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2. November 2011

Unbedingt ansehen: Hotel Lux, Regie: Leander Haußmann, Hauptrollen Michael Herbig und Jürgen Vogel.

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 14:58

Auf meiner privaten Seite – www.tanjakrienen.de übertitele ich ja meine Erfahrungen in der Linken (ganz unten im Menü „Die Kriminalgeschichte“) mit „Lichterschein aus dem Hotel Lux“. Dass ein deutscher Film einmal die Geschehnisse im realen Hotel Lux Ende der 30er mit Humor (der einem politisch interessierten Menschen im Hals stecken bleibt und auch gottlob nichts mit dem „brüllend komischen“ zu tun hat, als der er in der Filmwerbung beschrieben wird) und Realismus beschreibt, darf als eine echte Kinosensation gelten!!! Wenn „Die ZEIT“ schreibt: „Müde Kalauer im roten Bunker“, dann weiß man, dass der Film voll ins Heuchler-Herz traf und die ewige Lüge über das Wesen der Betreffenden entlarvt!

                                                Hotel Lux – der Trailer 

Wenn auf dem Höhepunkt selbst Wilhelm Pieck Todesfurcht erkennen lässt und Walter Ulbricht Angst vor den Genossen Schergen bekommt, hoffend, niemand würde an seine Tür klopfen um ihn zum letzten Gang abzuholen, dabei aus Zuckerstückchen eine Mauer baut, vermischt sich bittres Lachen mit dem Grauen und zwar zu jener Erkenntnis, die ein für allemal kuriert.

Der Film „Hotel Lux“ (mit einem zum ersten Mal in einer Charakterrolle glänzenden Michael „Bully“ Herbig“, dem man kaum zutraute in einer so bitterbösen Realsatire tragend mitzuwirken und dessen Leistung mit „grandios“ noch untertrieben beschrieben wäre), setzt eine Menge an politischem Wissen voraus, ohne das der Film mit seiner Fülle an witzigen politischen Anspielungen, nicht wirklich zu verstehen ist. Vor allem ein unbedarfter Zuschauer, jung-links und idealistisch in „gut“ und „böse“ denkend, könnte meinen, ein bösartiger Mensch (Regisseur Leander Haussmann) hätte das Hotel Lux und seine Begebenheiten erfunden, um die sozialistische Idee zu diskreditieren. Jedoch: alles ist wahr. Fast.

Herbert Wehner (der dort viele Menschen der stalinistischen Herrschaft ans Messer lieferte und später ein führender Mann der SPD wurde), Walter Ulbricht, DDR-Mauerbauer, Wilhelm Pieck, der erste Präsident der DDR, sie alle lebten wirklich einige Jahre in diesem Hotel, welches ein temporärer Sammlungspunkt und Herberge vieler Kommunisten auf der Flucht vor den Nazis war. Doch der Höllentrip begann für viele Menschen dort erst richtig – durch die eigenen Genossen. Spitzeltum und Denunziation waren an der Tagesordnung. So starben durch die Hand von Kommunisten wohl mehr führende Linke als durch die Nazis. Abweichler, oder Personen, die man dafür hielt, beseitigte die stalinistische Führungsschicht entweder selbst oder lieferte die internationalistischen Sozialisten den nationalen Sozialisten aus. Vor dem Hintergrund des Hitler-Stalinpaktes, der vielen gutgläubigen die Augen öffnete, spielt dieser Film, der bis in die Nebenrollen gut besetzt ist.

Es begann alles in Berlin 1933. Der Komödiant Hans Zeisig (Michael Herbig) und sein linker Freund Siggi Meyer (Jürgen Vogel) spielen in einem Kabarett eine Revue-Nummer, in der sie – die Realität vorwegnehmend – Hitler und Stalin als Freunde darstellen. Nach der Machtübernahme der National-Sozialisten ändert sich die Leitung des Kabaretts und Meyer flieht. Bis 1938 verbleibt Zeisig jedoch dort, doch als auch er, der Unpolitische („Ich bin auch in einer Partei: In meiner eigenen. Da bin ich das einzige Mitglied.“ sinngemäß TK) in Ungnade fällt, flieht auch er. Aber er kann nicht nach Hollywood, wo er eigentlich hin möchte, sondern erhält einen Pass für die Sowjetunion und landet im Hotel Lux. Dort wird er mit dem Hellseher Hansen verwechselt, der bei den Nazis ausgemustert wurde (man sieht fiktive Zeitungsausschnitte: „Hellsehen ist mit unserem Weltbild nicht vereinbar“), findet dann aber paradoxerweise beim „Materialist“ Stalin Gehör, der sich zudem freut, einen persönlichen Freund „des Führers“ kennenzulernen. Zeisig, alias Hansen, weissagt Stalin, er möge einen Pakt mit Hitler eingehen und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Ein Höhepunkt: Das erste Gespräch zwischen Zeisig/Hansen und Stalin wird von einem, hinter einem Tuch unsichtbaren, Übersetzer moderiert. Nach dem Gespräch, das von vornherein als „Vier-Augen-Gespräch“ konzipiert war, wird er sofort von Stalin erschossen. Absolut klar und grausam sind die Szenen einer zum Teil beängstigend realen Verhörmethodik, die geradezu körperlich spürbar wird. Die leicht satirische Verfremdung beraubt die Situation nicht ihres realen Inhaltes.

Die KPD-Führung im Hotel Lux macht den Eindruck einer Kaspertheatertruppe, die scheinrevolutionäre Versammlung abhält und deren Mitglieder sich gegenseitig belauern. Herbert Wehner verfällt einmal in Todesangst als er eine kleine nebensächliche Bemerkung über den Geburtstag des Führers Stalin macht und muss sich rechtfertigen, ob dieser nun in elf oder zwölf Tagen stattfindet. Die „Gruppe Ulbricht“ verhört auch eigene Genossen (z.B. den später sich ebenfalls im Lux einfindenden Meyer) wegen des Verdachtes auf „Trotzkismus“. Man ereifert sich in wahren dadaistisch anmutenden Verbaleskapaden in Nomenklatura-Sprache über das Wesen der Abtrünnigen, dann werden Abweicher-Listen angefertigt, die anschließend dann vom stalinistischen Geheimdienst konsequent umgesetzt werden. Immer in der Nacht werden „Genossen“ abgeholt, liquidiert oder den Nazis ausgeliefert (was auf dasselbe heraus kam).

Es gibt keine wirklichen Genossen im Hotel. Der Umgang miteinander ist frostig, Ratten – echte und menschliche – lauern überall. Wenn ein rotes Spruchband „Wir lieben unseren Führer“ – das erst beim zweiten Hinsehen den Zusatz „Josef Stalin“ offenbart – weiß man, dass hier die Rollen völlig ausgetauscht sind. Endlich einmal hält ein Film das auch durch und zwingt den Zuschauer zu einer neuen, bisher noch nie im Mainstream-Kino gezeigten Sichtweise. Das Misstrauen ist groß und es lauert überall. So wie heute auch. Immerhin: heute wird Abweichlern nur gesagt, dass man ihre Fressen nicht mehr sehen kann. Der Fortschritt ist unverkennbar.

Man sehe sich diesen Film an! Unbedingt! Ich weiß nicht, ob es schon mal so einen deutschen Film gab?! Er rettet die Ehre eines immer stumpferen Gewerbes. Dieses eine Mal, ist der Humor kein belangloser, keiner für die dummgehaltene Masse, sondern einer, der zur Erkenntnis führt.

8 Kommentare »

  1. Leander Haußmann: Ich bin der Meinung, das die Thematiken des Kommunismus noch nicht abgearbeitet sind - im Gegensatz zum Faschismus. Bestimmte Strömungen setze ich ja gleich - Kommunismus, Faschismus, Radikalität, Gewalttätigkeit zum Machterhalt, die Opfer, das ist alles nicht wirklich verarbeitet. In den Gebieten der früheren Sowjetunion ist es auch gefährlich, das Thema anzusprechen oder da zu filmen. Man kann da relativ schnell verhaftet werden wegen Verunglimpfung der Taten im 2. Weltkrieg. Das ist also ein relativ brisanter Stoff und ich weiß auch, dass zu den Nürnberger Prozessen die Alliierten zusammengesessen haben und den Pakt zwischen Russland und Deutschland besprochen haben. Es sind viele Thematiken da drin und ich hoffe mir durch diesen erstmal unterhaltsamen Ansatz, dass er eine Diskussion lostritt. Wenn sich Frau Lötzsch (Parteivorsitzende der Partei “Die Linke”) sagen kann, dass sie wieder für Enteignung ist, dann sollte man vielleicht mal drüber sprechen was da für menschliche Schicksale an so einem Wort dranhängen. Ich finde einfach, der Kommunismus ist noch nicht verarbeitet. Das ist ja auch mein Thema und ich finde auch es ist an der Zeit. - Und diese Menschenverachtung die muß man gleichsetzen mit den Nazis. Das ist noch nicht passiert und das habe ich jetzt gemacht. - http://www.trailerseite.de/film/11/news/hotel-lux-interview-mit-regisseur-leander-haussmann-21348.html

    Kommentar von Campo-News — 10. November 2011 @ 10:11

  2. […] Campo de Criptana » Unbedingt ansehen, der vielleicht beste … Uncategorized by admin […]

    Pingback von Wilhelm hoffend | Authenticitali — 1. Februar 2012 @ 05:04

  3. Bekannt ist, dass nach dem Hitler-Stalin-Pakt in die Sowjetunion emigrierte deutsche Kommunisten an die Nazis ausgeliefert wurden. Margarete Buber- Neumann ist ein bekanntes Beispiel. Nahezu unbekannt ist, dass etwa 30 hohe Funktionäre der KPD nicht mit übergeben wurden. Die Deutschen müssten für diese Leute schon selbst nach Moskau kommen, wurde ihnen mitgeteilt. Sie kamen. Die 30 Kommunisten wurden in ein Heizhaus in Moskau gebracht, wo sie von den Nazis erschossen wurden. Anschließend gab es eine gemeinsame Feier anlässlich der erfolgreichen Exekution. Das müsste jedem ehrlichen Antifaschisten den Magen umdrehen und zum Nachdenken veranlassen. - http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/linker_schlaeger_zu_acht_monaten_auf_bewaehrung_verurteilt/
    Die Unterstützer der Angeklagten waren ein Gemisch aus Altgenossen der Stasi, der DDR-Strafjustiz, der Apo aus dem Westen und jungen Linksradikalen, darunter am 3. Prozesstag auch Tatbeteiligte, die der Polizei entwischt waren. Der ehemalige stellvertretende Generalstaatsanwalt der DDR Bauer beobachtete wie in alten Tagen mit Pokerface die Verhandlung und machte sich Notizen. Für Todesurteile war er weder mittelbar noch unmittelbar verantwortlich, ließ er die Öffentlichkeit neulich wissen.

    Kommentar von Campo-News — 28. Juni 2012 @ 18:07

  4. Sein Vernehmer geht nach gründlicher Befragung davon aus, dass Jöris vom Kommunismus die Nase voll hat und entlässt ihn.
    Den Krieg muss Jöris als Sanitätssoldat mitmachen, gerät am Ende in sowjetische Kriegsgefangenschaft und nach der Entlassung alsbald wieder ins Visier des sowjetischen Geheimdienstes. - http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/deine_schnauze_wird_dir_in_sibirien_zufrieren/

    Kommentar von Campo-News — 31. Juli 2012 @ 13:06

  5. “Hollywood entmündigt dich”, sagt Udo Kier bei SPON. Nun, altes Wasserauge, dann bleib doch da weg und mummel dich in Köln als Mülleimer ein, wo du herkommst. Keinen einzigen Udo Kier-Auftritt in irgendeinem der meist der hochgradig belanglosen, “Indepentendent”, Trash - oder zotigen Pseudokunst Effekthascherei-Veranstaltungen waren je den Strom wert, der dabei verbraucht ward. Alle in Deutschland und Amerika entwickelten Schauspieltechniken negierend, hast du gedacht, dein irrer Blick mache wett, was andere mit einem Wimpernschlag sagen. Frag mal in Brühl bei rtl nach, da ist sicher noch Platz für irre Sendungen mit halve Hahn als Gage und animierten Applaus der ganzen Irren im Saal.

    Kommentar von Campo-News — 14. Oktober 2014 @ 08:24

  6. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/humboldt-universitaet-mobbing-trotzkistisch-13294937.html

    Kommentar von Campo-News — 2. Dezember 2014 @ 09:29

  7. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/suendenkreuzfahrt._naechster_hafen_armenien

    Kommentar von Campo-News — 13. März 2015 @ 16:25

  8. Ich fühle mich unfair behandelt. Ungerechtigkeit ist halt der Welten Lohn. So werde ich voraussichtlich bis zu meinem großen Auftritt noch bis circa 2052 warten müssen, ehe man mich im Alter von 95 für meine Beteiligung an den Verbrechen des Kommunismus zur Rechenschaft ziehen wird, die ich während meiner Mitgliedschaft in der Deutschen Kommunistischen Partei in den Jahren 1978 bis 1982 in vielfältigster Form zu verantworten habe. Denn durch meine Agitation wurde das noch bestehende Gulag-System gefestigt, der existierende kommunistische Staatenbund unterstützt und politische Unterdrückung bis hin zum Mord verharmlost und verteidigt, die Gegner verhöhnt und beschimpft. Ich jubelte dem Sowjetführer Breshnev am Flughafen zu, applaudierte Honecker in Karl-Marx-Stadt, huldigte Lenin - dem Miterfinder des Totalen Krieges und der Sowjet-KZ - im Mausoleum zu Moskau, besuchte Parteischulen und fraternisierte mit einem System, dem 100 Millionen Tote zugeschrieben werden. Rote Sterne trug ich spazieren, unter den Todeszeichen Hammer und Sichel lachte ich den Feind aus. Sicher ist, erreiche ich ein gesegnetes Alter von 120, könnte man mich als die letzte Überlebende für die Beteiligung an 100 Millionen Tote anklagen. So wie es jetzt steht, wird das leider nicht passieren, denn meine Ex-Genossen treiben es täglich bunt um bunter und arbeiten am endgültigen Roten Morgen. Werde ich also 2052, unter dem Schutt hervorgezerrt im spärlicher gewordenen Weltrampenlicht, vorgeführt als Täterin - oder als Heldin, als eine der Letzten großen Schurkinnen aus vergangener Zeit oder als Vorreiterin des großen ökosozialistischen Weltentwurfs? Das ist dann die Zeit, da ich mich nicht mehr wehren kann. Ich bin gespannt. Bis dahin aber, siehe oben, fühle ich mich unfair behandelt.

    https://www.focus.de/kultur/kino_tv/michael-herbig-bully-hat-seinen-ersten-thriller-gedreht-was-sie-ueber-ballon-wissen-muessen_id_9673872.html

    Kommentar von Campo-News — 12. Februar 2016 @ 10:32

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