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18. März 2006

SPARTAKUS

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 15:33

Von der widersprüchlichen Notwendigkeit der Sklaverei und ihren zweifelhaften psychologischen und politischen Ausformungen.

Von Tanja Krienen und der gefügigen Hilfe zweier Klassiker

Spartakus

Für uns wärn’s sicher auch kein Verlust,
die Pfarrer und Pastor’n und Ministranten.
Die Römer hab’n schon genau gewusst,
warum sie sie nach Möglichkeit verbrannten.

Georg Kreisler, Sie sind so mies

Und mit der Knarre in der Hand
Er hinter Zeitungsballen stand
Die Kugeln pfeifen um ihn rum
Der Spartakist, der kümmert sich nicht drum

Oh Spree-Athen, oh Spree-Athen
Oh wieviel Blut hast Du gesehn?
Auf deinem Friedrichfelde ruht
So manches tapfere Spartakusblut

Spartakus, Arbeiter-Kampflied 1920

Gestern zeigte ein privater Kanal die durchaus sehenswerte und fesselnde 2004er-Version des SPARTAKUS-Themas, mit dem Hauptdarsteller Goran Visnjic, jüngerer und Thraker-gerechter, wenngleich mimisch minimalistischer als seinerzeit das blonde, blauäugig jüdische Einwanderkind Kirk Douglas(Issur Danielowitsch Demsky) im Kubrick-Film. Zieht man die Utopie ab, welche in die lockere Multi-Stammes - und Heeres-Organisation des Spartakus hineingemixtmischt wurde und die bisweilen den Anschein eines basisdemokratischen Hippie-Lagers mit anschließender großer anti-imperialistischen Keilerei erweckte, so war der Film nah am Thema, inklusive der hübsch in Szene gesetzten Massenkreuzigung der 6000 „Überlebenden“ (ist blöd sie so zu bezeichnen, wo sie doch schon kurz danach…).

Peinlich auch, dass man dem großen Crassus einen Text als Ansprache unterschob, der gar so deutlich nach George Bush klang. Dass so Parallelen von Spartakus zu bin Laden geknüpft werden müssten, hat der Regisseur wohl geflissentlich übersehen. In der Neuzeit wurde Spartakus sowohl Namenspatron radikaler Kommunisten, als auch für Homosexuelle.

Vielleicht aber streckt ja darin auch eine interessante Dialektik, denn auch für die Klassiker des Marxismus handelte Spartakus ja objektiv reaktionär, hatte er doch lediglich die Aufhebung der Sklaverei und die Wiederherstellung des „freien Menschen“ auf die Tagesordnung gesetzt. Doch war das natürlich unpolitisch und rückschrittlich – im Weltenplan (gottlob) nicht vorgesehen. Hätte etwa Rom in die „freien und gleichen“ Zustände Galliens oder Germaniens zurück fallen sollen? Philosophisch und ökonomisch reaktionärer könnte eine Forderung nicht sein. Wie die Welt wieder ins Dunkel versank, erlebten wir ja mit dem Untergang Roms und der Einführung des Christentums – die ganze Entwicklung der Menschheit stockte für Jahrhunderte und versank im Nichts.

Schauen wir aber mal aus diesem Anlass nach, was meine Herzensfritze dazu schrieben. Erst der Engels Ohne antike Sklaverei, kein moderner Sozialismus (sehr wahr, in einem tragischen, aber mindestens doppelten Sinne)



Und nun Nietzsche






5 Kommentare »

  1. Naja, Tanja,

    so wie Nietzsche tönen sie alle, die nichts drauf haben als denn gewaltsame Gedanken, und so lange es dabei bleiben würde, wär’s ja zu ertragen. Oscar Wildes Auslassungen zum Thema sind meines Erachtens nach weitaus interessanter, auch wenn der eine im Wahn und der andere in einem billigen Hotelzimmer endete, was ich niemandem wünsche.

    Kommentar von hegelxx — 19. März 2006 @ 17:12

  2. Wildes Ende ist bedauerlich, doch unterscheidet sich sein Los nicht von anderen Homosexuellen, denen die Selbstzerstörung nun einmal mitgegeben wurde - was ich ja mehrfach ausführte. Welcher uns bekannte Homosexuelle starb schon normal? Bitte mal eine Liste *g*

    Aber welche Äußerungen Wildes - der immerhin ein hervorragender Aphorist war - meinst du konkret?

    Nein, Nietzsche hat da keine Gewaltphantasien ausgelebt, sondern in wunderbarer Weise gegen das Ressentiment des Schwachen, des Spießbürgers, des Bevormundeten und zugunsten des freien, nach Vervollkommnung strebenden Menschen geredet.

    Aber meine eigentliche Argumentation galt doch dem Marxismus, der sich der Heroisierung aufständiger Subelemente, Lumpenproletarier oder anderer Depravierter (z.B. der WASG-Gestalten) vehement entsagen muss, wenn er nicht den Kern seiner Philosophie verraten will.

    Ich habe also den Scheinwerfer auf Engels großartiger Analyse der Sklavenhalterordung gedreht und das wäre etwas, über was wir reden müssten: Ausbeutung als Prinzip des Fortschritts! Wenn wir dann dazu kämen, marxistische Utopien - Kaspereien letztlich - abzulegen, würden wir verstehen, warum die Differenzierung, die Ungleichheit und die freie Produktion unter angemessenen sozialen Regeln, anzustreben wäre.

    Grüße

    Kommentar von Campo-News — 19. März 2006 @ 17:23

  3. Ich kann weder bei der PDS noch der WASG irgendetwas “marxistisches” entdecken, Tanja,

    höchstens als ganz unangenehme Verballhornung. Was da abläuft ist Gutmenschentum gepaart mit ganz üblem Populismus, darauf könnten wir uns wahrscheinlich einigen.

    Den Oscar Wilde Text zum Sozialismus bekommst du auch, mal sehen, ob ich das im Internet finde oder dir glatt das Buch von mir schicke.

    Grüsse aus Antideutschland

    Kommentar von hegelxx — 19. März 2006 @ 18:38

  4. Sag ich ja: Die WASG ist maximal vulgärmarxistisch, primitiv bis schlicht - ähnlich die Antiglobalisierer von attack.

    Ich weiß, dass man Wilde übel mitspielte und dass die Zeiten nicht frei waren. Doch seinesgleichen endet leider noch immer an ähnlichen Plätzen, nur das man sie heute “AIDS-Hospiz” nennt.

    Aber das eigentliche philosophsiche Problem hast du nicht benannt: es ist nämlich die Gewaltfrage. Da reagierst du auf Nietzsche so, wie es Marx dem guten, blinden Herrn Eugen Dühring austreiben wollte. Schau - die abgebildete Seite ist mit “Gewalt(s)theorie” überschrieben.

    Zur Gewalt seine Zuflucht nehmen

    Scheint böse.

    Aber da, was ständig geübt wird, Gewalt ist

    Ist es nichts Besonderes.

    Bertolt Brecht

    Kommentar von Campo-News — 20. März 2006 @ 08:13

  5. Nun habe ich das Elaborat Wildes zu lesen versucht, musste es aber nach fünf Seiten abbrechen: es ist kitschig und nichts als idealistische Schwärmerei. Ich begreife nicht, dass du dich mit solchen Bewertungen der Frage der Gewalt und des Historischen und Dialektischen Materialismus zufrieden gibst. Sag mir doch mal, was an Engels Ausführungen falsch sein soll. Und siehst du nicht, dass Nietzsche im Grunde einen flammenden Appell an die Schwachen richtet, nicht schwach zu sein, weil dies die falsche Haltung darstellt? Mehr Fortschritt gibt es nicht. TK

    Kommentar von Campo-News — 22. März 2006 @ 07:55

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