. Ich bin mir sicher, ein jeder wird fündig.“

Felix M. Kielstein: „Nur bei wenigen Diskussionspartnern habe ich mich beim Meinungsaustausch derart zum gründlichen, ja grundsätzlichen Denken veranlaßt gefühlt wie bei Tanja Krienen. Damals wie heute eine wohltuende Herausforderung für den Verstand, die meinen aufrichtigen Dank hervorbringt…. Es liegt aber in unserer Verantwortung, dem Irrsinn vermeintlicher Mehrheiten nicht nachzufolgen, sondern um die Aufrichtigkeit der eigenen Überzeugungen auch dann unverzagt zu streiten, wenn man sich als Einzelner einer Übermacht gegenübersieht. Tanja Krienen gebührt Anerkennung, den Wert dieser Kämpfe für den heutigen Leser zu verdeutlichen. Für den Einsichtnahme einer weltanschaulichen Fortentwicklung über vier Jahrzehnte und die Erkenntnis, daß Kultur nicht Verhalten, sondern Haltung bedeutet. Auf die häßliche Dreistigkeit unwidersprochener Dummheit gehen noch immer viel zu wenige „Hammerschläge“ nieder. Kampfgeist und Verstand, beides wirkt nur miteinander.“ http://www.amazon.de/Fackeln-D%C3%A4mmerung-Texte-vier-Jahrzehnten/dp/1512277193

 

Wolfgang Luley trifft Tanja Krienen

Unsere“ National“-Mannschaft ist längst keine mehr, sondern ein Vorzeige-Multi-Kulti-Projekt von Fußballmillionären auf der Grundlage eines gewachsenen Geschäftsmodell.

 

 

Hallo Tanja, Dein neues Buch ist raus. Dein vorheriges Buch hieß: Fackeln in der Dämmerung, Dein jetziges: Das Ziel in weiter Ferne. Warum so pessimistisch? Was ist in der Zwischenzeit passiert?

TK: Fackeln sollen bei einbrechender Dunkelheit helfen, die Vorstellung der hereinbrechenden Nacht trägt doch denselben pessimistisch-realistischen Charakter wie die Beschreibung eines weit entfernten Zieles. Es hat sich also nichts verändert. Doch wir sind drei Jahren voran geschritten, will sagen: die Dunkelheit nahm zu. Klar auch, dass man dann Ziele noch schlechter trifft, bzw. erreicht. Politisch gibt es auch immer mal einen Lichtblick und die pessimistisch-realistische Umschreibung des Istzustandes heißt auch nicht, es gäbe keine Hoffnung. Doch zunächst einmal ist das Ziel in weiter Ferne, die Nacht liegt noch vor uns und das Morgenrot Zukunftsphantasie.

Du hast wieder Artikel, Gedichte und Aphorismen aufgenommen. Der Ton ist gewohnt kämpferisch und die Themen reichen von der Antifa, über die AfD bis hin zum Islam. Was verbindet Dich gerade mit diesen Fragen?

TK: Der Islam und die Umgestaltung der Gesellschaft prägen das reale Leben und die öffentliche Debatte. Antifa und AfD sind zwei Pole dieser gesellschaftlichen Erscheinung, insofern muss ich sie mir vornehmen. Doch es gibt noch ein Dutzend weiterer Punkte an denen ich mich abarbeite, wie z.B. die Frage der kulturellen Entwicklung, der Musik, die herrschende Decadence, historische Fragen oder z.B. die Verdrängung der Vernunft und des Ursache-Wirkung-Denkens.

Apropos Islam: In Russland spielt derzeit die deutsche Nationalmannschaft um die WM-Krone. In Deinem neuen Buch sparst Du nicht mit Kritik an der Nationalmannschaft und am Deutschen Fußballbund. Vereinfacht gesagt, stört Dich, wie beide mit dem Islam umgehen. Dazu ein Beispiel: Vor der WM trafen zwei Spieler, Özil und Gündogan, Präsident Erdogan in London, was hitzige Debatten auslöste, weil sie mit einem Diktator posiert hatten. Beide Spieler beteuerten aber, ihr Verhalten sei unpolitisch gemeint gewesen. Danach haben der DFB und Bundestrainer Löw jede Diskussion im Keim erstickt, indem sie den Fall für beendet erklärten. Zu der Art von Normalität gehört auch, dass moslemische Spieler Halal-Fleisch serviert bekommen. Steckt im deutschen Fußball zuviel Islam?

TK: Eine unpolitische Begegnung zurzeit höchster politischer Anspannung in der Türkei? Niemals. Es war ein Zeichen des Einverständnisses zweier gläubiger Moslems mit der Politik des großen Führers in osmanischer Tradition. „Unsere“ National“-Mannschaft ist längst keine mehr, sondern ein Vorzeige-Multi-Kulti-Projekt von Fußballmillionären auf der Grundlage eines gewachsenen Geschäftsmodell. Der Grund, dass sich manche Spieler zu Deutschland bekennen, ist allein die Aussicht auf den größeren Erfolg. Gut integriert ist jemand, der nach Mekka fährt oder freudig Gemälde von osmanischen Schlachtenführern in seinen privaten Gemächern interessierten Journalisten zeigt, genauso wie der Eingeweidefisch in der Seegurke – als Parasit im Wirt.

Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, spaltet die Bevölkerung. Schon längst gehören Mosleminnen mit Kopftuch zum alltäglichen Erscheinungsbild auf deutschen Straßen. Ob wir wollen oder nicht, der Islam zwingt sich uns auf. Ich frage mich, warum ein aufgeklärtes Land, wie Deutschland, Religionen soviel Spielraum gibt? In Bayern etwa, wirbt Ministerpräsident Söder (CSU) für „mehr Christentum“. Dazu gehört, dass Kreuze in Staatsbehörden Pflicht werden. Sind wir tatsächlich noch ein aufgeklärtes Land? Wie hältst Du es mit der Religion?

TK: Schwierig. Ich bin im strengen Sinne nicht religiös, anderseits stehe ich nicht außerhalb der christlichen Tradition. Die Bilderschwere der katholischen Kirchen ist beeindruckend und rührt mich. Berührt mich. Doch glauben kann ich nicht, weder was die unklaren historischen Fakten betrifft, noch deren Inhalte. Dazu müsste ich den wissenschaftlichen Standpunkt aufgeben, wozu ich nicht bereit bin. Wer allerdings aus dieser Mär mit interessanten Bildern und Geschichten etwas Positives herausziehen möchte, dem sei es gegönnt. Etwas anderes ist mit dem Islam, nicht nur, weil er Fremdes transportiert. Er fordert die direkte Ableitung aller täglichen Handlungen aus den Geboten des so genannten Propheten und bleibt jeden Beweis schuldig, dass er andere nicht unterwerfen und eine offene Gesellschaft dulden wird. Das eigentliche Problem ist streng genommen die Arabisierung, bzw. die Orientalisierung Deutschlands. Sie ist vom Islam selten zu trennen, geht aber noch darüber hinaus. Man könnte es auch Balkanisierung nennen, will sagen: die Etablierung von Verhaltensformen, die untypisch für Deutsche sind, resp. waren, denn inzwischen hat sie ja infiltiert und infiziert. Die Russifizierung folgt gleich auf dem Fuß, kurz gesagt: es läuft eine Überfremdung, die tiefer geht als das, was gemeinhin diskutiert wird.

Mir fällt auf, dass nicht bloß Religionen einen breiteren Raum für sich beanspruchen, auch Gefühle genießen derzeit einen hohen Stellenwert. Nicht umsonst spricht man landläufig vom postfaktischen Zeitalter. Der eigene Glaube, die eigenen Gefühle und Wertvorstellungen gelten als wichtig, wichtiger auch als Tatsachen oder gesunder Menschenverstand. Was können Autoren für Auswege anbieten? Was ist Dein Rezept?

TK: Ja, das ist auch mein großes Thema. Dabei reklamiere ich durchaus starke Gefühle für mich und bin ein emotioneller Mensch. Doch es geht hier um den Überbau, die Ideologie und die Frage, wie man wahr und unwahr, und falsch und richtig auseinanderhalten kann. Vor allem aber, ob Subjektivität und die Beschreibung der jeweils eigenen Situation, zu einem Zustand führt, in dem Millionen „eigener Situationen“ Millionen Wahrheiten bedeuten, oder ob wir nicht mit einer ordentlichen Methode generalisierende und objektive Kriterien herauszubilden imstande sind. Geben wir das auf, verlieren wir jede Abstraktionsfähigkeit und jedes logische Denken.

Autoren arbeiten mit Sprache – eine Binsenweisheit. Sicher wirfst Du hin und wieder einen Blick in den Duden? Ich frage, weil jüngst der Duden-Verlag angab, dass Gendersternchen nicht in die neue Auflage aufnehmen zu wollen. Für Dich ein Verlust?

TK: Nein. Das überfordert alle und ist sachlich nicht begründet.

Lass uns etwas über „geschlechtergerechte“ Sprache reden. In Deinem neuen Buch verwendest Du keine geschlechtergerechte Sprache. Warum?

TK: Die Sprache ist gerecht genug, doch eher ist es umkehrt: Mörder/innen schreiben die Genderideologen nie. Nur eines will ich einräumen: eine Frau sollte auch in weiblicher Form angeredet werden, also „Frau Bundeskanzler“ oder „Frau Lehrer“ wären ein Unding. Insofern sollte man mitdenken, dass tatsächlich auch viele Frauen dabei sind, wenn unterschiedliche Menschen oder Gruppen skizziert werden. Doch abstrakt reicht meist die allgemeine Form, die scheinbar männlich daherkommt, in Wirklichkeit aber rein sächliches meint. Der Bürger ist so ein Fall. Es gibt aber die Hörer. Aha! DIE/die also die weiblichen Relativpronomen sind übrigens die häufigsten Wörter der deutschen Sprache.

Sollte alles beim alten bleiben oder braucht es eine sprachliche Wende? Wie sollte die aussehen?

TK: Wenn man etwas beachten sollte, dann die Ansprache von nichthomogenen Gruppen und dann sollte man die Bezeichnungen ausschreiben, z.B. „Sieben Informatikerinnen und Informatiker haben die Ausbildung begonnen.“ So müsste es heißen, wenn innerhalb der siebenköpfigen Gruppe beide Geschlechter präsent wären. Schreibe ich es mit einem Schrägstrich „Informatiker/in“ sieht es nicht nur übel aus, es verschwindet die männliche Form, wenn man es spricht.

Mir fällt auf, da wir beim Thema Sprache sind: 2015 wanderten Illegale nach Deutschland ein. In der Presse stand, es seien „Flüchtlinge“. Dann, als klar wurde, dass viele nur der Armut wegen aus ihren Heimatländern ausgewandert waren, hieß es, es seien „Armutsflüchtlinge“. Warum kann man nicht einfach sagen, dass es Migranten sind?

TK: Oder Asylanten? Weiß ich alles nicht. In diesem Komplex tobt der Irrsinn und er hat selbst Teile der Opposition rechts der Mitte erfasst.

Welche Rolle spielen Kriminelle, wie die Antifa, bei der Meinungsbildung in Deutschland?

TK: Ich würde einenTeil als Politkriminelle bezeichnen, denn sie sind politisch, nicht zuvorderst kriminell. Man würde ihnen somit absprechen, dass sie gezielt politisch arbeiten. Ihre kruden Thesen aber beherrschen die Politik. Der absolut linksextremistische und sektiererische Schlachtruf „Niemand ist illegal!“ wurde zum alles beherrschenden Impetus der Politik!

Wie ist Deine Meinung zu den Migranten? Wie sollte die Politik, wie sollten die Bürger reagieren?

TK: Es sollte kein Recht auf die freie Wahl des Wohnortes geben. Auch die EU-Freizügigkeit war ein Signal mit fatalen Folgen. Das geht alles zu weit. Wir müssen, kurz gesagt, zu den Zuständen und Regeln der 60er Jahre zurück.

Für meine Begriffe hat Politik wenig mit den Bedürfnissen und Interessen der Bürger zu tun. Das ist mir 2015 deutlich geworden, als eine Welle der „Willkommenskultur“ über das Land schwappte. Es kam mir vor, als ob viele betrunken wären. Wildfremde Leute waren pauschal gute Menschen und Freunde. Doch nach diversen Messer-Attentaten und Vergewaltigungen, scheint Ernüchterung bei vielen eingetreten zu sein. Was müssen wir Bürger tun, damit es nicht zu einer erneuten Trunkenheit kommt?

TK: Wir Bürger wurden überrollt, weil es die Eliten so entschieden. Die gesamte Situation ist vertrackt. Es ist aber vor allem der kulturellen Wandel, der die Bürger nicht erkennen lässt, was da alles vor sich geht, weil sie selbst diesen Abstand zu entsetzlichen Verhaltensweisen nicht haben. Wie konnte es zum Siegeszug des Rap kommen, wie zur Tattoo und Piercingwelle, wie zur Lumpenprotarisierung des Typus Fußballspieler, wie zur Akzeptanz der negroiden Verhaltensweisen? Letztlich sind die Leute selbst schuld. Ich nicht, ich leide.

Hat Kultur noch eine Überzeugungskraft oder ist sie machtlos gegenüber der postfaktischen Zeit und dem erhöhten Stellenwert der Religionen?

TK: Es beginnt mit MEINER Sprache, die ich auf der Straße tagsüber kaum noch höre. In meinem Wohnumfeld wird sie immer seltener RICHTIG gesprochen, will sagen: ohne fremden Dialekt, ordentlicher Satzstellung – von der Bandbreite der Sprache gar nicht zu reden. Die eigene Kultur findet kaum statt, selbst Berichte aus deutschen Landen werden mit fremdländischer Musik unterlegt, als solle jede Erdung bewusst gekappt werden. Wenn deutsche Kultur medial inszeniert wird, dann in aller Regel als bemühter Krampf, der sich vor allem als Spielwiese des neuen bunten Einerleis präsentiert. Die Religion spielt dabei überhaupt keine Rolle. Angesichts des Zustands der Kirchen und ihres verheerenden Einflusses sollten wir uns sogar darüber freuen.

Was empfiehlst Du jüngeren Autoren? Wie sollen die sich in postfaktischen Zeiten verhalten?

TK: Ich möchte mit einer literarischen Miniatur antworten, die ich neulich schrieb, sie lautet: „Ehrlich und unbarmherzig“ müsse ein (Musik)-Journalist schreiben, sagt Philip Seymour Hoffman als Lester Bangs, Musikjournalist des „Creem“ und „Rolling Stone“, im Film „Almost Famous – Fast berühmt“ von Cameron Crowe, zu dessen Filmfigur, die ihn als 15jährigen im Jahr 1973 darstellt. „Ehrlich und unbarmherzig“ ist das, was die Weichspüler in Politik und Kultur nicht wollen, ihr Positivismus, ihre einfache Sprache, ihre Vertuschung von Fakten, lässt jene, die „ehrlich und unbarmherzig“ agieren und kritisieren, wie der leibhaftige Teufel erscheinen. „Ehrlich und unbarmherzig“, diese Prinzipien, so sie nicht in kalten Zynismus und Schamlosigkeit anderer Art umschlagen, sind diejenigen, die einen redlichen Autor umtreiben müssen. Und nur sie. „Ehrlich und unbarmherzig“! So sei es! Bleiben wir „ehrlich und unbarmherzig“. „Ehrlich und unbarmherzlich“ sei unsere Losung!

Was können wir von Dir zukünftig noch erwarten?

TK: Ehrliche und unbarmherzige Beiträge! Zuletzt den Tod. Mit Hüsch stelle ich fest –

Ich klage und schreie
Bin still und verzeihe –
Weiß nicht mehr genau was das ist!
Ich rede und schreibe
Gehe und bleibe –
Weiß nicht mehr genau was das ist!
Den geistigen Menschen als Nabel zu küren –
Welch Unsinn und schöner Betrug!
Das Alter nun an den Baumrinden spüren
Ist endlich Selbstwert genug!
Ei, darum erklingt ja Musik auf der Erden
Aus Tollwut und Trübsinn gemacht
Damit uns dann, wenn wir weniger werden
Das Herz nicht erfriert, wenn es lacht
Genommen, gegeben – gegeben, genommen
Das ist der uralte Kreis
Vergehen, verkommen – verkommen, vergehen
Ist alles, was ich genau weiß

 

Zum Abschluss: Ist unsere Demokratie noch zu retten?

TK: Die aktuellen Diskurse weisen darauf hin, dass wir mit ihr untergehen. Ich sehe keine Rettung von irgendetwas durch irgendwen.

Vielen Dank für das Interview!

 

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