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	<title>Kommentare zu: Mein neues Buch: Fackeln in der DÃ¤mmerung</title>
	<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2015/06/28/2065.html</link>
	<description>Der neue Blog ist unter http://campodecriptanablog.apps-1and1.net erreichbar</description>
	<pubDate>Fri, 01 May 2026 09:28:38 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Campo-News</title>
		<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2015/06/28/2065.html#comment-3448360</link>
		<dc:creator>Campo-News</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2025 05:23:53 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.campodecriptana.de/blog/2015/06/28/2065.html#comment-3448360</guid>
		<description>154. Austritt aus der DKP 
 
An den Kreisvorstand der Deutschen Kommunistischen Partei! 
 
Hiermit möchte ich meinen Austritt aus der DKP erklären. Nach einer längeren Phase intensiven Nachdenkens, fasste ich diesen, mir nicht leicht gefallenen Entschluss, da man eine Partei nach fast fünf Jahren Mitgliedschaft und achtjähriger weitgehender Identifizierung mit ihr, nicht so einfach verlässt. Dennoch musste ich diesen Schritt, schon aufgrund meiner persönlichen Glaubwürdigkeit, ausführen. Zunächst beabsichtigte ich meinen Entschluss ausführlich bis in alle Einzelheiten zu begründen und zum Ende meiner Parteimitgliedschaft, eine Analyse der gescheiterten DKP-Politik zu erstellen. Von diesem Vorhaben rückte ich allerdings ab, als ich mir überlegte, welchen Sinn es überhaupt noch hat, mit der DKP zu diskutieren. Außerdem kann ich mir sehr gut eure Reaktionen auf ein derartiges Papier vorstellen. Es wären die gleichen Reaktionen geworden, die ihr wahrscheinlich beim Lesen dieser Austrittserklärung zeigt nur in wesentlich extremer Form. Die Reaktionen vieler Genossen stellen sich wahrscheinlich dar, in der bunten Palette abrufbarer Reizäußerungen, beginnend beim einfachen Kopfschütteln, bis hin zum bornierten ideologisch geprägten Insiderlächeln nach dem Motto: "Na ja, wir haben ja schon immer gewusst, dass sie - trotz proletarischer Herkunft und zeitweiligen Standes - die kleinbürgerlichen anarchistisch-trotzkistischen 
Denkkategorien niemals überwunden hatte."  
 
Trotz alledem werde ich es mir nicht nehmen lassen, einige Punkte, die unter vielen anderen die Gründe für meinen Austritt sind, im Folgenden darzustellen. Da wäre als wichtigster und erster Punkt, das allseits bekannte blinde Verhältnis der Deutschen Kommunistischen Partei zum sog. real existieren-den Sozialismus. Nicht das ich grundsätzlich etwas gegen diese Defensivformel scheinsozialistischer Umgestaltung hätte, nein, vielmehr habe ich etwas gegen eben jenen Scheinsozialismus selbst, der mit platten Phrasen künstlich einen revolutionären Anstrich erhält. Nun mag an dieser Stelle gleich wieder der berüchtigte Einwand kommen: „Aber die DDR hatte doch die schlechtere Ausgangslage... Amen!  
 
Aber ja, - die DDR ist revolutionär!  
 
Die Intershops sind revolutionär, - weil man dort die schmarotzende, dekadente westliche Welt nicht nur sehen, sondern auch noch kaufen kann (natürlich gegen schmarotzende, dekadente Westdevisen).  
 
Die 42 1/2 Stundenwoche ist revolutionär, -weil sie dem Klassenfeind tagtäglich zeigt, dass die Mehrwerttheorie eben nur eine Theorie ist.  
 
Das stundenlange Warten vor Restaurants ist revolutionär, - weil dadurch der Mangel rationeller verwaltet, die Solidarität unter den Leuten gefördert und das Ellenbogenverhalten ganz sicher gemindert wird.  
 
Der Mangel an Lebensmitteln (sprich Luxusgüter) ist wiederum revolutionär, - weil man ohne das Empfinden des Mangels gar nicht mehr wüsste, wie viel Luxus schon vorhanden ist!  
 
Die dreckigen Toiletten sind revolutionär, - weil der westliche ausländische Nichtdeutsche nicht glauben soll, alle Deutschen seien penibel sauber.  
 
Die niedrigen Renten sind revolutionär, - weil die Alten (sprich nichtproduktive Kräfte), gerne in den Westen abhauen dürfen, tun die revolutionären Neuigkeiten im Westen anzuwenden und den 
Imperialismus damit zu zersetzen.  
 
Die Kindererziehung ist revolutionär, - weil auch Kinder schon über die marxistisch-leninistische Ästhetik des Krieges frühzeitig etwas erfahren sollen.  
 
Der Zustand der Häuser ist revolutionär, - weil Hausbesetzer angesichts der Fülle zu besetzender Häuser völlig frustriert aufgeben und Wohnsilos (Neubaugebiete), ohnehin praktischer, kostengünstiger, quadratischer.. - eben so richtig DDR-revolutionär sind.  
 
Die Behandlung der DDR-Bürger im sozialistischen Ausland als Bürger zweiter Klasse ist revolutionär, - weil Devisen eben Devisen sind!  
 
Das Herausstehlen von Waren aus Paketen, wohlgemerkt auch Waren, die man im Intershop erwerben kann, ist revolutionär, weil - siehe oben. 
  
Die verwahrlosten asozialen Ferienlager sind revolutionär, weil man als Ausländer in einem DDR-Ferienlager einen hervorragenden Eindruck der gesamtgesellschaftlichen Zustände in kompakter Form dargeboten bekommt.  
 
Dass DDR-Bürgern die Rechtsanwaltslaufbahn verweigert werden kann, wenn ein Verwandter im Westen wohnt, ist revolutionär, - weil die Propaganda der 100 Milliarden Mark Schaden durch Abwanderungen spezialisierter Arbeitskräfte immer noch gefressen wird und somit zur Stabilisierung der DDR beiträgt.  
 
Dass die meisten Qualitätsprodukte exportiert und deshalb von der eigenen Bevölkerung nicht gekauft werden können ist revolutionär, - weil die Bevölkerung daraufhin neue Gegenpläne erstellt um die Vorjahreszahlen zu erhöhen, damit noch mehr Waren exportiert werden können, die wiederum auch nicht in den landeseigenen Geschäften auftauchen!  
 
Ihr könntet ja nun fragen, was denn dieses alles mit der DKP zu tun hat?! Die Antwort darauf ist ganz einfach: Weil Ihr den ganzen Kram verteidigt! 	Ihr 	sagt 	dann, 	es 	gäbe 	sicher 	einige "Einzelerscheinungen“ in der DDR, die Euch auch nicht passen, das „große Ganze' wäre aber doch in Ordnung. Ich jedoch möchte diesen Satz umdrehen und behaupten, dass das "große Ganze" einen Dreck wert ist, wenn nicht die elementarsten Bedürfnisse der Menschen befriedigt werden können.  
 
So muss man einmal einige Passagen in einem, in der DDR erschienenen Buche durchlesen, um sich als Kommunist wie-der einmal kräftig schämen zu können. Der Gipfel der Lächerlichkeit wurde erreicht, als man DDR-Bürgern einen Aufnäher von der Jacke riss, auf dem ein sowjetisches Geschenk (!) an die UNO abgebildet ist (Schwerter zu Pflugscharen). Ich befürchte beinahe, dass so etwas nur in einem Land möglich ist, in dem selbst der Text der eigenen Nationalhymne nicht gesungen werden darf Doch die DKP schafft es, verkrampft hier "Frieden schaffen ohne Waffen" und da "Der Frieden muss bewaffnet seid' zu verkünden. Die Rolle der DKP in der Friedenbewegung ist deshalb heuchlerisch, weil sie sich in der BRD gegen schleichenden Militarismus wendet, in der DDR aber militaristische Erziehung im Kindesalter für korrekt hält. Das Verhalten der DKP in der Friedenbewegung, obwohl ich hierbei nur ein paar herausstechende Fakten angeführt habe, ist somit der zweite Kritikpunkt.  
 
Der dritte Punkt betrifft die Frage der Ökologie. Ganze 50 Zeilen widmet die DKP in ihrem Programm, den Fragen der Energiepolitik und des Umweltschutzes, während sie hingegen 54 Zeilen benötigt, um den eigenen Mitgliedern zu erklären, was denn so ein richtiger Kommunist eigentlich alles so macht; geschehen in dem hübsch übertitelten Kapitel "Was Kommunist sein heißt?". Ihr seid jetzt erbost und sagt: "Das ist doch wieder nur die Form, die du da kritisierst, die Inhalte sind aber doch entscheidend!" Na gut, sehen wir uns die Inhalte an...  
 
Im Parteiprogramm heißt es: Deshalb ist sie (d.h. die DKP), auch grundsätzlich für die friedliche Nutzung der Kernenergie. " Davon abgesehen, dass wohl niemand grundsätzlich für die unfriedliche Nutzung der Kernenergie ist, so zeigt dieser Punkt besonders das uneingeschränkte Wachstumsdenken, welches in der marxistischleninistischen Philosophie begründet ist.  
 
Dieser Punkt dokumentiert das fatale Schicksal des zweiten deutschen 
Staates, 	lässt 	sich 	doch 	die 	DDR, 	den 	Konsum 	und 
Produktionswettbewerb wunschgemäß aufzwingen und sieht nicht, dass die ökologische Katastrophe auch auf sozialistischen Sohlen heranschleicht. Zu all den bisher aufgeführten Themen, 
könnte ich wesentlich detaillierte Aussagen treffen, dann allerdings wurde es eben jene Analyse werden, die ich doch so gerne vermeiden wollte. Aber ganz fertig bin ich noch nicht! Denn da wäre noch die Frage des Geistes und der Kunst.  
 
1925 schrieben George Grosz und Wieland Herzfelde den Text: "Die Kunst ist in Gefahr. Ein Orientierungsversuch." Ich möchte aus der 
Passage über den Dadaismus kurz zitieren: "Diese deutsche DadaBewegung hatte ihre Wurzeln in der Erkenntnis, die manchen Kameraden und auch mir gleichzeitig kam, dass es vollkommender Irrsinn war zu glauben, der Geist oder irgendwelche Geistige regierten die Welt. Heute weiß ich und mit mir alle anderen Begründer des deutschen Dadaismus, dass es unser einziger Fehler war, uns mit der sogenannten Kunst überhaupt ernsthaft beschäftigt zu haben. Der Dadaismus war der mit Grölen und höhnischen Gelächter vollzogene 
Durchbruch aus einem engen, überheblichen und über-schätzten 
Milieu, das, zwischen den Klassen in der Luft schwebend, keinerlei Mitverantwortung dem Leben der Allgemeinheit gegenüber kannte. Wir sahen die irrsinnigen Endprodukte der herrschenden 
Gesellschaftsordnung und brachen in Gelächter aus."  
 
Dem ist nur hinzuzufügen, dass sich die derzeitige Situation kaum anders präsentiert. Goethe in Ost und West; feudalistische Soldschreiber wie Mozart oder Bach in Ost und West - plus sogenannte Arbeiterkonzerte der DKP; Puhdys und Karat in Ost und West; Wagner in Ost und West; Roy Black in Ost und West; Martin Luther in Ost und West; Karl May in Ost und West - und das Standbild Friedrich des Großen in Berlin - (Ost) !  
 
So komme ich zum letzten, besonders hervorzuhebenden Kritikpunkt an der DKP, den man überschreiben könnte: Mystische Verklärung des Faktors Arbeit! Vor wenigen Stunden hätte ich das Wort mystisch vielleicht in meiner Polemik weg-gelassen, doch da gelangte ein Artikel mitsamt der UZ auf meinen Mittagstisch, - ein Report: 7000 km durch Jakutien, dritter Teil eines Berichtes des Korrespondenten Helmut Weinand, mit der Überschrift "Wie die Söhne der Nomaden heute leben". Dieser "interessante" Artikel über das tapfere kleine Völkchen der Ewenen, das, wie eindringlich geschildert wird, sein heutiges Dasein nur dem Sieg der großen sozialistischen Oktoberrevolution zu verdanken hat, dieses kleine Volk also, zeigt uns, wie der Faktor Arbeit, die Lebenserwartung steigen lässt! Die 28-jährige Ärztin Olga Starostina, aus dem Ort Topolino, in dem Dank der sozialistischen Gesellschaft jetzt sogar die Wölfe mit Helikoptern vertreiben werden, sagt uns als Fachärztin für innere Medizin und Mutter zweier 
Topolinos, angesichts des Umstandes, dass die Menschen 
hier vor der Revolution nur 22 Jahre und nun 70 Jahre im Schnitt werden:  "Es ist die Arbeit! Die Arbeit und ein ausgefülltes Leben in der freien Natur. In unserer Sowchose gibt es nur alle Arbeit. Vertane Zeit kennen wir nicht! Und wer will kann auch noch mit 90 zupacken."  
 
Ich rechne: 65 Jahre Oktoberrevolution - 90 minus 22 - macht 25. Der Mann hätte bei Ausbruch der Oktoberrevolution schon drei Jahre tot sein müssen! Wenigstens im Schnitt... Aber deshalb heißt es wohl im Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, unter dein Stichwort "Charakter der Arbeit": Mit dem Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus nimmt die Arbeit allmählich kommunistischen Charakter an, d.h. sie wird zum ersten Lebensbedürfnis des 
Menschen!"  
 
Ihr werdet nun wieder sagen, dass alles, was Du bisher geschrieben hast, ist doch durchdrungen vom Antikommunismus. Nun. wenn das, was Ihr vertretet, die kommunistische Ideologie ist, dann bin ich in der Tat Antikommunist. Geworden!!! Bei meinem Eintritt in die DKP habe ich ihren Stand-punkt geteilt, und dieses sogar manchmal ziemlich blauäugig. Wer hat mich also zum "Antikommunisten" gemacht? Wer hat überhaupt die gesamte Bevölkerung zu "Antikommunisten' gemacht? Ist daran nur die Meinungsmanipulation des Groß-kapitals schuld, wie es auf Seite 29 im DKP-Programm steht? Noch mal aus dem Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, Stichwort 
"Antikommunismus": „Wesenszug der imperialistischen Ideologie und 
Politik, der alte ihre Formen durchdringt. So einfach ist das!“ 
 
Weiter heißt es in dem Buch: "Die antikommunistische Propaganda bedient sich dabei mit Vorliebe revisionistischer und sozialdemokratischer Theorien (vom freiheitlichen, demokratischen, menschlichen Sozialismus). Eine zentrale Rolle spielt der Pluralismus, als eine Theorie, die…die einheitliche marxistisch-leninistische Weltanschauung mit bürgerlichen Theorien durchsetzt, um die Einheit der sozialistischen Weltbewegung zu zerstören." Unter dem Stichwort des bösen Pluralismus liest man dann: "Einen besonders ausgeprägten Charakter besitzt der Pluralismus in der Ideologie des 
Sozialdemokratismus. Im gegenwärtigen Revisionismus bildet die Pluralismuskonzeption in weltanschaulicher, politischer und ökonomischer Hinsicht ein konzeptionelles Zentrum der Verfälschung und Revision des Marxismus-Leninismus sowie des antikommunistischen Angriffs auf den Sozialismus. Die revisionistischen Auffassungen vom ideologischen, politischen und ökonomischen Pluralismus, richten sich gegen die einheitliche Theorie des Marxismus-Leninismus, gegen die Einheit und Geschlossenheit der kommunistischen Weltbewegung, gegen die führende Rolle der Arbeiterklasse, gegen den demokratischen Zentralismus, gegen die sozialistische Planwirtschaft und hat daher seinem politischen Inhalt nach, faschistischen Charakter." 
 
Nein, ich gebe zu, ich habe jetzt ein bisschen geflunkert. Der letzte Satzteil, der mit dem Faschismus, ist von mir frei erfunden, wie leben ja nicht vor 33, da hätte man so etwas vielleicht noch geschrieben. Heute heißt es jedoch - wieder das vielzitierte Wörterbuch: "... und hat daher seinem politischen Inhalt nach imperialistischen Charakter:" So ändern sich die Zeiten!  
 
Kleine polemische Überlegung zwischendurch: Da die DKP, die einzige marxistisch-leninistische Kraft in der BRD ist, so haben demnach alle anderen politischen Parteien (auch die SPD, die Grünen, die DS u.a.) ihrem politischen Inhalt nach "imperialistischen Charakter'. Nur die 0,2 %-Partei hat die Wahrheit gepachtet. Einsam und allein schwimmt sie gegen den Strom! Entschuldigung, aber auch dieser Vergleich ist nicht von mir. Er stammt vom Vorsitzenden (Herbert Mies, Anmerkung T. K. 2001) selbst, der auf der Landesmitgliederversammlung in Mühlheim/Ruhr, anlässlich der Eröffnung des Bundestagwahlkampfes 1983, in seiner Rede wörtlich sagte: "Ja, liebe Genossinnen und Genossen, in Zeiten, da wir zeitweilig (!) gegen den Strom schwimmen müssen, brauchen wir bei uns, brauchen wir in der 
Partei die Stimmung: Jetzt erst recht! Da brauchen wir die 
Rückbesinnung auf den Geist Karl Liebknechts: Trotz alledem!"  
 
Trotz alledem? Trotz der historischen Fehler, die von Kommunisten begangen wurden? Trotz der zweideutigen Politik der DKP? Trotz des allgemeinen Misserfolges? Oder trotz des bösen Antikommunismus", der von allen Seiten rücksichtslos und ungeachtet des objektiv richtigen historischen und dialektischen Materialismus, auf die DKP einschlägt? Aber wie dem auch sei, Herbert Mies hat recht: IHR SCHWIMMT GEGEN DEN STROM!  
 
Abschließend bleibt festzustellen, dass ich der Meinung bin, mit dieser DKP gemeinsam keinen Schritt mehr gehen zu können. Ich sage der DKP ferner voraus, wenn sie sich nicht ändert, ist sie zum Untergang verurteilt! Derweil kann ich nur hoffen, der berechtigte Protest in der Gesellschaft, möge sich nicht in den Irrweg DKP kanalisieren lassen! Ich möchte, da ich am Ende meiner Austrittserklärung angelangt bin, nur noch darauf hinweisen, dass ich bis zum Jahresende 1982 meinen Mitgliedsbeitrag voll bezahlt habe und somit meinen finanziellen Pflichten gegenüber der Partei nachgekommen bin. Das Mitgliedsbuch habe ich beigelegt.  Mit freundlichen Grüßen, TK 
 
P.S. Zwischenzeitlich bin ich einer Partei mit imperialistischem Charakter beigetreten, sie führt sogar frech eine revisionistische Bezeichnung: „Demokratische Sozialisten“!  
 
Der Lachende  
Hat die furchtbare Nachricht  
Nur noch nicht empfangen  
B.B. Leicht gekürzt, November 1982</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>154. Austritt aus der DKP </p>
<p>An den Kreisvorstand der Deutschen Kommunistischen Partei! </p>
<p>Hiermit möchte ich meinen Austritt aus der DKP erklären. Nach einer längeren Phase intensiven Nachdenkens, fasste ich diesen, mir nicht leicht gefallenen Entschluss, da man eine Partei nach fast fünf Jahren Mitgliedschaft und achtjähriger weitgehender Identifizierung mit ihr, nicht so einfach verlässt. Dennoch musste ich diesen Schritt, schon aufgrund meiner persönlichen Glaubwürdigkeit, ausführen. Zunächst beabsichtigte ich meinen Entschluss ausführlich bis in alle Einzelheiten zu begründen und zum Ende meiner Parteimitgliedschaft, eine Analyse der gescheiterten DKP-Politik zu erstellen. Von diesem Vorhaben rückte ich allerdings ab, als ich mir überlegte, welchen Sinn es überhaupt noch hat, mit der DKP zu diskutieren. Außerdem kann ich mir sehr gut eure Reaktionen auf ein derartiges Papier vorstellen. Es wären die gleichen Reaktionen geworden, die ihr wahrscheinlich beim Lesen dieser Austrittserklärung zeigt nur in wesentlich extremer Form. Die Reaktionen vieler Genossen stellen sich wahrscheinlich dar, in der bunten Palette abrufbarer Reizäußerungen, beginnend beim einfachen Kopfschütteln, bis hin zum bornierten ideologisch geprägten Insiderlächeln nach dem Motto: &#8220;Na ja, wir haben ja schon immer gewusst, dass sie - trotz proletarischer Herkunft und zeitweiligen Standes - die kleinbürgerlichen anarchistisch-trotzkistischen<br />
Denkkategorien niemals überwunden hatte.&#8221;  </p>
<p>Trotz alledem werde ich es mir nicht nehmen lassen, einige Punkte, die unter vielen anderen die Gründe für meinen Austritt sind, im Folgenden darzustellen. Da wäre als wichtigster und erster Punkt, das allseits bekannte blinde Verhältnis der Deutschen Kommunistischen Partei zum sog. real existieren-den Sozialismus. Nicht das ich grundsätzlich etwas gegen diese Defensivformel scheinsozialistischer Umgestaltung hätte, nein, vielmehr habe ich etwas gegen eben jenen Scheinsozialismus selbst, der mit platten Phrasen künstlich einen revolutionären Anstrich erhält. Nun mag an dieser Stelle gleich wieder der berüchtigte Einwand kommen: „Aber die DDR hatte doch die schlechtere Ausgangslage&#8230; Amen!  </p>
<p>Aber ja, - die DDR ist revolutionär!  </p>
<p>Die Intershops sind revolutionär, - weil man dort die schmarotzende, dekadente westliche Welt nicht nur sehen, sondern auch noch kaufen kann (natürlich gegen schmarotzende, dekadente Westdevisen).  </p>
<p>Die 42 1/2 Stundenwoche ist revolutionär, -weil sie dem Klassenfeind tagtäglich zeigt, dass die Mehrwerttheorie eben nur eine Theorie ist.  </p>
<p>Das stundenlange Warten vor Restaurants ist revolutionär, - weil dadurch der Mangel rationeller verwaltet, die Solidarität unter den Leuten gefördert und das Ellenbogenverhalten ganz sicher gemindert wird.  </p>
<p>Der Mangel an Lebensmitteln (sprich Luxusgüter) ist wiederum revolutionär, - weil man ohne das Empfinden des Mangels gar nicht mehr wüsste, wie viel Luxus schon vorhanden ist!  </p>
<p>Die dreckigen Toiletten sind revolutionär, - weil der westliche ausländische Nichtdeutsche nicht glauben soll, alle Deutschen seien penibel sauber.  </p>
<p>Die niedrigen Renten sind revolutionär, - weil die Alten (sprich nichtproduktive Kräfte), gerne in den Westen abhauen dürfen, tun die revolutionären Neuigkeiten im Westen anzuwenden und den<br />
Imperialismus damit zu zersetzen.  </p>
<p>Die Kindererziehung ist revolutionär, - weil auch Kinder schon über die marxistisch-leninistische Ästhetik des Krieges frühzeitig etwas erfahren sollen.  </p>
<p>Der Zustand der Häuser ist revolutionär, - weil Hausbesetzer angesichts der Fülle zu besetzender Häuser völlig frustriert aufgeben und Wohnsilos (Neubaugebiete), ohnehin praktischer, kostengünstiger, quadratischer.. - eben so richtig DDR-revolutionär sind.  </p>
<p>Die Behandlung der DDR-Bürger im sozialistischen Ausland als Bürger zweiter Klasse ist revolutionär, - weil Devisen eben Devisen sind!  </p>
<p>Das Herausstehlen von Waren aus Paketen, wohlgemerkt auch Waren, die man im Intershop erwerben kann, ist revolutionär, weil - siehe oben. </p>
<p>Die verwahrlosten asozialen Ferienlager sind revolutionär, weil man als Ausländer in einem DDR-Ferienlager einen hervorragenden Eindruck der gesamtgesellschaftlichen Zustände in kompakter Form dargeboten bekommt.  </p>
<p>Dass DDR-Bürgern die Rechtsanwaltslaufbahn verweigert werden kann, wenn ein Verwandter im Westen wohnt, ist revolutionär, - weil die Propaganda der 100 Milliarden Mark Schaden durch Abwanderungen spezialisierter Arbeitskräfte immer noch gefressen wird und somit zur Stabilisierung der DDR beiträgt.  </p>
<p>Dass die meisten Qualitätsprodukte exportiert und deshalb von der eigenen Bevölkerung nicht gekauft werden können ist revolutionär, - weil die Bevölkerung daraufhin neue Gegenpläne erstellt um die Vorjahreszahlen zu erhöhen, damit noch mehr Waren exportiert werden können, die wiederum auch nicht in den landeseigenen Geschäften auftauchen!  </p>
<p>Ihr könntet ja nun fragen, was denn dieses alles mit der DKP zu tun hat?! Die Antwort darauf ist ganz einfach: Weil Ihr den ganzen Kram verteidigt! 	Ihr 	sagt 	dann, 	es 	gäbe 	sicher 	einige &#8220;Einzelerscheinungen“ in der DDR, die Euch auch nicht passen, das „große Ganze&#8217; wäre aber doch in Ordnung. Ich jedoch möchte diesen Satz umdrehen und behaupten, dass das &#8220;große Ganze&#8221; einen Dreck wert ist, wenn nicht die elementarsten Bedürfnisse der Menschen befriedigt werden können.  </p>
<p>So muss man einmal einige Passagen in einem, in der DDR erschienenen Buche durchlesen, um sich als Kommunist wie-der einmal kräftig schämen zu können. Der Gipfel der Lächerlichkeit wurde erreicht, als man DDR-Bürgern einen Aufnäher von der Jacke riss, auf dem ein sowjetisches Geschenk (!) an die UNO abgebildet ist (Schwerter zu Pflugscharen). Ich befürchte beinahe, dass so etwas nur in einem Land möglich ist, in dem selbst der Text der eigenen Nationalhymne nicht gesungen werden darf Doch die DKP schafft es, verkrampft hier &#8220;Frieden schaffen ohne Waffen&#8221; und da &#8220;Der Frieden muss bewaffnet seid&#8217; zu verkünden. Die Rolle der DKP in der Friedenbewegung ist deshalb heuchlerisch, weil sie sich in der BRD gegen schleichenden Militarismus wendet, in der DDR aber militaristische Erziehung im Kindesalter für korrekt hält. Das Verhalten der DKP in der Friedenbewegung, obwohl ich hierbei nur ein paar herausstechende Fakten angeführt habe, ist somit der zweite Kritikpunkt.  </p>
<p>Der dritte Punkt betrifft die Frage der Ökologie. Ganze 50 Zeilen widmet die DKP in ihrem Programm, den Fragen der Energiepolitik und des Umweltschutzes, während sie hingegen 54 Zeilen benötigt, um den eigenen Mitgliedern zu erklären, was denn so ein richtiger Kommunist eigentlich alles so macht; geschehen in dem hübsch übertitelten Kapitel &#8220;Was Kommunist sein heißt?&#8221;. Ihr seid jetzt erbost und sagt: &#8220;Das ist doch wieder nur die Form, die du da kritisierst, die Inhalte sind aber doch entscheidend!&#8221; Na gut, sehen wir uns die Inhalte an&#8230;  </p>
<p>Im Parteiprogramm heißt es: Deshalb ist sie (d.h. die DKP), auch grundsätzlich für die friedliche Nutzung der Kernenergie. &#8221; Davon abgesehen, dass wohl niemand grundsätzlich für die unfriedliche Nutzung der Kernenergie ist, so zeigt dieser Punkt besonders das uneingeschränkte Wachstumsdenken, welches in der marxistischleninistischen Philosophie begründet ist.  </p>
<p>Dieser Punkt dokumentiert das fatale Schicksal des zweiten deutschen<br />
Staates, 	lässt 	sich 	doch 	die 	DDR, 	den 	Konsum 	und<br />
Produktionswettbewerb wunschgemäß aufzwingen und sieht nicht, dass die ökologische Katastrophe auch auf sozialistischen Sohlen heranschleicht. Zu all den bisher aufgeführten Themen,<br />
könnte ich wesentlich detaillierte Aussagen treffen, dann allerdings wurde es eben jene Analyse werden, die ich doch so gerne vermeiden wollte. Aber ganz fertig bin ich noch nicht! Denn da wäre noch die Frage des Geistes und der Kunst.  </p>
<p>1925 schrieben George Grosz und Wieland Herzfelde den Text: &#8220;Die Kunst ist in Gefahr. Ein Orientierungsversuch.&#8221; Ich möchte aus der<br />
Passage über den Dadaismus kurz zitieren: &#8220;Diese deutsche DadaBewegung hatte ihre Wurzeln in der Erkenntnis, die manchen Kameraden und auch mir gleichzeitig kam, dass es vollkommender Irrsinn war zu glauben, der Geist oder irgendwelche Geistige regierten die Welt. Heute weiß ich und mit mir alle anderen Begründer des deutschen Dadaismus, dass es unser einziger Fehler war, uns mit der sogenannten Kunst überhaupt ernsthaft beschäftigt zu haben. Der Dadaismus war der mit Grölen und höhnischen Gelächter vollzogene<br />
Durchbruch aus einem engen, überheblichen und über-schätzten<br />
Milieu, das, zwischen den Klassen in der Luft schwebend, keinerlei Mitverantwortung dem Leben der Allgemeinheit gegenüber kannte. Wir sahen die irrsinnigen Endprodukte der herrschenden<br />
Gesellschaftsordnung und brachen in Gelächter aus.&#8221;  </p>
<p>Dem ist nur hinzuzufügen, dass sich die derzeitige Situation kaum anders präsentiert. Goethe in Ost und West; feudalistische Soldschreiber wie Mozart oder Bach in Ost und West - plus sogenannte Arbeiterkonzerte der DKP; Puhdys und Karat in Ost und West; Wagner in Ost und West; Roy Black in Ost und West; Martin Luther in Ost und West; Karl May in Ost und West - und das Standbild Friedrich des Großen in Berlin - (Ost) !  </p>
<p>So komme ich zum letzten, besonders hervorzuhebenden Kritikpunkt an der DKP, den man überschreiben könnte: Mystische Verklärung des Faktors Arbeit! Vor wenigen Stunden hätte ich das Wort mystisch vielleicht in meiner Polemik weg-gelassen, doch da gelangte ein Artikel mitsamt der UZ auf meinen Mittagstisch, - ein Report: 7000 km durch Jakutien, dritter Teil eines Berichtes des Korrespondenten Helmut Weinand, mit der Überschrift &#8220;Wie die Söhne der Nomaden heute leben&#8221;. Dieser &#8220;interessante&#8221; Artikel über das tapfere kleine Völkchen der Ewenen, das, wie eindringlich geschildert wird, sein heutiges Dasein nur dem Sieg der großen sozialistischen Oktoberrevolution zu verdanken hat, dieses kleine Volk also, zeigt uns, wie der Faktor Arbeit, die Lebenserwartung steigen lässt! Die 28-jährige Ärztin Olga Starostina, aus dem Ort Topolino, in dem Dank der sozialistischen Gesellschaft jetzt sogar die Wölfe mit Helikoptern vertreiben werden, sagt uns als Fachärztin für innere Medizin und Mutter zweier<br />
Topolinos, angesichts des Umstandes, dass die Menschen<br />
hier vor der Revolution nur 22 Jahre und nun 70 Jahre im Schnitt werden:  &#8220;Es ist die Arbeit! Die Arbeit und ein ausgefülltes Leben in der freien Natur. In unserer Sowchose gibt es nur alle Arbeit. Vertane Zeit kennen wir nicht! Und wer will kann auch noch mit 90 zupacken.&#8221;  </p>
<p>Ich rechne: 65 Jahre Oktoberrevolution - 90 minus 22 - macht 25. Der Mann hätte bei Ausbruch der Oktoberrevolution schon drei Jahre tot sein müssen! Wenigstens im Schnitt&#8230; Aber deshalb heißt es wohl im Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, unter dein Stichwort &#8220;Charakter der Arbeit&#8221;: Mit dem Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus nimmt die Arbeit allmählich kommunistischen Charakter an, d.h. sie wird zum ersten Lebensbedürfnis des<br />
Menschen!&#8221;  </p>
<p>Ihr werdet nun wieder sagen, dass alles, was Du bisher geschrieben hast, ist doch durchdrungen vom Antikommunismus. Nun. wenn das, was Ihr vertretet, die kommunistische Ideologie ist, dann bin ich in der Tat Antikommunist. Geworden!!! Bei meinem Eintritt in die DKP habe ich ihren Stand-punkt geteilt, und dieses sogar manchmal ziemlich blauäugig. Wer hat mich also zum &#8220;Antikommunisten&#8221; gemacht? Wer hat überhaupt die gesamte Bevölkerung zu &#8220;Antikommunisten&#8217; gemacht? Ist daran nur die Meinungsmanipulation des Groß-kapitals schuld, wie es auf Seite 29 im DKP-Programm steht? Noch mal aus dem Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, Stichwort<br />
&#8220;Antikommunismus&#8221;: „Wesenszug der imperialistischen Ideologie und<br />
Politik, der alte ihre Formen durchdringt. So einfach ist das!“ </p>
<p>Weiter heißt es in dem Buch: &#8220;Die antikommunistische Propaganda bedient sich dabei mit Vorliebe revisionistischer und sozialdemokratischer Theorien (vom freiheitlichen, demokratischen, menschlichen Sozialismus). Eine zentrale Rolle spielt der Pluralismus, als eine Theorie, die…die einheitliche marxistisch-leninistische Weltanschauung mit bürgerlichen Theorien durchsetzt, um die Einheit der sozialistischen Weltbewegung zu zerstören.&#8221; Unter dem Stichwort des bösen Pluralismus liest man dann: &#8220;Einen besonders ausgeprägten Charakter besitzt der Pluralismus in der Ideologie des<br />
Sozialdemokratismus. Im gegenwärtigen Revisionismus bildet die Pluralismuskonzeption in weltanschaulicher, politischer und ökonomischer Hinsicht ein konzeptionelles Zentrum der Verfälschung und Revision des Marxismus-Leninismus sowie des antikommunistischen Angriffs auf den Sozialismus. Die revisionistischen Auffassungen vom ideologischen, politischen und ökonomischen Pluralismus, richten sich gegen die einheitliche Theorie des Marxismus-Leninismus, gegen die Einheit und Geschlossenheit der kommunistischen Weltbewegung, gegen die führende Rolle der Arbeiterklasse, gegen den demokratischen Zentralismus, gegen die sozialistische Planwirtschaft und hat daher seinem politischen Inhalt nach, faschistischen Charakter.&#8221; </p>
<p>Nein, ich gebe zu, ich habe jetzt ein bisschen geflunkert. Der letzte Satzteil, der mit dem Faschismus, ist von mir frei erfunden, wie leben ja nicht vor 33, da hätte man so etwas vielleicht noch geschrieben. Heute heißt es jedoch - wieder das vielzitierte Wörterbuch: &#8220;&#8230; und hat daher seinem politischen Inhalt nach imperialistischen Charakter:&#8221; So ändern sich die Zeiten!  </p>
<p>Kleine polemische Überlegung zwischendurch: Da die DKP, die einzige marxistisch-leninistische Kraft in der BRD ist, so haben demnach alle anderen politischen Parteien (auch die SPD, die Grünen, die DS u.a.) ihrem politischen Inhalt nach &#8220;imperialistischen Charakter&#8217;. Nur die 0,2 %-Partei hat die Wahrheit gepachtet. Einsam und allein schwimmt sie gegen den Strom! Entschuldigung, aber auch dieser Vergleich ist nicht von mir. Er stammt vom Vorsitzenden (Herbert Mies, Anmerkung T. K. 2001) selbst, der auf der Landesmitgliederversammlung in Mühlheim/Ruhr, anlässlich der Eröffnung des Bundestagwahlkampfes 1983, in seiner Rede wörtlich sagte: &#8220;Ja, liebe Genossinnen und Genossen, in Zeiten, da wir zeitweilig (!) gegen den Strom schwimmen müssen, brauchen wir bei uns, brauchen wir in der<br />
Partei die Stimmung: Jetzt erst recht! Da brauchen wir die<br />
Rückbesinnung auf den Geist Karl Liebknechts: Trotz alledem!&#8221;  </p>
<p>Trotz alledem? Trotz der historischen Fehler, die von Kommunisten begangen wurden? Trotz der zweideutigen Politik der DKP? Trotz des allgemeinen Misserfolges? Oder trotz des bösen Antikommunismus&#8221;, der von allen Seiten rücksichtslos und ungeachtet des objektiv richtigen historischen und dialektischen Materialismus, auf die DKP einschlägt? Aber wie dem auch sei, Herbert Mies hat recht: IHR SCHWIMMT GEGEN DEN STROM!  </p>
<p>Abschließend bleibt festzustellen, dass ich der Meinung bin, mit dieser DKP gemeinsam keinen Schritt mehr gehen zu können. Ich sage der DKP ferner voraus, wenn sie sich nicht ändert, ist sie zum Untergang verurteilt! Derweil kann ich nur hoffen, der berechtigte Protest in der Gesellschaft, möge sich nicht in den Irrweg DKP kanalisieren lassen! Ich möchte, da ich am Ende meiner Austrittserklärung angelangt bin, nur noch darauf hinweisen, dass ich bis zum Jahresende 1982 meinen Mitgliedsbeitrag voll bezahlt habe und somit meinen finanziellen Pflichten gegenüber der Partei nachgekommen bin. Das Mitgliedsbuch habe ich beigelegt.  Mit freundlichen Grüßen, TK </p>
<p>P.S. Zwischenzeitlich bin ich einer Partei mit imperialistischem Charakter beigetreten, sie führt sogar frech eine revisionistische Bezeichnung: „Demokratische Sozialisten“!  </p>
<p>Der Lachende<br />
Hat die furchtbare Nachricht<br />
Nur noch nicht empfangen<br />
B.B. Leicht gekürzt, November 1982</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Campo-News</title>
		<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2015/06/28/2065.html#comment-276549</link>
		<dc:creator>Campo-News</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2015 07:25:19 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.campodecriptana.de/blog/2015/06/28/2065.html#comment-276549</guid>
		<description>â€œFackeln in der DÃ¤mmerungâ€ von der Jungen Freiheit rezensiert
Abgelegt unter: Allgemein â€” Campo-News @ 16:34 Bearbeiten

Zur Freiheit, zur Sonne. Die streitbare Autorin Tanja Krienen dokumentiert in einem Essayband ihren langen Marsch zum Antitotalitarismus. Von Marc Zoellner

Tanja Krienen ist nicht mehr nur ein Name. Im Kreise des nonkonformen Journalismus gilt er schlichthin bereits als Institution.

Seit den frÃ¼hen Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts bemÃ¼ht sie redlich ihre Schreibfeder, beliefert im Akkord die Redaktionen der deutschen Medienlandschaft; angefangen bei der linksalternativen taz Ã¼ber libertÃ¤re Magazine wie dem eigentÃ¼mlich frei bis hin zum konservativen PreuÃŸischen Anzeiger.

Die Wahl der Themen glich dabei seit je dem wechselvollen Kurs ihrer eigenen Vita. Als Punk trat sie in Jugendjahren erstmalig Ã¶ffentlich in Erscheinung auf, als Anarcho-Trotzkistin, welche die aufkommende Neue Deutsche Welle gegen FaschismusvorwÃ¼rfe ihrer eigenen Genossen verteidigte und letztere wiederum nach fÃ¼nfjÃ¤hriger Mitgliedschaft in der Deutschen Kommunistischen Partei aufgrund deren Verherrlichung der inneren ZustÃ¤nde der DDR-Diktatur den RÃ¼cken kehrte.

Wolf Biermann stand ihr schlieÃŸlich nahe; der Vertriebene, der - wie sie â€“ scheinbar keine politische Heimat finden konnte. Seine erzwungene Emigration war fortan Bestandteil unzÃ¤hliger von Krienens Kolumnen, seine AusbÃ¼rgerung Titel einer bei Ullstein publizierten Essaysammlung, zu welcher auch Krienen Texte beitrug. Ein Mutualismus zu beidseitigem Vorteil: Denn neben linken und liberalen KoryphÃ¤en wie Wagenknecht, RÃ¶hl und Broder waren es auch Biermanns BeitrÃ¤ge, die Krienens Zeitschrift â€œCampo de Criptanaâ€ â€“ benannt nach jenem mittelspanischen DÃ¶rfchen, vor dessen Toren der tragische Held Don Quijote sich zum Kampf gegen die WindmÃ¼hlen anschickte â€“ zu Rang und Namen verhalf.

Mit â€œFackeln in der DÃ¤mmerungâ€ beliefert der frisch gegrÃ¼ndete Romowe-Verlag, ein Derivat des PA, seine Leser nun, zwischen Buchdeckel gepresst, mit einer 376 Seiten umfassenden Sammlung von Krienens in den letzten vier Jahrzehnten verfassten Essays, Kolumnen und Kommentaren, ihrer Aphorismen und Gedichte. Im RÃ¼ckblick gelesen, stellen Krienens AufsÃ¤tze dabei mehr als nur einen flÃ¼chtigen Streifzug durch die Geschichte der Republik dar. Sie gewÃ¤hren auch tiefe Einblicke in ihr eigenes Leben: Ihren biografischen Sollbruch mit Kommunisten, Konservativen â€“ der CDU â€“ und der AfD, ihrer Abneigung totalitÃ¤rer Denkweisen gegenÃ¼ber, ihrem Patriotismus jenseits schwarzweiÃŸer Strukturen sowie natÃ¼rlich auch der schÃ¶nen, der angenehmen Seiten von Kunst, Kultur und Literatur.

Krienens oftmals Ã¼berschwÃ¤ngliche Polemik muss man dabei nicht unbedingt mÃ¶gen. â€œWenn einer mir sagt: Ich komme mit jedem gut ausâ€, gesteht sie gern selbst ein, â€œso lÃ¤ge mir schon sehr daran, ihm das Gegenteil zu beweisen.â€ Das meint sie durchaus ernst. Doch gerade dadurch hebt Krienen sich lesenswert ab von der grauen Masse der deutschen Publizisten.

Tanja Krienen: Fackeln in der DÃ¤mmerung. Texte aus vier Jahrzehnten. Romowe, 2015, 376 Seiten, 20,95 Euro.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>â€œFackeln in der DÃ¤mmerungâ€ von der Jungen Freiheit rezensiert<br />
Abgelegt unter: Allgemein â€” Campo-News @ 16:34 Bearbeiten</p>
<p>Zur Freiheit, zur Sonne. Die streitbare Autorin Tanja Krienen dokumentiert in einem Essayband ihren langen Marsch zum Antitotalitarismus. Von Marc Zoellner</p>
<p>Tanja Krienen ist nicht mehr nur ein Name. Im Kreise des nonkonformen Journalismus gilt er schlichthin bereits als Institution.</p>
<p>Seit den frÃ¼hen Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts bemÃ¼ht sie redlich ihre Schreibfeder, beliefert im Akkord die Redaktionen der deutschen Medienlandschaft; angefangen bei der linksalternativen taz Ã¼ber libertÃ¤re Magazine wie dem eigentÃ¼mlich frei bis hin zum konservativen PreuÃŸischen Anzeiger.</p>
<p>Die Wahl der Themen glich dabei seit je dem wechselvollen Kurs ihrer eigenen Vita. Als Punk trat sie in Jugendjahren erstmalig Ã¶ffentlich in Erscheinung auf, als Anarcho-Trotzkistin, welche die aufkommende Neue Deutsche Welle gegen FaschismusvorwÃ¼rfe ihrer eigenen Genossen verteidigte und letztere wiederum nach fÃ¼nfjÃ¤hriger Mitgliedschaft in der Deutschen Kommunistischen Partei aufgrund deren Verherrlichung der inneren ZustÃ¤nde der DDR-Diktatur den RÃ¼cken kehrte.</p>
<p>Wolf Biermann stand ihr schlieÃŸlich nahe; der Vertriebene, der - wie sie â€“ scheinbar keine politische Heimat finden konnte. Seine erzwungene Emigration war fortan Bestandteil unzÃ¤hliger von Krienens Kolumnen, seine AusbÃ¼rgerung Titel einer bei Ullstein publizierten Essaysammlung, zu welcher auch Krienen Texte beitrug. Ein Mutualismus zu beidseitigem Vorteil: Denn neben linken und liberalen KoryphÃ¤en wie Wagenknecht, RÃ¶hl und Broder waren es auch Biermanns BeitrÃ¤ge, die Krienens Zeitschrift â€œCampo de Criptanaâ€ â€“ benannt nach jenem mittelspanischen DÃ¶rfchen, vor dessen Toren der tragische Held Don Quijote sich zum Kampf gegen die WindmÃ¼hlen anschickte â€“ zu Rang und Namen verhalf.</p>
<p>Mit â€œFackeln in der DÃ¤mmerungâ€ beliefert der frisch gegrÃ¼ndete Romowe-Verlag, ein Derivat des PA, seine Leser nun, zwischen Buchdeckel gepresst, mit einer 376 Seiten umfassenden Sammlung von Krienens in den letzten vier Jahrzehnten verfassten Essays, Kolumnen und Kommentaren, ihrer Aphorismen und Gedichte. Im RÃ¼ckblick gelesen, stellen Krienens AufsÃ¤tze dabei mehr als nur einen flÃ¼chtigen Streifzug durch die Geschichte der Republik dar. Sie gewÃ¤hren auch tiefe Einblicke in ihr eigenes Leben: Ihren biografischen Sollbruch mit Kommunisten, Konservativen â€“ der CDU â€“ und der AfD, ihrer Abneigung totalitÃ¤rer Denkweisen gegenÃ¼ber, ihrem Patriotismus jenseits schwarzweiÃŸer Strukturen sowie natÃ¼rlich auch der schÃ¶nen, der angenehmen Seiten von Kunst, Kultur und Literatur.</p>
<p>Krienens oftmals Ã¼berschwÃ¤ngliche Polemik muss man dabei nicht unbedingt mÃ¶gen. â€œWenn einer mir sagt: Ich komme mit jedem gut ausâ€, gesteht sie gern selbst ein, â€œso lÃ¤ge mir schon sehr daran, ihm das Gegenteil zu beweisen.â€ Das meint sie durchaus ernst. Doch gerade dadurch hebt Krienen sich lesenswert ab von der grauen Masse der deutschen Publizisten.</p>
<p>Tanja Krienen: Fackeln in der DÃ¤mmerung. Texte aus vier Jahrzehnten. Romowe, 2015, 376 Seiten, 20,95 Euro.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Campo-News</title>
		<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2015/06/28/2065.html#comment-252407</link>
		<dc:creator>Campo-News</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2015 07:15:19 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.campodecriptana.de/blog/2015/06/28/2065.html#comment-252407</guid>
		<description>DAS INTERVIEW ZUM BUCH!!! 

â€žDer Mensch sucht sich seine Vorbilder nach seinen Neigungen.â€œ

Frage: Tanja, Du bist eine interessante Person, die man als widersprÃ¼chlich bezeichnen muss. Du schreibst Artikel fÃ¼r linke BlÃ¤tter, zum Beispiel: Spiegel und taz, dann aber auch fÃ¼r rechte Magazine, wie das von eigentÃ¼mlich frei. Kannst Du Dich nicht fÃ¼r eine politische Richtung entscheiden?

Tanja Krienen: WidersprÃ¼chlich wÃ¤re ich, wenn sich meine Positionen widersprechen wÃ¼rden. Dies geschieht aber selten, maximal dann, wenn der Zeitstrom vÃ¶llig andere Konstellationen bringt und etwas, das in einer anderen Zeit richtig war, modifiziert werden muss, weil die handelnden Parteien, Personen, Staaten oder Gruppen ihren Charakter Ã¤nderten. Die erdrÃ¼ckende Anzahl meiner getÃ¤tigten MeinungsÃ¤uÃŸerungen sind von der Richtung ihrer Aussagen gleich geblieben, wie man in meinem neuen Buch â€žFackeln in der DÃ¤mmerung â€“ Texte aus vier Jahrzehntenâ€œ sehen kann. Da sich die Rahmenbedingungen stark verÃ¤nderten, ordnen sich bestimmte Ã„uÃŸerungen bisweilen in ein anderes politisches Schema ein als in frÃ¼heren Jahren oder Jahrzehnten. Ich habe immer dort verÃ¶ffentlicht, wo mir die Chance dazu ermÃ¶glicht wurde und es bei entsprechender Toleranz passte, denn manche Medien sind, resp. waren diskussionsfreudiger als man denkt. Mein Ehrgeiz hat aber abgenommen und ich bemÃ¼he mich kaum noch um VerÃ¶ffentlichungen, nicht zuletzt, weil es auch andere MÃ¶glichkeiten gibt seine Meinung unzensiert zu verÃ¶ffentlichen. Das war ja auch ein Grund fÃ¼r die Herausgabe meines Magazins â€žCampo de Criptanaâ€œ.

Frage: Wer Deine Texte liest, weiÃŸ, dass Du Aphorismen, Gedichte und Artikel schreibst. Du vereinigst in Deinen Werken Poesie und Politik, was widersprÃ¼chlich ist. In der Regel sind Autoren eher Poeten, also an Politik wenig interessiert; wie ist diese Mischung zustande gekommen?

Tanja Krienen: Och, die meisten Literaten haben doch sowohl Gedichte als auch Aphorismen geschrieben und von Zeit zu Zeit auch eine andere Form zur VerÃ¶ffentlichung genutzt. Karl Kaus, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht â€“ die klassischen groÃŸen Alten der neuen Form haben dies getan, aber auch Philosophen wie Friedrich Nietzsche oder sogar Karl Marx, dichteten neben ihrem eigentlich Werk oder, wie der erstgenannte, komponierte sogar. GÃ¼nter Grass oder Wolf Biermann konnten ebenfalls die ganze Angebots-Palette abrufen: Werke, Gedichte und Artikel. Bei Letzterem kommt noch der politische Gesang hinzu. â€žAllrounderâ€œ sind meine Vorbilder und da ich durch keine Journaillenschule schmal kanalisiert und abgetÃ¶tet wurde, versuche ich mich traditionell an allem. Die ersten Geschichten habe ich mit 13 geschrieben, sie sind aber verschollen. Was vielleicht auch gut ist. Nein, ganz bestimmt sogar. Vorbild ist auch einer, wie Richard Huelsenbeck, der nicht nur eine Kunstform mit entwarf, sondern dichtete, Pamphlete schrieb und im Hauptberuf spÃ¤ter als Psychoanalytiker eine Praxis in New York betrieb. Oder Georg Kreisler, der nicht nur gereimte Texte schrieb, sondern auch Artikel, Satiren, hauptsÃ¤chlich aber sang und vielerlei komponierte. Im Bereich der Sprache wÃ¤re auch noch Hanns-Dieter HÃ¼sch zu nennen, der, Ã¤hnlich wie Kreisler, Wortakrobatik, Politik und Unterhaltung vorbildlich verband. Unter den fremdsprachigen Autoren muss hier noch Tom Lehrer erwÃ¤hnt werden, obwohl ich zu ihm erst relativ spÃ¤t gelangte.

Frage: Der marxistische Philosoph Herbert Marcuse prÃ¤gte den Begriff der Repressiven Toleranz, also einer Toleranz, die Herrschaft unterstÃ¼tzt. Wie stehst Du als Autorin und Publizistin dazu? Akzeptierst Du die Meinung von Marcuse oder hast Du, bezÃ¼glich von Toleranz, eine andere Meinung? Wie drÃ¼ckt sich die in Deinen BÃ¼chern aus?

Tanja Krienen: Marcuses Essay ist klug, aber auch sperrig, einseitig, verengt und autoritÃ¤r. Daneben finden sich manch richtige einzelne Aussagen. Der Rahmen in dem Marcuse denkt, resp. den er sich setzte, ist ein linksradikaler und hat sich vÃ¶llig verÃ¤ndert. FÃ¼r ihn war allein die â€žKlassenfrageâ€œ entscheidend und alle VorgÃ¤nge reduzierte er darauf, ob sie dem linken Kollektiv nutzen oder schaden. In seinem Sinne war die Toleranz gegenÃ¼ber jeder abweichenden Meinung, die er rechts einordnete, falsch, ja sogar bÃ¶se. Es gibt innerhalb seines verengten Weltbildes dennoch eine Option zur tatsÃ¤chlichen Weltverbesserung und eine gewisse Schnittmenge, die er mit sÃ¤kularen und aufgeklÃ¤rten Menschen teilt. Und an dieser Stelle hat er ganz abstrakt recht: Die Politik, bzw. die Gesellschaft, schafft viele Ventile zur Ablenkung und zur kollektiven IdentitÃ¤tsstiftung, die letztlich ein falsches â€žWirâ€œ erzeugt und die eigentliche Probleme nicht erkennt oder sie verleugnet, in dem sie alle Ã„uÃŸerungsformen als gleich und wichtig belÃ¤sst. Marcuse kannte den Begriff der Postmoderne noch nicht. Fakt ist, dass er, der sich als Dialektiker versteht, wie so viele scheinbar dialektisch Denkende, den letzten Sprung zur Wahrheitsfindung um jeden Preis ablehnt und zugunsten einer politischen Propaganda verwirft. Er ist kein typischer Vertreter der Frankfurter Schule. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Toleranz kein endgÃ¼ltiger Wert sein kann, nur beziehe ich diese TrennschÃ¤rfe auf ganz andere und heute aktuelle Themen. Ob Marcuse zu ihnen gelangt wÃ¤re, vermag ich nicht sagen.

Frage: ErzÃ¤hl doch mal, Ã¼ber welche Themen Du genau schreibst?

Tanja Krienen: Solange ich denken kann kreisen meine Gedanken um die Politik und die damit zusammenhÃ¤ngenden gesellschaftlichen Fragen, aber auch um Musik, Kunst und Literatur. Ebenso bin ich an Philosophie interessiert und an der Psychologie, die ich mit der Beschreibung unzÃ¤hliger Verhaltensweisen in Satiren und Polemiken auf eine greifbare Ebene herunterbreche und dadurch ihre Wirkung auf den Menschen aufzeige.

Frage: Wer sind Deine literarischen Vorbilder und warum genau die?

Tanja Krienen: Der Mensch sucht sich seine Vorbilder nach seinen Neigungen. Fast alles fÃ¼gt sich automatisch zusammen. Am Anfang standen die klassischen deutschen Gedichte, die mir mein Vater, ein Mauer, als Kind aus dem GedÃ¤chtnis vortrug, noch ehe ich lesen konnte. Unbehagliches Empfinden am Lernstoff in der Schule, lÃ¶ste sich vorsichtig, als ich Wolfgang Borchert oder auch im Ansatz Brecht gewahr wurde. Als Arbeiterkind musste ich mir Wissen erst durch eigenes Interesse erarbeiten, zumal ich in der Schule fast nichts fÃ¼r das Leben lernte. So war es dann ein GlÃ¼cksfall, dass ich frÃ¼hzeitig mit der Linken in BerÃ¼hrung kam, z.B. spÃ¤ter die konkret las und durch Gremlizas Neigung zu Karl Kraus, neugierig wurde. Sodann erschloss sich vor allem ein Faible fÃ¼r die Art und Weise des Schreibens. Der Rhythmus, die respektlose Herangehensweise, der hintergrÃ¼ndige Witz, die Tempowechsel und die raffinierte AuflÃ¶sung verschachtelter SÃ¤tze, die artifiziell zu nennenden Satzkompositionen, letztlich der SpaÃŸ an der Bedeutungssuche mir unbekannter Fremdworte und abseitiger, hingeworfener Informationen, lieÃŸen mich in den Sprachgarten eintauchen und versinken. Der Wiedererkennungswert bei Nietzsche war sehr groÃŸ. Wann immer ich die linken Vorbilder nenne, so meine ich heute nicht ihre konkrete Ausformung, ihre bisweilen immer nur in klassischen Feindbildern verharrenden Bilder, sondern ihre Methodik, die ich wie vorgestellt charakterisierte. Von den alt-konservativen Schreibern, vereinfacht gesagt, fesselt mich allein Schopenhauer.

Frage: Lass uns ein wenig Ã¼ber Dein Leben reden. Manches erinnert mich an Nietzsche, der mit dem Hammer philosophieren wollte. Bist Du ein weiblicher Nietzsche?

Tanja Krienen: Meine AffinitÃ¤t zu ihm teile ich mit vielen anderen kÃ¼nstlerisch interessierten Menschen, denen das herrschende Korsett zu eng ist und die sich selbst eine FÃ¤higkeit zur Meinungsbildung attestieren. Mein Hang zur â€žBesserwissereiâ€œ, wie es manche AuÃŸenstehende vielleicht empfinden, liegt darin begrÃ¼ndet, viele Fakten anzusprechen und tatsÃ¤chlich verschiedene Enden miteinander zu einer neuen Sichtweise zu verknÃ¼pfen. Da sie aber wenig metaphysische Elemente besitzt, kann sie die Massen nicht nebulÃ¶s einspannen und bleibt zu schroff. Sie versucht nie die Massen fÃ¼r sich zu gewinnen, hasst aber ebenso verschrobenes und elitÃ¤res Denken einzelner und selbstgerechter kleiner KÃ¶nige. Da bedarf es manchmal auch des Hammers. Blass-BÃ¼rgerlicher-Background steht bis heute im Gegensatz zur â€žHemd-aus-der-Hose-und-HÃ¤nde-in-der-Tascheâ€œ-Haltung. FÃ¼r den Hammer muss man die Hand aus der Tasche nehmen. Und beide HÃ¤nde benÃ¶tigt man oft beim Reden!

Frage: Du schreibst auch manchmal Ã¼ber Deine Art von SexualitÃ¤t - ist SexualitÃ¤t politisch? Ich meine, ist Deine Art der SexualitÃ¤t Dein Antrieb auf das Gebiet der politischen BÃ¼hne?

Tanja Krienen: Ãœberhaupt nicht. Ich hege keinerlei alternative Gedanken, sie sich aus irgendeiner sexuellen Sichtweise speisen. Da empfinde ich mich als Norm, als absolut mittig. Es ist tragisch, dass ich oft in Ecken gestellt werde, in denen ich mich nicht einmal bei Nacht wage. Wenn ich etwas konstatieren muss, dann vielleicht eine gewisse Empfindlichkeit, weil man mich fÃ¼r etwas nimmt, was ich nicht bin und einsortiert. Mein Interesse fÃ¼r Psychologie und eine gewisse Erfahrung machen mich kundiger als der Schnitt und mein Mut Klartext zu reden und mich zu positionieren, angreifbarer. Das geht jedem so, der sich vorwagt und eine abweichende Meinung Ã¤uÃŸert und sei es auch nur in Teilbereichen.

Frage: Mir fÃ¤llt auf, dass Du in verschiedenen Parteien warst, angefangen von der erzlinken DKP, Ã¼ber die konservative CDU, bis hin zur rechtskonservativen AfD. Wie kam das?

Tanja Krienen: Als Linke startete ich aufgrund meines Elternhauses und manch frÃ¼hen kindlichen Erfahrungen im Alltag. Die gesellschaftlichen Schichten waren vor 50 Jahren viel stÃ¤rker als heute voneinander getrennt, denn die Menschen lebten in vÃ¶llig unterschiedlichen Welten. Ãœber die Unzufriedenheit mit der regierenden SPD, der LektÃ¼re von Marx und Engels und dem Kennenlernen von Wolf Biermann und seiner kritischer Sicht auf die DDR aus linker Ãœberzeugung, sah ich mich vom FrÃ¼hjahr 1974 an, also um meinen 17.Geburtstag, als der kommunistischen Bewegung zugehÃ¶rig. Verstand und GefÃ¼hl folgend, lief auch hier viel Ã¼ber die Musik und besonders Ã¼ber die Lieder des fÃ¼r mich bis heute einzigartigen SÃ¤ngers Ernst Busch. Er traf genau den Ton, den ich mochte: klar, direkt, intelligent in der Umsetzung. Ein deutscher Johnny Cash! Ein mexikanischer Jorge Negrete! Wir hatten in den 70er Jahren viele nette Ideen und ich analysierte bereits 1982, also drei GeneralsekretÃ¤re vor Gorbatschow, dass sich objektiv nicht nur das Meiste erfÃ¼llt hatte, sondern manche Forderungen weit Ã¼ber das Ziel hinaus schossen. So verlieÃŸ ich die DKP. Philosophisch blieb ich Materialistin, Atheisten und AnhÃ¤ngerin der Modernen. Ich blieb stehen, die ganze Meute aber rauschte irgendwann links an mir vorbei, forderte Absurdes, das wir einst nur den Abenteurern, Trotzkisten, Maoisten, Anarchisten oder regelmÃ¤ÃŸigen Drogenkonsumenten zugeignet hatten. Von diesem ultralinken Standpunkt erscheint meiner nur in Teilen liberal und vielfach auch konservativ, sogar reaktionÃ¤r. Wenn man die AusfÃ¼hrungen der Philosophen des 19. Jahrhunderts als MaÃŸstab nimmt und an weite Bereiche als immer noch zutreffend, dann muss man halt das Etikett â€žrÃ¼ckwÃ¤rtsgewandtâ€œ annehmen, selbst wenn man es moderner prÃ¤sentiert. So will es das Gesetz, das von jenen bestimmt wird, die nie Ã¼ber den viel Ã¤lteren Marx oder die Sagengestalt Jesus herauskamen.

Frage: Bei der AfD hast Du das Handtuch geworfen, obwohl Du den Ortsverband gegrÃ¼ndet hast und zur Sprecherin bestimmt wurdest. AfD und Tanja Krienen - ein MissverstÃ¤ndnis?

Tanja Krienen: Ich habe die AfD schon richtig verstanden. Es war Ã¼brigens der Kreisverband den ich mitgrÃ¼ndete, so wie auch den Landesverband NRW! Die AfD ist nicht das, was sie vorgibt, sondern eine weitgehend unideologische WutbÃ¼rgerpartei ohne echte AnalysefÃ¤higkeit, die meist genauso grummelt wie die linke Basis. Von einer Partei, welche angeblich die alte Formel von der liberal-konservativen Richtung vertreten will, wie sie z.B. der Publizist Gerhard LÃ¶wenthal postulierte, der Ã¼brigens auch ehedem ein Linker war (Jude dazu)l, ist die Partei meilenweit entfernt. Aber nur so eine Partei wÃ¤re ein echter Widerpart zum Allparteipool, in den man die AfD wohl mit hineinwerfen darf. So ist sie das, was es schon lÃ¤ngst gibt.

Frage: Um noch einmal auf den hauptsÃ¤chlich als Kabarettist bekannten Georg Kreisler zurÃ¼ckzukommen, mit dem Du einen regen Briefwechsel gefÃ¼hrt hast. Wie hast Du ihn kennengelernt? Ãœber welche Themen habt ihr euch ausgetauscht und letztlich: Du hast herausgefunden, dass sich Kreisler mal mit Hanns Eisler getroffen hat. Was ist an diesem Treffen so interessant gewesen?

Tanja Krienen: Ich sah ihn hÃ¤ufig auf der BÃ¼hne und sprach auch schonmal nach der Vorstellung mit ihm. Doch die elf Jahre dauernde Brieffreundschaft begann, als mir bei einer Recherche auffiel, dass an Charlie Chaplins â€žMonsieur Verdouxâ€œ sowohl Hanns Eisler, als auch Georg Kreisler mitgearbeitet haben sollen, obwohl in den einzelnen Biographien nichts von einer gemeinsamen Arbeit zu lesen war. Sollte es sich um einen Irrtum handeln? Kr(eisler), sehr kurios. Und doch: Chaplin wollte zu seinem Film die Musik schreiben, konnte aber keine Noten. So pfiff er Kreisler die Melodien vor, der notierte sich alles und machte sich dann auf nach Malibu, wo Hanns Eisler im Exil wohnte, der dann die Vorlagen in Orchestermusik umsetze. Zwei Juden, die beide in Hollywood Ã¼berlebten, der Ã¤ltere schon sehr erfolgreich, nicht nur wegen seiner Arbeit mit Brecht, und der jÃ¼ngere, grad 22, der sich seinen Namen noch erarbeiten musste.

Frage: Du hast einige Briefe beigesteuert zu dem Buch von Dr. Nikolaus Topic-Matutin, das den Titel hat: â€žGeorg Kreisler â€“ Doch gefunden hat man mich nichtâ€œ. Das Buch verÃ¶ffentlichte Texte, Gedichte und Briefe, die bisher noch unbekannt waren. Kann man noch mehr von Dir Ã¼ber Kreisler erwarten â€“ etwa in Buchform?

Tanja Krienen: Das wohl nicht, doch der Verlust schmerzt noch immer. Gern wÃ¼rde ich jedoch einen Spielfilm Ã¼ber sein Leben anregen wollen, das unfassbar viele Anekdoten bereithÃ¤lt und mit der Weltgeschichte verknÃ¼pft ist. Zum Beispiel, wie Hitler Kreislers Onkel Julius Plakate fÃ¼r eine Werbeaktion gegen SchweiÃŸfÃ¼ÃŸe malte oder wie er auf der Flucht 1938 auf einem Schiff das Kosher-Nostra Mitglied Bugsy Siegel (eigentlich Benjamin Siegelbaum) traf und mit ihm Schach spielt und auch spÃ¤ter bei dessen ErschieÃŸung in der NÃ¤he weilt oder als er 1945 als Mitglied der â€žRitchie Boysâ€œ u.a. Hermann GÃ¶ring, Julius Streicher und Ernst Kaltenbrunner als Dolmetscher mitverhÃ¶rt u.v.m.

Frage: Was planst Du fÃ¼r die Zukunft?

Tanja Krienen: Falls es sie gibt: Seit zwei Jahren sammele ich Stoff fÃ¼r einen Roman und habe schon fragmentarisch einige Szenen erarbeitet. Wenn es gelingt, wird es mit Abstand zum bÃ¶sesten Werk, das ich je verbrach. Mein Arbeitstempo hat sich verlangsamt, ich werde sicher noch zwei, vielleicht auch drei Jahre zur Vollendung benÃ¶tigen. Ansonsten halte ich es mit Brecht:
Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein groÃŸes Licht!
Und mach dann nochâ€™nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.

Das Interview mit Tanja Krienen fÃ¼hrte Wolfgang Luley, Redakteur und Lektor des Romowe-Verlages. http://preussischer-anzeiger.de/â€¦/neu-und-die-naechsten-taâ€¦/

http://romowe.de/laden/product_info.php?products_id=36

http://www.amazon.de/Fackeln-D%C3%A4mmerung-Teâ€¦/â€¦/1512277193
Was macht das jetzt mit mir?
Der sukzessiv zu vernehmende, wohlig tÃ¶richte StoÃŸseufzer â€žWas macht das jetzt mit mir?â€œ, wÃ¤re wohl, falls diese Kategorie gÃ¤be, der Unsatz der letzten Jahre. Im realen Leben traut sich niemand, weshalb er nur im Fernsehen zu sehen ist, meist, wenn die Reporterin des WDR oder auch privater KrawallkanÃ¤le, aus irgendwelche gepiercten, vollschlanken Frauen (zu 99% sind die â€žWas-macht-das-mit-mirâ€œ-Frager Fragerinnen) eine Befindlichkeit herausquetschen wollen, die in 99,9% der FÃ¤lle entweder selbst verbockt oder aber eingebildet wurde, und zwar so, dass FremdschÃ¤men geradezu â€“ quasi programmgenetisch â€“ als Bestandteil des Horrors garantiert ist. Wie gelangt man in diesen Zustand? Treudoof, verantwortungslos und bar jeder FÃ¤higkeit zur Vorausschau, stellt man den Gesichtsausdruck auf Durchzug bei gleichzeitiger hÃ¶chstmÃ¶glichster Leidensmine, signalisiert gleichzeitig: auch du kannst dÃ¼mmer, als die Polizei bis circa 1999 erlaubte, sein.
Beispiel:
Candida Savannah Kapitulinski war stockbesoffen, als sie wÃ¤hrend des Fischmarktes auf  Djamal Dschalala traf, kurz darauf mit ihm â€žschliefâ€œ und sagt nun: â€žAls ich hÃ¶rte, ich bin schwanger (O-Ton selbstverstÃ¤ndlich), dachte ich nur: Was macht die Schwangerschaft jetzt mit mir?â€œ Man muss hinzufÃ¼gen, dass der Satz â€žWas macht das jetzt mit mir?â€œ oft durch die konkrete Benennung des Ereignisse ergÃ¤nzt wird. Jedenfalls: nun sitzt sie da betroffen und wartet, was es mit ihr macht. Ein Zustand zeitloser, temporÃ¤rer GlÃ¼ckseligkeit. 
Die Frage: â€žWas macht das mit mirâ€œ stellt sich aber in vielerlei Gestalt.
Karl Friedrich Buck, 62 aus Unterwegs, war vorhin war ich bei der Frauke und wollte ihr das Rechnen beibringen. Da sagte sie ihm, er kÃ¶nne ja gar nicht rechnen. Da rief er sehr erstaunt: â€žWas macht das jetzt mit mir?â€œ
Effi Briese, 44, aus Haan-Hochdahl stellt sich manchmal auf die Zuggleise und spricht dann leise: â€žWenn ich jetzt hier stehen bleibe: Was macht das jetzt mit mir?â€œ
Anna-Marie Fettelfritz, 23, aus Gelsenkirchen, schaut seit langer Zeit nicht mehr in den Spiegel, sie sagt: â€žWenn ich das tÃ¤te, was macht das dann mit mir?â€œ
Und du aus Unbekannt, fragst dich jetzt auch nach dem Lesen dieses Textes: â€žWas macht der jetzt mit mir?â€œ Du wirst schon sehen</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>DAS INTERVIEW ZUM BUCH!!! </p>
<p>â€žDer Mensch sucht sich seine Vorbilder nach seinen Neigungen.â€œ</p>
<p>Frage: Tanja, Du bist eine interessante Person, die man als widersprÃ¼chlich bezeichnen muss. Du schreibst Artikel fÃ¼r linke BlÃ¤tter, zum Beispiel: Spiegel und taz, dann aber auch fÃ¼r rechte Magazine, wie das von eigentÃ¼mlich frei. Kannst Du Dich nicht fÃ¼r eine politische Richtung entscheiden?</p>
<p>Tanja Krienen: WidersprÃ¼chlich wÃ¤re ich, wenn sich meine Positionen widersprechen wÃ¼rden. Dies geschieht aber selten, maximal dann, wenn der Zeitstrom vÃ¶llig andere Konstellationen bringt und etwas, das in einer anderen Zeit richtig war, modifiziert werden muss, weil die handelnden Parteien, Personen, Staaten oder Gruppen ihren Charakter Ã¤nderten. Die erdrÃ¼ckende Anzahl meiner getÃ¤tigten MeinungsÃ¤uÃŸerungen sind von der Richtung ihrer Aussagen gleich geblieben, wie man in meinem neuen Buch â€žFackeln in der DÃ¤mmerung â€“ Texte aus vier Jahrzehntenâ€œ sehen kann. Da sich die Rahmenbedingungen stark verÃ¤nderten, ordnen sich bestimmte Ã„uÃŸerungen bisweilen in ein anderes politisches Schema ein als in frÃ¼heren Jahren oder Jahrzehnten. Ich habe immer dort verÃ¶ffentlicht, wo mir die Chance dazu ermÃ¶glicht wurde und es bei entsprechender Toleranz passte, denn manche Medien sind, resp. waren diskussionsfreudiger als man denkt. Mein Ehrgeiz hat aber abgenommen und ich bemÃ¼he mich kaum noch um VerÃ¶ffentlichungen, nicht zuletzt, weil es auch andere MÃ¶glichkeiten gibt seine Meinung unzensiert zu verÃ¶ffentlichen. Das war ja auch ein Grund fÃ¼r die Herausgabe meines Magazins â€žCampo de Criptanaâ€œ.</p>
<p>Frage: Wer Deine Texte liest, weiÃŸ, dass Du Aphorismen, Gedichte und Artikel schreibst. Du vereinigst in Deinen Werken Poesie und Politik, was widersprÃ¼chlich ist. In der Regel sind Autoren eher Poeten, also an Politik wenig interessiert; wie ist diese Mischung zustande gekommen?</p>
<p>Tanja Krienen: Och, die meisten Literaten haben doch sowohl Gedichte als auch Aphorismen geschrieben und von Zeit zu Zeit auch eine andere Form zur VerÃ¶ffentlichung genutzt. Karl Kaus, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht â€“ die klassischen groÃŸen Alten der neuen Form haben dies getan, aber auch Philosophen wie Friedrich Nietzsche oder sogar Karl Marx, dichteten neben ihrem eigentlich Werk oder, wie der erstgenannte, komponierte sogar. GÃ¼nter Grass oder Wolf Biermann konnten ebenfalls die ganze Angebots-Palette abrufen: Werke, Gedichte und Artikel. Bei Letzterem kommt noch der politische Gesang hinzu. â€žAllrounderâ€œ sind meine Vorbilder und da ich durch keine Journaillenschule schmal kanalisiert und abgetÃ¶tet wurde, versuche ich mich traditionell an allem. Die ersten Geschichten habe ich mit 13 geschrieben, sie sind aber verschollen. Was vielleicht auch gut ist. Nein, ganz bestimmt sogar. Vorbild ist auch einer, wie Richard Huelsenbeck, der nicht nur eine Kunstform mit entwarf, sondern dichtete, Pamphlete schrieb und im Hauptberuf spÃ¤ter als Psychoanalytiker eine Praxis in New York betrieb. Oder Georg Kreisler, der nicht nur gereimte Texte schrieb, sondern auch Artikel, Satiren, hauptsÃ¤chlich aber sang und vielerlei komponierte. Im Bereich der Sprache wÃ¤re auch noch Hanns-Dieter HÃ¼sch zu nennen, der, Ã¤hnlich wie Kreisler, Wortakrobatik, Politik und Unterhaltung vorbildlich verband. Unter den fremdsprachigen Autoren muss hier noch Tom Lehrer erwÃ¤hnt werden, obwohl ich zu ihm erst relativ spÃ¤t gelangte.</p>
<p>Frage: Der marxistische Philosoph Herbert Marcuse prÃ¤gte den Begriff der Repressiven Toleranz, also einer Toleranz, die Herrschaft unterstÃ¼tzt. Wie stehst Du als Autorin und Publizistin dazu? Akzeptierst Du die Meinung von Marcuse oder hast Du, bezÃ¼glich von Toleranz, eine andere Meinung? Wie drÃ¼ckt sich die in Deinen BÃ¼chern aus?</p>
<p>Tanja Krienen: Marcuses Essay ist klug, aber auch sperrig, einseitig, verengt und autoritÃ¤r. Daneben finden sich manch richtige einzelne Aussagen. Der Rahmen in dem Marcuse denkt, resp. den er sich setzte, ist ein linksradikaler und hat sich vÃ¶llig verÃ¤ndert. FÃ¼r ihn war allein die â€žKlassenfrageâ€œ entscheidend und alle VorgÃ¤nge reduzierte er darauf, ob sie dem linken Kollektiv nutzen oder schaden. In seinem Sinne war die Toleranz gegenÃ¼ber jeder abweichenden Meinung, die er rechts einordnete, falsch, ja sogar bÃ¶se. Es gibt innerhalb seines verengten Weltbildes dennoch eine Option zur tatsÃ¤chlichen Weltverbesserung und eine gewisse Schnittmenge, die er mit sÃ¤kularen und aufgeklÃ¤rten Menschen teilt. Und an dieser Stelle hat er ganz abstrakt recht: Die Politik, bzw. die Gesellschaft, schafft viele Ventile zur Ablenkung und zur kollektiven IdentitÃ¤tsstiftung, die letztlich ein falsches â€žWirâ€œ erzeugt und die eigentliche Probleme nicht erkennt oder sie verleugnet, in dem sie alle Ã„uÃŸerungsformen als gleich und wichtig belÃ¤sst. Marcuse kannte den Begriff der Postmoderne noch nicht. Fakt ist, dass er, der sich als Dialektiker versteht, wie so viele scheinbar dialektisch Denkende, den letzten Sprung zur Wahrheitsfindung um jeden Preis ablehnt und zugunsten einer politischen Propaganda verwirft. Er ist kein typischer Vertreter der Frankfurter Schule. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Toleranz kein endgÃ¼ltiger Wert sein kann, nur beziehe ich diese TrennschÃ¤rfe auf ganz andere und heute aktuelle Themen. Ob Marcuse zu ihnen gelangt wÃ¤re, vermag ich nicht sagen.</p>
<p>Frage: ErzÃ¤hl doch mal, Ã¼ber welche Themen Du genau schreibst?</p>
<p>Tanja Krienen: Solange ich denken kann kreisen meine Gedanken um die Politik und die damit zusammenhÃ¤ngenden gesellschaftlichen Fragen, aber auch um Musik, Kunst und Literatur. Ebenso bin ich an Philosophie interessiert und an der Psychologie, die ich mit der Beschreibung unzÃ¤hliger Verhaltensweisen in Satiren und Polemiken auf eine greifbare Ebene herunterbreche und dadurch ihre Wirkung auf den Menschen aufzeige.</p>
<p>Frage: Wer sind Deine literarischen Vorbilder und warum genau die?</p>
<p>Tanja Krienen: Der Mensch sucht sich seine Vorbilder nach seinen Neigungen. Fast alles fÃ¼gt sich automatisch zusammen. Am Anfang standen die klassischen deutschen Gedichte, die mir mein Vater, ein Mauer, als Kind aus dem GedÃ¤chtnis vortrug, noch ehe ich lesen konnte. Unbehagliches Empfinden am Lernstoff in der Schule, lÃ¶ste sich vorsichtig, als ich Wolfgang Borchert oder auch im Ansatz Brecht gewahr wurde. Als Arbeiterkind musste ich mir Wissen erst durch eigenes Interesse erarbeiten, zumal ich in der Schule fast nichts fÃ¼r das Leben lernte. So war es dann ein GlÃ¼cksfall, dass ich frÃ¼hzeitig mit der Linken in BerÃ¼hrung kam, z.B. spÃ¤ter die konkret las und durch Gremlizas Neigung zu Karl Kraus, neugierig wurde. Sodann erschloss sich vor allem ein Faible fÃ¼r die Art und Weise des Schreibens. Der Rhythmus, die respektlose Herangehensweise, der hintergrÃ¼ndige Witz, die Tempowechsel und die raffinierte AuflÃ¶sung verschachtelter SÃ¤tze, die artifiziell zu nennenden Satzkompositionen, letztlich der SpaÃŸ an der Bedeutungssuche mir unbekannter Fremdworte und abseitiger, hingeworfener Informationen, lieÃŸen mich in den Sprachgarten eintauchen und versinken. Der Wiedererkennungswert bei Nietzsche war sehr groÃŸ. Wann immer ich die linken Vorbilder nenne, so meine ich heute nicht ihre konkrete Ausformung, ihre bisweilen immer nur in klassischen Feindbildern verharrenden Bilder, sondern ihre Methodik, die ich wie vorgestellt charakterisierte. Von den alt-konservativen Schreibern, vereinfacht gesagt, fesselt mich allein Schopenhauer.</p>
<p>Frage: Lass uns ein wenig Ã¼ber Dein Leben reden. Manches erinnert mich an Nietzsche, der mit dem Hammer philosophieren wollte. Bist Du ein weiblicher Nietzsche?</p>
<p>Tanja Krienen: Meine AffinitÃ¤t zu ihm teile ich mit vielen anderen kÃ¼nstlerisch interessierten Menschen, denen das herrschende Korsett zu eng ist und die sich selbst eine FÃ¤higkeit zur Meinungsbildung attestieren. Mein Hang zur â€žBesserwissereiâ€œ, wie es manche AuÃŸenstehende vielleicht empfinden, liegt darin begrÃ¼ndet, viele Fakten anzusprechen und tatsÃ¤chlich verschiedene Enden miteinander zu einer neuen Sichtweise zu verknÃ¼pfen. Da sie aber wenig metaphysische Elemente besitzt, kann sie die Massen nicht nebulÃ¶s einspannen und bleibt zu schroff. Sie versucht nie die Massen fÃ¼r sich zu gewinnen, hasst aber ebenso verschrobenes und elitÃ¤res Denken einzelner und selbstgerechter kleiner KÃ¶nige. Da bedarf es manchmal auch des Hammers. Blass-BÃ¼rgerlicher-Background steht bis heute im Gegensatz zur â€žHemd-aus-der-Hose-und-HÃ¤nde-in-der-Tascheâ€œ-Haltung. FÃ¼r den Hammer muss man die Hand aus der Tasche nehmen. Und beide HÃ¤nde benÃ¶tigt man oft beim Reden!</p>
<p>Frage: Du schreibst auch manchmal Ã¼ber Deine Art von SexualitÃ¤t - ist SexualitÃ¤t politisch? Ich meine, ist Deine Art der SexualitÃ¤t Dein Antrieb auf das Gebiet der politischen BÃ¼hne?</p>
<p>Tanja Krienen: Ãœberhaupt nicht. Ich hege keinerlei alternative Gedanken, sie sich aus irgendeiner sexuellen Sichtweise speisen. Da empfinde ich mich als Norm, als absolut mittig. Es ist tragisch, dass ich oft in Ecken gestellt werde, in denen ich mich nicht einmal bei Nacht wage. Wenn ich etwas konstatieren muss, dann vielleicht eine gewisse Empfindlichkeit, weil man mich fÃ¼r etwas nimmt, was ich nicht bin und einsortiert. Mein Interesse fÃ¼r Psychologie und eine gewisse Erfahrung machen mich kundiger als der Schnitt und mein Mut Klartext zu reden und mich zu positionieren, angreifbarer. Das geht jedem so, der sich vorwagt und eine abweichende Meinung Ã¤uÃŸert und sei es auch nur in Teilbereichen.</p>
<p>Frage: Mir fÃ¤llt auf, dass Du in verschiedenen Parteien warst, angefangen von der erzlinken DKP, Ã¼ber die konservative CDU, bis hin zur rechtskonservativen AfD. Wie kam das?</p>
<p>Tanja Krienen: Als Linke startete ich aufgrund meines Elternhauses und manch frÃ¼hen kindlichen Erfahrungen im Alltag. Die gesellschaftlichen Schichten waren vor 50 Jahren viel stÃ¤rker als heute voneinander getrennt, denn die Menschen lebten in vÃ¶llig unterschiedlichen Welten. Ãœber die Unzufriedenheit mit der regierenden SPD, der LektÃ¼re von Marx und Engels und dem Kennenlernen von Wolf Biermann und seiner kritischer Sicht auf die DDR aus linker Ãœberzeugung, sah ich mich vom FrÃ¼hjahr 1974 an, also um meinen 17.Geburtstag, als der kommunistischen Bewegung zugehÃ¶rig. Verstand und GefÃ¼hl folgend, lief auch hier viel Ã¼ber die Musik und besonders Ã¼ber die Lieder des fÃ¼r mich bis heute einzigartigen SÃ¤ngers Ernst Busch. Er traf genau den Ton, den ich mochte: klar, direkt, intelligent in der Umsetzung. Ein deutscher Johnny Cash! Ein mexikanischer Jorge Negrete! Wir hatten in den 70er Jahren viele nette Ideen und ich analysierte bereits 1982, also drei GeneralsekretÃ¤re vor Gorbatschow, dass sich objektiv nicht nur das Meiste erfÃ¼llt hatte, sondern manche Forderungen weit Ã¼ber das Ziel hinaus schossen. So verlieÃŸ ich die DKP. Philosophisch blieb ich Materialistin, Atheisten und AnhÃ¤ngerin der Modernen. Ich blieb stehen, die ganze Meute aber rauschte irgendwann links an mir vorbei, forderte Absurdes, das wir einst nur den Abenteurern, Trotzkisten, Maoisten, Anarchisten oder regelmÃ¤ÃŸigen Drogenkonsumenten zugeignet hatten. Von diesem ultralinken Standpunkt erscheint meiner nur in Teilen liberal und vielfach auch konservativ, sogar reaktionÃ¤r. Wenn man die AusfÃ¼hrungen der Philosophen des 19. Jahrhunderts als MaÃŸstab nimmt und an weite Bereiche als immer noch zutreffend, dann muss man halt das Etikett â€žrÃ¼ckwÃ¤rtsgewandtâ€œ annehmen, selbst wenn man es moderner prÃ¤sentiert. So will es das Gesetz, das von jenen bestimmt wird, die nie Ã¼ber den viel Ã¤lteren Marx oder die Sagengestalt Jesus herauskamen.</p>
<p>Frage: Bei der AfD hast Du das Handtuch geworfen, obwohl Du den Ortsverband gegrÃ¼ndet hast und zur Sprecherin bestimmt wurdest. AfD und Tanja Krienen - ein MissverstÃ¤ndnis?</p>
<p>Tanja Krienen: Ich habe die AfD schon richtig verstanden. Es war Ã¼brigens der Kreisverband den ich mitgrÃ¼ndete, so wie auch den Landesverband NRW! Die AfD ist nicht das, was sie vorgibt, sondern eine weitgehend unideologische WutbÃ¼rgerpartei ohne echte AnalysefÃ¤higkeit, die meist genauso grummelt wie die linke Basis. Von einer Partei, welche angeblich die alte Formel von der liberal-konservativen Richtung vertreten will, wie sie z.B. der Publizist Gerhard LÃ¶wenthal postulierte, der Ã¼brigens auch ehedem ein Linker war (Jude dazu)l, ist die Partei meilenweit entfernt. Aber nur so eine Partei wÃ¤re ein echter Widerpart zum Allparteipool, in den man die AfD wohl mit hineinwerfen darf. So ist sie das, was es schon lÃ¤ngst gibt.</p>
<p>Frage: Um noch einmal auf den hauptsÃ¤chlich als Kabarettist bekannten Georg Kreisler zurÃ¼ckzukommen, mit dem Du einen regen Briefwechsel gefÃ¼hrt hast. Wie hast Du ihn kennengelernt? Ãœber welche Themen habt ihr euch ausgetauscht und letztlich: Du hast herausgefunden, dass sich Kreisler mal mit Hanns Eisler getroffen hat. Was ist an diesem Treffen so interessant gewesen?</p>
<p>Tanja Krienen: Ich sah ihn hÃ¤ufig auf der BÃ¼hne und sprach auch schonmal nach der Vorstellung mit ihm. Doch die elf Jahre dauernde Brieffreundschaft begann, als mir bei einer Recherche auffiel, dass an Charlie Chaplins â€žMonsieur Verdouxâ€œ sowohl Hanns Eisler, als auch Georg Kreisler mitgearbeitet haben sollen, obwohl in den einzelnen Biographien nichts von einer gemeinsamen Arbeit zu lesen war. Sollte es sich um einen Irrtum handeln? Kr(eisler), sehr kurios. Und doch: Chaplin wollte zu seinem Film die Musik schreiben, konnte aber keine Noten. So pfiff er Kreisler die Melodien vor, der notierte sich alles und machte sich dann auf nach Malibu, wo Hanns Eisler im Exil wohnte, der dann die Vorlagen in Orchestermusik umsetze. Zwei Juden, die beide in Hollywood Ã¼berlebten, der Ã¤ltere schon sehr erfolgreich, nicht nur wegen seiner Arbeit mit Brecht, und der jÃ¼ngere, grad 22, der sich seinen Namen noch erarbeiten musste.</p>
<p>Frage: Du hast einige Briefe beigesteuert zu dem Buch von Dr. Nikolaus Topic-Matutin, das den Titel hat: â€žGeorg Kreisler â€“ Doch gefunden hat man mich nichtâ€œ. Das Buch verÃ¶ffentlichte Texte, Gedichte und Briefe, die bisher noch unbekannt waren. Kann man noch mehr von Dir Ã¼ber Kreisler erwarten â€“ etwa in Buchform?</p>
<p>Tanja Krienen: Das wohl nicht, doch der Verlust schmerzt noch immer. Gern wÃ¼rde ich jedoch einen Spielfilm Ã¼ber sein Leben anregen wollen, das unfassbar viele Anekdoten bereithÃ¤lt und mit der Weltgeschichte verknÃ¼pft ist. Zum Beispiel, wie Hitler Kreislers Onkel Julius Plakate fÃ¼r eine Werbeaktion gegen SchweiÃŸfÃ¼ÃŸe malte oder wie er auf der Flucht 1938 auf einem Schiff das Kosher-Nostra Mitglied Bugsy Siegel (eigentlich Benjamin Siegelbaum) traf und mit ihm Schach spielt und auch spÃ¤ter bei dessen ErschieÃŸung in der NÃ¤he weilt oder als er 1945 als Mitglied der â€žRitchie Boysâ€œ u.a. Hermann GÃ¶ring, Julius Streicher und Ernst Kaltenbrunner als Dolmetscher mitverhÃ¶rt u.v.m.</p>
<p>Frage: Was planst Du fÃ¼r die Zukunft?</p>
<p>Tanja Krienen: Falls es sie gibt: Seit zwei Jahren sammele ich Stoff fÃ¼r einen Roman und habe schon fragmentarisch einige Szenen erarbeitet. Wenn es gelingt, wird es mit Abstand zum bÃ¶sesten Werk, das ich je verbrach. Mein Arbeitstempo hat sich verlangsamt, ich werde sicher noch zwei, vielleicht auch drei Jahre zur Vollendung benÃ¶tigen. Ansonsten halte ich es mit Brecht:<br />
Ja, mach nur einen Plan!<br />
Sei nur ein groÃŸes Licht!<br />
Und mach dann nochâ€™nen zweiten Plan<br />
Gehn tun sie beide nicht.</p>
<p>Das Interview mit Tanja Krienen fÃ¼hrte Wolfgang Luley, Redakteur und Lektor des Romowe-Verlages. <a href="http://preussischer-anzeiger.de/" rel="nofollow">http://preussischer-anzeiger.de/</a>â€¦/neu-und-die-naechsten-taâ€¦/</p>
<p><a href="http://romowe.de/laden/product_info.php?products_id=36" rel="nofollow">http://romowe.de/laden/product_info.php?products_id=36</a></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Fackeln-D%C3%A4mmerung-Te" rel="nofollow">http://www.amazon.de/Fackeln-D%C3%A4mmerung-Te</a>â€¦/â€¦/1512277193<br />
Was macht das jetzt mit mir?<br />
Der sukzessiv zu vernehmende, wohlig tÃ¶richte StoÃŸseufzer â€žWas macht das jetzt mit mir?â€œ, wÃ¤re wohl, falls diese Kategorie gÃ¤be, der Unsatz der letzten Jahre. Im realen Leben traut sich niemand, weshalb er nur im Fernsehen zu sehen ist, meist, wenn die Reporterin des WDR oder auch privater KrawallkanÃ¤le, aus irgendwelche gepiercten, vollschlanken Frauen (zu 99% sind die â€žWas-macht-das-mit-mirâ€œ-Frager Fragerinnen) eine Befindlichkeit herausquetschen wollen, die in 99,9% der FÃ¤lle entweder selbst verbockt oder aber eingebildet wurde, und zwar so, dass FremdschÃ¤men geradezu â€“ quasi programmgenetisch â€“ als Bestandteil des Horrors garantiert ist. Wie gelangt man in diesen Zustand? Treudoof, verantwortungslos und bar jeder FÃ¤higkeit zur Vorausschau, stellt man den Gesichtsausdruck auf Durchzug bei gleichzeitiger hÃ¶chstmÃ¶glichster Leidensmine, signalisiert gleichzeitig: auch du kannst dÃ¼mmer, als die Polizei bis circa 1999 erlaubte, sein.<br />
Beispiel:<br />
Candida Savannah Kapitulinski war stockbesoffen, als sie wÃ¤hrend des Fischmarktes auf  Djamal Dschalala traf, kurz darauf mit ihm â€žschliefâ€œ und sagt nun: â€žAls ich hÃ¶rte, ich bin schwanger (O-Ton selbstverstÃ¤ndlich), dachte ich nur: Was macht die Schwangerschaft jetzt mit mir?â€œ Man muss hinzufÃ¼gen, dass der Satz â€žWas macht das jetzt mit mir?â€œ oft durch die konkrete Benennung des Ereignisse ergÃ¤nzt wird. Jedenfalls: nun sitzt sie da betroffen und wartet, was es mit ihr macht. Ein Zustand zeitloser, temporÃ¤rer GlÃ¼ckseligkeit.<br />
Die Frage: â€žWas macht das mit mirâ€œ stellt sich aber in vielerlei Gestalt.<br />
Karl Friedrich Buck, 62 aus Unterwegs, war vorhin war ich bei der Frauke und wollte ihr das Rechnen beibringen. Da sagte sie ihm, er kÃ¶nne ja gar nicht rechnen. Da rief er sehr erstaunt: â€žWas macht das jetzt mit mir?â€œ<br />
Effi Briese, 44, aus Haan-Hochdahl stellt sich manchmal auf die Zuggleise und spricht dann leise: â€žWenn ich jetzt hier stehen bleibe: Was macht das jetzt mit mir?â€œ<br />
Anna-Marie Fettelfritz, 23, aus Gelsenkirchen, schaut seit langer Zeit nicht mehr in den Spiegel, sie sagt: â€žWenn ich das tÃ¤te, was macht das dann mit mir?â€œ<br />
Und du aus Unbekannt, fragst dich jetzt auch nach dem Lesen dieses Textes: â€žWas macht der jetzt mit mir?â€œ Du wirst schon sehen</p>
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