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	<title>Kommentare zu: Herbert Marcuse: Die Studentenbewegung und ihre Folgen</title>
	<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2006/06/29/571.html</link>
	<description>Der neue Blog ist unter http://campodecriptanablog.apps-1and1.net erreichbar</description>
	<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 21:57:37 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Campo-News</title>
		<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2006/06/29/571.html#comment-23509</link>
		<dc:creator>Campo-News</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jul 2006 14:22:53 +0000</pubDate>
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		<description>Nichts zu danken, Konrad - und beste GrÃ¼ÃŸe nach Portugal (leider kann ich "euch" im heutigen Spiel gegen die "Briten" nicht die Daumen halten, geschweige denn drÃ¼cken).

Hier ein Auszug aus einem erstmalig in deutscher Sprache verÃ¶ffentlichen Interviews Marcuses mit dem "Street Journal" aus dem Jahre 1970 :

&lt;img src='http://www.campodecriptana.de/blog/uploads/Marcuse6.JPG' alt=''width=80%"/&gt; 

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Nachum Goldman= ehemaliger PrÃ¤sident des jÃ¼dischen Weltkongresses
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		<content:encoded><![CDATA[<p>Nichts zu danken, Konrad - und beste GrÃ¼ÃŸe nach Portugal (leider kann ich &#8220;euch&#8221; im heutigen Spiel gegen die &#8220;Briten&#8221; nicht die Daumen halten, geschweige denn drÃ¼cken).</p>
<p>Hier ein Auszug aus einem erstmalig in deutscher Sprache verÃ¶ffentlichen Interviews Marcuses mit dem &#8220;Street Journal&#8221; aus dem Jahre 1970 :</p>
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<p>Nachum Goldman= ehemaliger PrÃ¤sident des jÃ¼dischen Weltkongresses</p>
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		<title>Von: Konrad</title>
		<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2006/06/29/571.html#comment-23504</link>
		<dc:creator>Konrad</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jul 2006 12:33:43 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.campodecriptana.de/blog/2006/06/29/571.html#comment-23504</guid>
		<description>Danke fuer die Leseprobe.
Ist eben leider so:
Wenn der Baum, den wir pflanzten gross ist, sind wir schon lange tot.
Schade, nicht wahr ?

Gruesse aus Portugal
Konrad</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Danke fuer die Leseprobe.<br />
Ist eben leider so:<br />
Wenn der Baum, den wir pflanzten gross ist, sind wir schon lange tot.<br />
Schade, nicht wahr ?</p>
<p>Gruesse aus Portugal<br />
Konrad</p>
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	<item>
		<title>Von: Campo-News</title>
		<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2006/06/29/571.html#comment-23502</link>
		<dc:creator>Campo-News</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jul 2006 06:35:54 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.campodecriptana.de/blog/2006/06/29/571.html#comment-23502</guid>
		<description>Hier die beiden Aufsatzteile von Peter-Erwin Jansen aus dem CAMPO:

&lt;strong&gt;Siegfried Kracauer, Leo LÃ¶wenthal und der geheime Dritte: Theodor W. Adorno â€“ 
Teil I&lt;/strong&gt;

Von Peter-Erwin Jansen


Als Siegfried Kracauer bei LÃ¶wenthal anfragt, ob ihm der Suhrkamp-Verlag die Neuausgabe seines Romans Ginster schicken solle, antwortet dieser im Dezember 1963: â€žNatÃ¼rlich besitze ich Ginster noch und seine so warme Widmung aus dem Jahr 1928: â€šIn steter Freundschaftâ€™, ist mir kostbar.â€œ[1]

Diese stete, lebenslange Freundschaft zwischen dem 1889 geborenen Siegfried Kracauer und dem 1900 geborenen Leo LÃ¶wenthal, nahm 1920 im Umfeld des Frankfurter Rabbiners Nobel (zu dessen Kreis Franz Rosenzweig, Ernst Simon, Martin Buber und Erich Fromm gehÃ¶rten) ihren Anfang und endete erst mit Kracauers Tod am 26. November 1966.

Einige einleitende Bemerkungen aus Kracauers Abhandlung Gedanken Ã¼ber die Freundschaft, die 1918 erstmals verÃ¶ffentlicht wurden, geben den GefÃ¼hlssog, der die einstigen Freunde mitriÃŸ, prÃ¤zise wieder. Zudem stellt Kracauers Text eine der eindrucksvollsten Abhandlungen Ã¼ber das Wesen der Freundschaft dar, das ich als â€žheimatlos gewordene Tugendâ€œ bezeichnen mÃ¶chte. Als Beschreibung der annÃ¤hernd 40jÃ¤hrigen Korrespondenz und der freundschaftlichen Beziehung zwischen Kracauer und LÃ¶wenthal, die scheinbar der Ã¶rtlichen Trennung einen Teil ihrer inneren Verbundenheit verdankte, sind die beiden folgenden Zitate genauso aussagekrÃ¤ftig wie Ã¼ber das VerhÃ¤ltnis zu dem in den zwanziger Jahren bedeutenden, spÃ¤ter weniger wichtigen Â»geheimen DrittenÂ« im Bunde, zu dem 1903 geborenen Theodor W. Adorno. Kracauer schreibt:

Â»Wenn auch die Freundschaft, wie jede menschliche Verbindung, letzten Endes aus dem unmittelbaren mÃ¼ndlichen Verkehr ihre Kraft zieht, so spielen doch nicht minder die Zeiten der Trennung in ihr eine bedeutsame und keineswegs negative Rolle. Das Wesen des Entfernten tritt reiner als in der drangvollen Gegenwart vor das innere Auge. Mag seine NÃ¤he beglÃ¼cken, die Erinnerung erst gestattet sein Bild, so wie es dauernd in der Seele lebt; sie dÃ¤mpft den Eindruck des VordergrundmÃ¤ssigen im BewuÃŸtsein ab, um das Typische herauszukehren. Bei Menschen gleicher Wesensart, deren Zusammensein sich aber nur unter Reibungen vollzieht, erhÃ¶ht rÃ¤umliche Ferne daher das FreundschaftsgefÃ¼hl.Â«[2] 

Doch Kracauer wuÃŸte auch um die GefÃ¤hrdung der Freundschaft, um die Â»ernste StÃ¶rungÂ« der freundschaftlichen Bindung. Sie ist schmerzhaft, macht gegenÃ¼ber dem einstigen Freund Â»befangen, verschlieÃŸt den MundÂ«. WÃ¤hrend die Freunde Ã¤uÃŸerlich noch Â»zusammenweilen, fÃ¼hlen sie sich in Wahrheit schon getrennt. Ihr Zustand gleicht dem eines Menschen, der alle Koffer bereits zur Abreise gepackt hat, und noch lange Zeit in der leeren, entblÃ¶ÃŸten Wohnung verharren muÃŸ. Die HemmungsgefÃ¼hle werden vermehrt durch die Ungewissheit des Einen Ã¼ber den inneren Zustand des Anderen. Man zÃ¶gert, um nicht zu verletzen, versucht das VerhÃ¤ltnis fortzusetzen, irgendwo im Innern noch eine geheime Hoffnung hegend, und tÃ¤uscht sich mit oft krampfhaftem BemÃ¼hen, so dass selbst eine scheinbare WiederannÃ¤herung gelingen kann.Â«[3] Was Kracauer am Ende dieses Absatzes als die endgÃ¼ltige LÃ¶sung einer Freundschaft benennt, hat sich im VerhÃ¤ltnis Kracauer â€“ Adorno und LÃ¶wenthal â€“ Adorno in dieser letzten Konsequenz nie eingestellt. 

Â»Diese Zeit der qualvollen, tastenden LoslÃ¶sung endet erst, wenn sich in beiden Menschen die gleich klare Ãœberzeugung von der UnabÃ¤nderlichkeit ihrer Trennung durchgesetzt hat.Â« Das Qualvolle dieser verlustiggegangenen Â»Ãœbereinstimmung im TypischenÂ« , - wie Kracauer wahre Freundschaft bezeichnet â€“ blieb zumindest bei Kracauer und LÃ¶wenthal gegenÃ¼ber Adorno erhalten.

Die Freundschaft zwischen Leo LÃ¶wenthal und Siegfried Kracauer begann 1920. Der zwanzigjÃ¤hrige LÃ¶wenthal  - Â»ein ziemlicher SchlampsackÂ« in privaten Dingen, wie Kracauer LÃ¶wenthals Mutter im Brief vom 2. Oktober 1921 zitiert - hatte im April 1920 sein Philosophie und Psycho-logiestudium in Heidelberg begonnen. 
Dort traf er sich fortan mit Erich Fromm und anderen Studenten zu GesprÃ¤chen Ã¼ber Psychologie, jÃ¼dische Philosophie 
und Mystik, meist in dem sogenannten Â»ThorapeutikumÂ«, eine von Frieda Reichmann nach jÃ¼dischen Traditionen gefÃ¼hrte psychoanalytische Klinik. Einige der Diskutanten kannte LÃ¶wenthal aus dem Kreis um den charismatischen Frankfurter Rabbiner Nobel. Politisch hatte sich der Â»jugendliche RebellÂ«, der in Heidelberg Â»GeneralsekretÃ¤r des Deutschen Sozialistischen StudentenbundesÂ« war, fÃ¼r kurze Zeit auch dem dortigen zionistischen Studentenbund angeschlossen. Â»Es war wohl das sozialistisch-revolutionÃ¤re Moment, was mich dazu veranlaÃŸte, mich mit den zionistischen Studenten einzulassen, die mir meist persÃ¶nlich gut gefielen.Â«[4]

Der elf Jahre Ã¤ltere Kracauer durchlebte gerade unruhige Jahre. Er befand sich in einer persÃ¶nlichen Umbruchsphase. Zwar hatte er gleich nach seinem Architekturstudium in Berlin und MÃ¼nchen, das er 1914 mit seiner DoktorprÃ¼fung abschloÃŸ, Anstellungen in ArchitekturbÃ¼ros an der Isar und dann am Main gefunden. 
          
Doch die Lohnarbeit kollidierte bereits mit Kracauers philosophischen und schriftstellerischen Interessen. Zudem kÃ¼ndigte ihm im MÃ¤rz 1920 das ArchitekturbÃ¼ro Max Seckbach in Frankfurt. Parallel zu seiner Anstellung las Kracauer Arbeiten von Georg Simmel und Max Scheler. Eine kleine soziologische Arbeit zu Simmel hatte er bereits fertiggestellt. Doch BemÃ¼hungen um eine VerÃ¶ffentlichung scheiterten. Noch mit einer weiteren Schwierigkeit hatte Kracauer in der Zeit zu kÃ¤mpfen, als sich aus der ersten Begegnung zwischen ihm und Leo LÃ¶wenthal im Cafe Westend, dem Treffpunkt der Â»intellektuellen enfants terriblesÂ« Frankfurts[5] schnell eine intensive Freundschaft entwickelte. Kracauers Arbeit an einer Â»Kritik der PhÃ¤nomenologieÂ« ging nicht voran. Das quÃ¤lte ihn. Â»An meiner PhÃ¤nomenologie habe ich noch keine Zeile geschrieben, von nahem sieht die Sache doch schwerer aus, als von weitem und Ã¼berhaupt â€“ ich habe eben gar keinen Glauben an mich und bin nahezu Ã¼berzeugt davon, daÃŸ nichts rechtes aus mir wird.Â« Auch seine Sprechschwierigkeiten â€“ sein â€žphonetisches Handicapâ€œ â€“ machte Kracauer immer mehr zu schaffen. Am 4. Dezember 1921, Kracauer und LÃ¶wenthal teilten noch das distanzierende Sie, schreibt er: Â»Sehen Sie, an meinem Sprechfehler, der mich auf Schritt und Tritt behindert, leide ich unendlich von Kind an, und wenn mich gar philosophische Kleinheitsrache packt, wie das normalerweise der Fall ist, zerwÃ¼hle ich mich bis zum Wahnsinn. Zumeist enden die Depressionen in lautloser ResignationÂ«. 1924 schreibt er: Â»Ich habe eben nach ausgezeichneten Monaten wieder eine schlechte Sprechperiode und will unter allen UmstÃ¤nden eine Psychoanalyse versuchen.Â« Er bat die Psychoanalytikerin Frieda Reichmann in Heidelberg um Hilfe. Diese verzweifelt klingenden SelbsteinschÃ¤tzungen teilte der promovierte Architekt und mittlerweile auch nicht mehr vÃ¶llig unbekannte journalistische Autor der Frankfurter Zeitung dem jungen LÃ¶wenthal mit.
 
An die erste Begegnung mit Kracauer, der sich Friedel nennen lieÃŸ, erinnerte sich LÃ¶wenthal im MÃ¤rz 1990 wÃ¤hrend eines Kracauer-Kolloquiums in New York genau: Â»SchrÃ¤g gegenÃ¼ber von der Frankfurter Oper gab es ein kleines CafÃ©, das CafÃ© Westend (es existiert nicht mehr), das nach Ende des Ersten Weltkrieges der Treffpunkt fÃ¼r die Frankfurter Intellektuellen geworden war. 

Â»Dort haben wir uns getroffen. Ich habe vergessen, wer mich mit Friedel bekannt gemacht hat, doch entwickelte sich sehr schnell eine intensive Beziehung. Ich studierte zu der Zeit in Heidelberg und war in den Ferien in Frankfurt. Wann immer wir gleichzeitig in Frankfurt waren, trafen wir uns fast tÃ¤glich in diesem kleinen CafÃ© und setzten am nÃ¤chsten Morgen die Diskussion der Themen vom Vortag Ã¼bers Telefon fort â€“ und die Themen reichten von Klatsch und Tratsch Ã¼ber persÃ¶nliche Anliegen bis hin zu komplexen philosophischen Fragen.Â«[6] 

Zwei, vielleicht drei Jahre zuvor waren sich Kracauer und Adorno begegnet. Mit Kracauer las der Gymnasiast der Oberstufe Kant, diskutierte mit ihm Ã¼ber Hegel. Adorno erinnert sich an seine erste Begegnung mit Kracauer in seinem 1964 aus AnlaÃŸ von Kracauers 75. Geburtstag verfaÃŸten Essay Der wunderliche Realist: Â»Ich war Sekundaner, als ich gegen Ende des ersten Weltkrieges Kracauer kennenlernte [...]. Ãœber viele Jahre hindurch las er mit mir regelmÃ¤ÃŸig Samstagnachmittags die Kritik der reinen Vernunft. Nicht im leisesten Ã¼bertreibe ich, wenn ich sage, daÃŸ ich dieser LektÃ¼re mehr verdanke, als meinen akademischen Lehrern.Â«[7] Adornos Festbeitrag wurde von Kracauer mit geteilter Sympathie aufgenommen. Das erfuhr Adorno und beschwerte sich darÃ¼ber wiederum bei Horkheimer. Die Rede Ã¼ber Kracauer sei recht hintersinnig. Sie Â»bezieht sich in dem was Ã¼ber K. negativ gesagt ist, indirekt, positiv, auf uns, Dich und mich. Vielleicht macht dir das StÃ¼ck ein wenig Freude. Den Kracauer scheint es nur geÃ¤rgert zu haben, obwohl er sich weiÃŸ Gott nicht beklagen kann; er hat bis jetzt mit keinem Wort darauf reagiert. Quand meme.Â«[8]

LÃ¶wenthal und Adorno kannten sich bis 1922 sehr wahrscheinlich nicht nÃ¤her. Es ist dem nun gemeinsamen Freund Friedel zu verdanken, daÃŸ sich die noch jungen Frankfurter Intellektuellen kennen lernen. Zumindest geht dies aus den Erinnerungen LÃ¶wenthals hervor. Â»Ein Jahr nach meiner ersten Begegnung mir Kracauer brachte er mich mit Adorno zusammen, der damals achtzehn Jahre alt war.Â«[9] Der Kontakt zwischen Kracauer und Adorno war zu dieser Zeit schon so eng, daÃŸ der Mentor und sein SchÃ¼ler Adorno, ein junger Mann von Â»herrlichem Ã¤uÃŸeren DaseinÂ« und mit einer Â»wundervollen SelbstverstÃ¤ndlichkeit des WesensÂ« bereits zusammen in die Sommerfrische fuhren. Adorno, so schreibt Kracauer am 4. Dezember 1921 an LÃ¶wenthal Â»ist ein schÃ¶nes Exemplar Mensch, und wenn ich auch nicht ohne Skepsis gegen seine Zukunft bin, so beglÃ¼ckt mich doch seine Gegenwart.Â« Als sich LÃ¶wenthal mit gelegentlichen Unterbrechungen aufgrund seines Studiums in Heidelberg zur Genesung von einer schweren Lungenkrankheit vom Oktober 1921 bis April 1922 in St. Blasien â€“ Menzenschwand  im Schwarzwald aufhielt, erfuhr er von Kracauer, wie sehr er wÃ¼nsche, daÃŸ sich LÃ¶wenthal und Teddie kennen lernen. Â»Dem Teddie, der jetzt Tanzstunde nimmt und Jimmie lernt, der ein Quartett geschrieben hat, das von dem RoseÃ©-Quartett im FrÃ¼hjahr aufge-fÃ¼hrt wird (18 Jahr â€“ der Bengel), der sich sehr danach sehnt, eine Frau zu lieben und Ã¼berhaupt â€“ dem Teddie erzÃ¤hle ich oft von Ihnen und er wÃ¼nscht, daÃŸ Sie bald kommen, damit er Sie kennenlernt und wir vielleicht zu Dritt Hegel lesen.Â«[10] 

WÃ¤hrend Kracauer und Adorno schon gemeinsame Reisen unternahmen, bereits eine innige Beziehung zwischen beiden bestand, nÃ¤herten sich LÃ¶wenthal und Kracauer erst langsam an. Wie sehr dies von LÃ¶wenthal ausging, lÃ¤ÃŸt sich nicht genau rekonstruieren, da seine Briefe aus den zwanziger Jahren an Kracauer bisher nicht aufzufinden waren. Sicher ist aber, daÃŸ sich LÃ¶wenthal und Kracauer des Ã¶fteren bei Veranstaltungen von Rabbiner Nehemias Anton Nobel trafen. Rabbiner Nobel stand LÃ¶wenthal zu Beginn der zwanziger Jahre sehr nahe und unterstÃ¼tzte ihn finanziell, als sich herausstellte, daÃŸ LÃ¶wenthals Kuraufenthalt in St. Blasien kostspieliger wurde als erwartet. Die Festschrift, die der Nobel-Kreis zum 50. Geburtstag des Rabbiners erstellte, beinhaltet die oben erwÃ¤hnte Arbeit von Kracauer Gedanken Ã¼ber Freundschaft und LÃ¶wenthals Abhandlung Das DÃ¤monische. Entwurf einer negativen Religions-philosophie. Kracauer und Adorno lasen LÃ¶wenthals Â»JugendsÃ¼ndeÂ«, wie er es nannte, gemeinsam. AnstoÃŸ fÃ¼r diese Â»provokativeÂ« Arbeit war ein Seminar bei Karl Jaspers in Heidelberg und sein gerade erschienenes Buch Die Psychologie der Weltanschau-ungen. Von Kracauer erfahren wir Inhaltliches Ã¼ber die Arbeit LÃ¶wenthals: Â»Die Konzeption und der metaphysische Zug darin imponierte mir nach wie vor gewaltig. Ich verglich es mir meinem â€žAmrumâ€œ, das doch viel ich-hafter und von kleineren Dimensionen ist. Gerade weil mir diese Art metyphysischen Dranges und religiÃ¶ser Leidenschaft fehlt, bewundere ich sie an Ihnen und anderen (bei Lukacs, bei Bloch nicht).Â« Auch mit solidarischer Kritik sparte Kracauer nicht, eine Kritik, die LÃ¶wenthal einerseits schmeichelte, andererseits auch Ã¤rgern muÃŸte. Schmeichelhaft daran war, daÃŸ Kracauer selbst die Kritikpunkte an LÃ¶wenthal im Vergleich mit Ernst Bloch positiver bewertete. GeÃ¤rgert hat es LÃ¶wenthal, weil er Bloch sehr vereehrte und von diesem persÃ¶nlich erfahren hatte, daÃŸ er von seiner Arbeit ,Das DÃ¤monische` Â»ganz begeistert war.Â«[11] Im Brief vom 4. Dezember 1921 schreibt Kracauer an LÃ¶wenthal: Â»Ich vermisse in der SphÃ¤re des Begrifflichen die Zucht (obgleich Sie intellektuell immer noch sauberer als Bloch sind);[...]. Auch rein sprachlich ist manches auszusetzen, besonders etliche an Bloch gemahnende Wendungen stoÃŸen mich ab. [...].Scheeler soll einmal von Bloch gesagt haben, dessen Philosophie sein ein â€žAmoklauf zu Gottâ€œ. Ich finde, dies treffende Wort gilt auch fÃ¼r Sie. Freilich ich mÃ¶chte bei Ihnen den â€žAmoklaufâ€œ nicht missen, ich weiÃŸ, wie Sie leiden und wie echt das alles bei Ihnen ist (WÃ¤hrend es bei Bloch trotz etwaiger Echtheit doch Unzucht mit Gott, Unechtheit, Geilheit ist).Â«   

Charakterisierend fÃ¼r diesen unechten BlochÂ´schen Messianismus zitiert Kracauer LÃ¶wenthals Â»ausgezeichnetes WortÂ« von der Â»blasphemischen FrÃ¶mmigkeitÂ« aus seiner Arbeit â€žDas DÃ¤monischeâ€œ.

LÃ¶wenthals Studienbeginn in Heidelberg gestaltete sich schwierig, trotz einiger enger Freundschaften zum Beispiel mit Erich Fromm und Frieda Reichmann, trotz aufschluÃŸreicher Seminare bei Alfred Weber, Karl Jaspers und Heinrich Rickert, trotz aufwÃ¼hlender philosophischer GesprÃ¤che, so mit Ernst Bloch. Suizidgedanken plagten ihn, ein Testament hatte er schon verfasst. Ernst Bloch war darin bedacht worden. Er sollte LÃ¶wenthals BÃ¼cher erben. LÃ¶wenthals Lungentuberkolose verschlimmerte sich, die gewollte NÃ¤he zu Friedel stellte sich erst langsam ein. Die Liebe zu Golde Ginsburg, aus einem jÃ¼dischen Elternhaus in KÃ¶nigs-berg stammend und enge Freundin von Frieda Reichmann, konnte LÃ¶wenthal nur gegen den Willen des Elternhauses aufrecht erhalten. Der Streit mit dem assimilierten Vater Victor nahm durch diese Bindung an Heftigkeit zu, weil sich der Sohn nun noch intensiver der jÃ¼dischen Tradition zuwandte. 

Der von LÃ¶wenthal verehrte Rabbiner Nobel starb am 24. Januar 192212]. Sein Tod lÃ¶ste erneut eine tiefe seelische Krise bei dem jungen Studenten aus. In einem Nachruf schreibt er darÃ¼ber: Â»Mich traf dieser Tod mit der Wucht und Unerwartetheit eines groÃŸen kosmischen Ereignisses, nein, wie der Sturz eines ganzen Kosmos.Â«[13] Kracauer, der auch von Nobels Tod Â»unbeschreiblich erschÃ¼ttertÂ« war, wie er LÃ¶wenthal  wissen lieÃŸ, hatte schon zuvor in der Frankfurter Zeitung (FZ), fÃ¼r die er ab Januar 1921 hÃ¤ufiger schrieb und dort ab November 1924 eine geregelte Anstellung erhielt, einen Nachruf auf Nobel verÃ¶ffentlicht.

LÃ¶wenthal war auf der Suche nach Halt und die von Kracauer gereichte Hand ergriff der sich in Schwermut befindende junge Student gerne. Auf Rabbiner Nobel Beerdigung hatte er Kracauer wieder einmal persÃ¶nlich getroffen und ihm dort in seinem tiefen Schmerz Ã¼ber den Verlust seines GÃ¶nners und Mentors das â€žDuâ€œ angeboten. Kracauer antwortete erst drei Wochen spÃ¤ter mit ergreifenden Worten auf diese ersehnte Geste. Die Zeilen zeugen von Kracauers innigem Wunsch LÃ¶wenthal nÃ¤her zu sein, als es bisher der Fall gewesen war. Sein beeindruckender Brief vom 12. Februar 1922 steht exemplarisch fÃ¼r die Â»stete FreundschaftÂ« zwischen ihm und LÃ¶wenthal. Â»Mit einer ganz persÃ¶nlichen Bemerkung will ich beginnen. Als wir vor kurzem uns wiedersahen, wuÃŸte ich â€“ ich wuÃŸte es schon vorher â€“ daÃŸ das innerlich lÃ¤ngst gesagt Du zwischen uns ausgesprochen zu werden verlangte. Ich schwieg, weil wir uns nicht allein sahen und auch der AnlaÃŸ des Zusammenseins Schweigen Ã¼ber das PersÃ¶nliche auferlegte. Nun hast Du das Wort, dieses wahrhaft wundersame Wort, aus seiner Heimlichkeit erlÃ¶st und ich danke Dir sehr dafÃ¼r, ich bin glÃ¼cklich darÃ¼ber. Nicht immer hat das Du zwischen den Menschen Bedeutung, aber bei Menschen, wie wir es sind, ist es Geschenk, ErfÃ¼llung, Versprechen, voller Magie und ZÃ¤rtlichkeit. Meinst Du nicht auch? DaÃŸ Du zu meinem Leben gehÃ¶rst, wirst Du genauso wissen, wie ich weiÃŸ, daÃŸ ich Dir etwas bedeute. Da bin ich nÃ¤rrischer Kerl nun dabei, Dir beinahe so etwas wie einen Liebesbrief zu schreiben â€“ vielleicht ist es die Kraft des erstmalig gebrauchten Wortes, das so die Zunge lÃ¶st.Â« 

Die NÃ¤he, die Kracauer LÃ¶wenthal gestand, hatte sich bereits in sein Innerstes eingebrannt. Der Brief erinnert sehr an das, was Kracauer in Gedanken Ã¼ber Freundschaft als die Idealgemeinschaft zwischen Freunden beschrieben hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Begegnungen und GesprÃ¤che Â»Ãœbergang, Entwicklung, VorspielÂ« zur wahren Freundschaft. Die Â»BegleitgefÃ¼hleÂ«, wie Â»Sehnsucht nach WÃ¤rme, eine halb unbewuÃŸte Zuneigung zu dem betreffenden Menschen, gegenseitiges seelisches AbtastenÂ«, hatten sich nun in der Tiefe der Â»unbegrifflichen SphÃ¤re des MenschseinsÂ« [14] verfestigt. Im August 1922 verbringen Friedel und Leo den Sommerurlaub im AllgÃ¤u. Es sollte die einzige gemeinsame Reise bleiben. 

Im Sommersemester 1923 legte Leo LÃ¶wenthal an der Sozialwissenschaftlichen FakultÃ¤t in Frankfurt am Main seine Dissertation Die SozietÃ¤tsphilosophie Franz von Baaders. Beispiel und Problem einer religiÃ¶sen Soziologie vor. Seine Promotion schloÃŸ er dort am 4. Mai 1925 ab. WÃ¤hrend der Kontakt zwischen Adorno und Kracauer in Frankfurt eng blieb, sie gemeinsame Zeiten in Amorbach, an der BergstraÃŸe, in Bad Ãœberkingen bei Ulm verbrachten, und noch 1925, als die ersten Spannungen zwischen beiden schon aufgetreten waren, ein lÃ¤ngere Reise durch Italien unternahmen, verschlug es LÃ¶wenthal aus privaten, teilweise auch beruflichen GrÃ¼nden an andere Orte. 

Gemeinsam von Adorno und Kracauer verfaÃŸte Briefe im Jahr 1923 aus dem Kurort Bad Ãœberkingen, erreichten LÃ¶wenthal in Rauschen[15] und KÃ¶nigsberg. Lorenz JÃ¤ger hat in seiner Adorno-Biografie[16] eine aufschluÃŸreiche Interpretation dieser gemeinsamen Briefe vorgelegt, die dort gefÃ¼hrte Debatte um den Disput zwischen Martin Buber und Franz Rosenzweig hervorragend wiedergegeben, so daÃŸ der zweite Teil des Beitrages, der in der nÃ¤chsten Ausgabe erscheinen wird,  mit den Passagen zu Ernst Bloch beginnen wird.

Alle Briefzitate sind dem Band Leo LÃ¶wenthal/Siegfried Kracauer. In steter Freundschaft. Briefwechsel 1921-1966. Hg. Peter-Erwin Jansen und Christian Schmidt. Einleitung Martin Jay, LÃ¼neburg 2003 entnommen.
2 Siegfried Kracauer. Ãœber die Freundschaft, Logos, Bd. VII, 1917/18, Heft 2. Hier zitiert nach: Gabe. Herrn Rabbiner Dr. Nobel zum 50. Geburtstag dargebracht von Martin Buber, Siegfried Kracauer, Leo LÃ¶wenthal u.a., Frankfurt/M. 1921, S. 26. In dem exzellenten  Artikel Die Entdeckung der jÃ¼dischen Wurzeln befasst sich Rachel Heuberger mit dem  Frankfurter Kreis um den Rabbiner Dr. Nobel. In: Das Utopische soll Funken schlagen. Zum hundertsten Geburtstag von Leo LÃ¶wenthal. Hrsg. Peter-Erwin Jansen, Frankfurt a.M. 2000. 
3 Ebda, S. 29 
4 Leo LÃ¶wenthal. Mitmachen wollte ich nie. Ein autobiografisches GesprÃ¤ch mit Helmut Dubiel, Frankfurt a.M. 1980, S. 17.
5 Vgl. Leo LÃ¶wenthal. Schriften Bd. 4. Hg. von Helmut Dubiel, Frankfurt a.M. 1984, S. 75 ff.
6 a.a.O. LÃ¶wenthal/Kracauer, 2003, S. 268/269.
7 Zitiert nach: Adorno in Frankfurt. Hg. Wolfram SchÃ¼tte, Frankfurt a.M. 2003, S. 54
8 Max Horkheimer. Gesammelte Schriften, Bd. 18. (Hg.) Gunzelin Schmid Noerr, Frankfurt a.M. 1996, S. 576.
9 vgl. FuÃŸnote 6.
10 a.a.O., LÃ¶wenthal/Kracauer, 2003, S. 28. Jimmy meint Shimmy, ein Swing-Tanz der zwanziger Jahre.
11 a.a.o. LÃ¶wenthal, 1980, S. 59.
12 Nehemias Anton Nobel (1871-1922) war Rabbiner in Frankfurt. Zu Nobel vgl. FuÃŸnote 1.
13 In: Der jÃ¼dische Student. Zeitschrift des Kartells fÃ¼r jÃ¼dische Verbindungen (K.i.V.), MÃ¤rz 1922)
14 a.a.O. LÃ¶wenthal/Kracauer, 2003, S. 37. 
15 Rauschen liegt in OstpreuÃŸen (heute: Swetlogorsk), Ostseebad in Samland, nÃ¶rdlich von KÃ¶nigsberg.
16 Lorenz JÃ¤ger. Adorno. Eine politische Biog. Alle Briefzitate sind dem Band Leo LÃ¶wenthal/Siegfried Kracauer. In steter Freundschaft. Briefwechsel 1921-1966. Hg. Peter-Erwin Jansen und Christian Schmidt. Einleitung Martin Jay, LÃ¼neburg 2003 entnommen.

&lt;strong&gt;Siegfried Kracauer, Leo LÃ¶wenthal und der geheime Dritte: Theodor W. Adorno â€“ Teil II&lt;/strong&gt;
        
Von Peter-Erwin Jansen

Zentrales Thema Ã¼ber Bloch war Kracauers Ã¤uÃŸerst kritische Rezension von Blochs Thomas MÃ¼nzer und dessen harsche Reaktion darauf in seiner Essaysammlung Durch die WÃ¼ste von 1923. Bloch attackierte den ablehnenden Rezensenten in aggresiver From. In Kracauers Rezension sehe er Â»einen kleinen Mann vor sich, der zu beschrÃ¤nkt ist fÃ¼r sein Vorhaben und nicht merkt, wie sehr er sich vergreift; [...] Die Kracauers (zuerst nur redlich dummes MittelmaÃŸ) werden gereizt aus KÃ¼mmerlichkeit, schuldig aus purer Insuffizienz, aber niedertrÃ¤chtig schlieÃŸlich mit Methode.Â«1 Zwei Menschen standen sich ablehnend gegenÃ¼ber, die LÃ¶wenthal schÃ¤tzte. Kracauer wuÃŸte von LÃ¶wenthal, daÃŸ er und Bloch auch privaten Kontakt hatten, miteinander diskutierten. Das miÃŸfiel ihm und er kÃ¤mpfte um LÃ¶wenthal, indem er gegen Bloch polemisierte, in der Hoffnung Â»die Blochgrippe [bei LÃ¶wenthal, P.E.J.)] werde ja auch einmal weichen.Â« (16. Oktober 1923) Infiziert hatte sich LÃ¶wenthal mit Sicherheit bei Bloch. Denn zwei frÃ¼he Texte, die ich neben den Briefen bei RÃ¤umungsarbeiten mit Susanne LÃ¶wenthal im Keller in Berkeley im Jahr 2000 entdeckte, diskutieren und rekonstruieren den Utopie-Begriff in den Staatsromanen von Thomas Morus und Campanella. Der Hintergrund dieses Textes stellt ohne Zweifel Blochs EinfluÃŸ auf LÃ¶wenthal und Blochs 1918 erstmals erschienes Buch Der Geist der Utopie dar. Nach LÃ¶wenthal entsteht das BedÃ¼rfnis nach Utopien in den Â»Zeiten des Ãœbergangs, des Unsicherwerdens, der AuflÃ¶sungÂ«. Â»Zeiten, in denen feste Inhalte der Kultur verloren gehen, fragwÃ¼rdig werden und in denen dann Denker, die diese eigentÃ¼mliche Struktur ihrer Zeit erfassen, beginnen, sich Rechenschaft Ã¼ber alles zu geben. Die Selbstbesinnung ist die Wurzel der Utopie.Â« (unverÃ¶ffentlichtes Manuskript, Morus, Campanella, S.1)

Die von Kracauer und Adorno gemeinsam verfassten Briefe aus Ãœberkingen sind getragen von einer intellektuellen und persÃ¶nlichen Leichtigkeit, die LÃ¶wenthal teilhaben lÃ¤ÃŸt an den theoretischen Diskussionen und privaten Problemen der beiden Sommerfrischler. Beide gehen auf LÃ¶wenthal zu, bauen ihm BrÃ¼cken, die es ihm einfach machen kÃ¶nnten, ein freundschaftliches Triumvirat entstehen zu lassen. Die Chancen dafÃ¼r waren nicht schlecht und doch aussichtslos. Zu unterschiedlich waren die Charakteere der drei, zu unterschiedlich die wissen-schaftlichen und schriftstellerischen Interessen in diesen Jahren. Neben seinen Verpflichtungen fÃ¼r die FZ schrieb Kracauer an seinem Detektivroman; Adorno komponierte und verfaÃŸte seine musikkritischen und musiktheoretischen Arbeiten, war auf dem Sprung nach Wien, LÃ¶wenthal war beschÃ¤ftigt mit jÃ¼discher Philosophie und arbeitete praktisch als Sozialarbeiter fÃ¼r ostjÃ¼dische FlÃ¼chtlinge. 

Kracauer beginnt den Brief vom 22. August 1923 aus dem Urlaub mit Adorno: Â»Teddie und ich sind erstaunt, daÃŸ Du uns nicht geschrieben hast. Wir wissen nicht, wo Du steckst; ob noch in Frankfurt oder an anderen Orten. Warum bist Du nicht in die NÃ¤he gekommen, nach Honau, wie ich vorschlug? Vor einigen Tagen war hier Platz, wir hÃ¤tten Dich untergebracht.Â« Adorno fÃ¤hrt besorgt fort:Â»Lieber Leo, was ist mit Dir? Wir sind unruhig, nichts von Dir zu hÃ¶ren, ohne zu wissen, was an Konfliktstoff zwischen uns gelegen sein sollte!Â« Selbst an LÃ¶wenthals Baader-Arbeit denkt Adorno: Â»Zu Deiner Baader-Arbeit komme ich bestimmt. LaÃŸ endlich von Dir hÃ¶ren.Â« Er schlieÃŸt: Â»Immer Dein Teddie.Â« Diese Wendung schrieb er auch auf ein kleines PaÃŸbild, daÃŸ er um 1922/23 an LÃ¶wenthal schickte. 

Religion und Philosophie

Wo steckte LÃ¶wenthal? Intellektuell steckte LÃ¶wenthal mit beiden Ohren in der jÃ¼dischen Philosophie, arbeitete Ã¼ber Moses Maimonides, den bedeutendsten Denker des mittelalterlichen Judentums, der von 1135 bis 1204 in Spanien, dann in Marokko lebte und Ã¼ber PalÃ¤stina nach Ã„gypten zog. LÃ¶wenthal analysiert die Philosophie Maimonides, wie er sie in seinem Hauptwerk More Nebuchim entwickelt hat und setzt sie in Beziehung zu Hermann Cohens zentralem Vorhaben, eine Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums in erkennt-niskritischer Absicht zu begrÃ¼nden. SchlieÃŸlich ging er mit Golde Ginsburg nach KÃ¶nigsberg, wo er auf ein orthodox jÃ¼disches Umfeld traf. 
 
BeeinfluÃŸt durch Erich Fromm, Golde Ginsburg und Ernst Simon hatte LÃ¶wenthal begonnen sich bei der Â»FlÃ¼chtlingsstelle fÃ¼r ostjÃ¼dische FlÃ¼chtlingeÂ«, erst in Frankfurt, dann in Berlin zu engagieren, ein Engagement, daÃŸ der Familie Adorno nicht besonders zusagte. LÃ¶wenthal erhielt Hausverbot bei Adornos. Diese TÃ¤tigkeit provozierte Kracauer und Adorno 1923 einen Briefumschlag mit Â»Generaldirektion des FÃ¼rsorgeamts fÃ¼r Transzendentale ObdachloseÂ« zu Ã¼berschreiben, der nach KÃ¶nigsberg adressiert war. Eine Anspielung an Georg Lukacs Formulierung der Transzendentalen Obdachlosigkeit in seinem Werk Theorie des Romans, daÃŸ die Frankfurter kannten und sehr schÃ¤tzten. 

In der Auseinandersetzung mit seinem Elternhaus nahm LÃ¶wenthal von April bis Juli 1924 in Zwickau2 eine Halbtagsstelle bei dem von Martin Buber und Salmon Schocken gegrÃ¼ndeten Â»HauptausschuÃŸ fÃ¼r jÃ¼dische KulturarbeitÂ« an. Dort studierte er nebenbei HebrÃ¤isch, was Kracauer gar nicht gefiel. Er fand es gar Â»jammerbarÂ« wenn LÃ¶wenthal sich nun als HebrÃ¤ist etabliere, Â»der europÃ¤isches Philosophieren verachtet.Â«. Der Â»areligiÃ¶seÂ« Kracauer warnte LÃ¶wenthal davor sich Â»buberisieren oder gar scholemisierenÂ« zu lassen. 

Leo und Golde zuvor hatten im Dezember 1923 nach jÃ¼dischen Riten heimlich in KÃ¶nigsberg geheiratet. Darauf reagierten die in Frankfurt zurÃ¼ck-gebliebenen Freunde in einem gemein-samen Brief. Kracauer erÃ¶ffnet: Â»Lieber Leo, Deinen Brief habe ich erhalten, und die VermÃ¤hlungsanzeige gleich befÃ¶rdert; sie steht im heutigen II. Morgenblatt (der FZ). Von der kirchlichen Trauung hatte ich nichts Bestimmtes gewuÃŸt und Dir darum nicht geschrieben; auÃŸerdem dachte ich tatsÃ¤chlich, Du kÃ¤mest in ein paar Tagen zurÃ¼ck. Weitschweifend fÃ¤hrt Adorno fort: Â»Freilich, lieber Leo, bei tieferer charakterologischer Versenkung hÃ¤tten wir auf die Nachricht von der Wahrscheinlichkeit Deiner kirchlichen (sit venia verbo â€“ man verzeihe den Ausdruck) Trauung ohne weiteres die GewiÃŸheit dieser Trauung annehmen kÃ¶nnen; aber um solche psychologische Einsichten zu gewinnen (ohne, daÃŸ EntschluÃŸ und Geschehen bei Dir ohne weiteres zusammenfallen), hÃ¤tte man sich schon als schlechter Zuschauer aus der wirklichen Beziehung lÃ¶sen mÃ¼ssen. Dies soll eine Ideologie fÃ¼r mein VersÃ¤umnis sein; falls Du aber an Ideologie zu glauben nicht gesonnen sein solltest, bitte ich Dich recht herzlich um Verzeihung und wÃ¼nsche â€“ magst Du die Ideologie glauben oder nicht â€“ Dir und Golde alles Gute...[...].Â« Auf Adornos Worte eingehend, reagiert Kracauer in bissig ironischer Weise: Â»Solche pseudo-philosophischen Edelschmonzetten hÃ¤lt Teddie fÃ¼r naiv und bevorzugt sie in der leichten Unterhaltung, also in Briefen, Seminaren, GesprÃ¤chen mit jungen Damen usw. seine (eigentlich) schriftstellerischen Leistungen sind, wie Du ja weiÃŸt, so gehalten, daÃŸ die aus Benjamins Gehirnwindungen ausgewundenen SkurrilitÃ¤ten sich daneben wie sabbriges SÃ¤uglingsgestammel ausnehmen. Wenn er eines Tages eine reelle LiebeserklÃ¤rung machen wird, um aus dem Stand der vollendeten junggesellenhaften SÃ¼ndhaftigkeit in den der ebenso vollendet ehelichen Scheinhaftigkeit zu treten, dann wird er sie gewiÃŸ so schwierig gestalten, daÃŸ die junge Dame, die er gemeint und die ihm gemeint ist, den ganzen Kierkegard â€“ zumal die Krankheit zum Tode und die Brocken â€“ gelesen haben muÃŸ, um ihn Ã¼berhaupt zu verstehen, oder auch miÃŸzuverstehen und abzuweisen.Â«3 Adorno konterte: Â»Seine Insufizienz hat natÃ¼rlich wieder nichts verstanden [...].Â« 

Mit diesem Brief endete das postalische DreiecksverhÃ¤ltnis. In Zukunft schrieb Friedel an Leo ohne, aber weiter Ã¼ber Teddie. Kracauers folgende Briefe lesen sich wie ein Tagebuch der Trennung von Adorno und es ist hÃ¶chst bedauerlich, daÃŸ wir wegen der bisher fehlenden Antwortbriefe von LÃ¶wenthal Ã¼ber dessen Reaktionen nichts erfahren konnten. Kracauers Â»SeelenschwingungenÂ« schienen ihn zu zerreiÃŸen. Sie pendelten zwischen dem spÃ¼rbaren Verlust seines Â»LieblingsschÃ¼lersÂ« Adorno, der in den Jahren 1924/1925 immer offensichtlicher wurde, sich auch bald in Ã¶rtlicher Trennung niederschlug und dem BemÃ¼hen um den neuen Freund, dessen Bloch-Verehrung die intensive NÃ¤he zu gefÃ¤hrden schien. Folgt man den Bemerkungen zu Adorno in den Briefen an LÃ¶wenthal, so formten sich die ersten Risse in der Freundschaft zwischen Adorno und Kracauer im Jahr 1924. Ein Ende der Brieffreundschaft lÃ¤ÃŸt sich allerdings zu dieser Zeit nicht konstatieren. Davon zeugt der noch unverÃ¶ffentlichte Briefwechsel zwischen Kracauer und Adorno, aus dem, wie Detlev Claussen in seiner auffallenden und eigenwilligen Adorno-Biografie4 bemerkt hat, nichts verÃ¶ffentlicht werden darf. Daher bleibt auch mir nur die MÃ¶glichkeit von knappen Anmerkungen zu dem Briefwechsel, der im Marbacher Literaturarchiv liegt. 

Adorno hielt den alten UrlaubsgefÃ¤hrten Ã¼ber seine Zeit in Wien auf dem Laufenden. Am 8. MÃ¤rz 1925 berichtete er von dort, ein lÃ¤ngerer Aufenthalt in Wien sei ausgeschlossen, Â»geschweige denn gar, daÃŸ mich hier Mensch oder Sache von Dir zu trennen vermÃ¶chte.Â« Adorno berichtet ihm von seinen Begegnungen mit Soma Morgenstern, Â»ein intensiver Mensch und dialektisch begabt, aber doch wohl bescheidenen FormatsÂ«. Morgenstern, der gerne nach Frankfurt zu Kracauer kommen wollte, hatte Adorno mit Georg Lukacs bekannt gemacht; ein, wie er Kracauer am 14. Juni 1925 schreibt: Â»...kleiner, zarter, ungeschickt blonder Ostjude mit einer talmudischen Nase und wunderbaren unergrÃ¼ndlichen Augen.Â« Er sei eine Person Â»durchdrungen von SchÃ¼chternheitÂ«, ein Â»Ideal der UnscheinbarkeitÂ«. Eine ausfÃ¼hrliche Wiedergabe des GesprÃ¤chs mit Lukacs folgte. Adorno teilt Kracauer detailliert seine EindrÃ¼cke zu Arnold SchÃ¶nberg und Alban Berg mit, erwÃ¤hnt, daÃŸ er Karl Kraus gehÃ¶rt habe, eine Â»prophetische GestaltÂ«, der Â»zu angestrengt geistreichÂ« sei, als daÃŸ sich Adorno von ihm Â»gelangweilt fÃ¼hlte.Â« 

Die Briefstellen Kracauers an LÃ¶wenthal Ã¼ber Adorno lassen dem gegenÃ¼ber die schmerzvolle LoslÃ¶sung Kracauers von Adorno sichtbar werden. Am 6. Juni 1924 schreibt er an LÃ¶wenthal: Â»Die Beziehung zu Teddie, nach der Du mich erkundigst, brÃ¶ckelt langsam ab; er weiÃŸ es nicht, aber gerade deshalb... denn wenn er es merkte, wÃ¤re ja Hoffnung vorhanden. In den letzten Wochen hat er seine Doktorarbeit rasend schnell hingeschrieben: Husserl, in CorneliusÂ´scher Terminiologie angeschaut und kritisiert â€“ gescheit und gediegen, aber objektiv, wie ihm bewuÃŸt ist, hÃ¶chst belanglos...Er sagte immer, daÃŸ er Dir schreiben wolle, Hat er? Sicher nicht. Er wird stets das Menschlich-Wesentliche vergessen Ã¼ber irgendeiner Wichtigkeit, die nicht wichtig ist. Ich bin bitter und wohl ungerecht, aber das sind die Nachwehen des durch Teddie Erfahrenen â€“ eines der schmerzlichsten (Du hast recht: auch typischen) Erlebnisse meines Lebens.Â« Sechs Wochen spÃ¤ter bemerkt Kracauer: Â»Teddie hat gestern seinen Doktor gemacht: summa. Wieder eine Stufe hÃ¶her. Er hatte sich auÃŸerdem erfolgreich auf erotische  Abenteuer begeben, was Dir hiermit berichtet sei. An den GefÃ¼hlen, die ich dabei hatte, merkte ich, wie sehr ich ihn wirklich liebte. Ich sagte es ihm auch. Nun bin ich in einem ProzeÃŸ der wirklichen, erzwungenen AblÃ¶sung, denn die Leidenschaft fÃ¼r ihn ist wirklich verderblich und nahm Dimensionen an, die erschrecken.Â« Adornos Dissertation, die er Â»rasend schnellÂ« verfaÃŸt hatte, lautet Die Transzendenz des Dinglichen und Noematischen in Husserls PhÃ¤nomenologie. 

Trotz der Erosion der freundschaftlichen Beziehung unternahmen Friedel und Teddie noch zwei gemeinsame Reisen. Die erste fÃ¼hrte sie im August 1924 in die Dolomiten. Auch darÃ¼ber berichtet Kracauer LÃ¶wenthal, der ihm in einem Brief zuvor nicht nur seine tiefe Zuneigung zu Kracauer gestanden hatte, sondern auch anklingen lieÃŸ, daÃŸ er Â»eifersÃ¼chtigÂ« auf Adorno sei.  Â»Mit der Eifersucht, das verstehe ich nur zu gut und, gemein genug ich bin  beinahe zufrieden, daÃŸ Du wegen meiner eifersÃ¼chtig bist, so fÃ¼hle ich mich doch begehrt, was ich seit Ewigkeiten nicht mehr erleben durfte. Die Reise mit dem Teddie war aus GrÃ¼nden, die ich Dir mÃ¼ndlich sagen werde, sehr qualvoll fÃ¼r mich, wie schÃ¶ne Gegenden wir auch durchfuhren.Â« Am Gardasee trennten wir uns Samstag vor acht Tagen; ich muÃŸte allein zurÃ¼ck, er wird noch bis Anfang Oktober in Gesellschaft seiner Tante in Italien (Venedig, Florenz, usw.) sein. Glaube mir dies: meine Liebe zu Dir, meine AktualitÃ¤t in der Beziehung, das alles ist unverÃ¤ndert, nur der Mangel an Gegenwart macht die IntensitÃ¤t verblassen, wie Ã¼berhaupt das PhÃ¤nomen der Abwesenheit das der Passion GefÃ¤hrlichste ist, da die Ãœberzeugung der Treue nur dem Leidenschaftslosen zum Troste gereicht. Wesentlich wird sein, daÃŸ wir uns bald sehen und ich mÃ¶chte so gerne, daÃŸ Du wieder dauernd in Frankfurt sein kÃ¶nntest.Â« Die Bemerkungen Ã¼ber Adorno in den Briefen werden seltener. Ãœber die letzte Reise Kracauers und Adornos im September 1925 nach Genua, Neapel und Positano erfahren wir nichts. Allerdings, wer je die Amalfi-KÃ¼ste besuchte, weiÃŸ, wie authentisch Kracauers Beschreibung der SteilkÃ¼ste Amalfis ist, wie abbildhaft er in Der Felsenwahn von Positano5 das zerklÃ¼ftete und Ã¼berwÃ¤ltigende Landschaftsbild dieser Region einfÃ¤ngt. 
    
LÃ¶wenthal wird in einem weitern bisher unverÃ¶ffentlichten Brief von Adorno an Kracauer aus dem September 1926 noch einmal ins Zentrum rÃ¼cken. Es geht um das gescheiterte Habilitations-Verfahren Adornos bei Cornelius in Frankfurt. Adorno fragt Kracauer, ob er bei LÃ¶wenthal intervenieren kÃ¶nne, damit dieser seine geplante Habilitationsschrift Helvetius zurÃ¼ckziehe. Â»Ich muÃŸ Dich hier um einen praktischen Rat fragen. Es handelt sich um Leo, dessen Wolfsnatur eben wieder ganz obenauf ist. Du weiÃŸt, daÃŸ er nach mir â€“ und durch meine Vorbereitung zum Cornelius Examen angeregt â€“ den Plan faÃŸte, sich auch bei Cornelius zu habilitieren. Die Habilitation ist aber nur fÃ¼r einen von uns mÃ¶glich und Leo ist nun dabei, dieser eine an meiner Statt zu sein.[...]Â« FÃ¼r Adorno sei diese Sache kein Scherz, denn miÃŸlinge die Habilitation, sei ihm von zuhause das juristische Studium mit Examina angedroht worden, wozu er keinerlei Neigung habe. Daher richte er sich an Kracauer: Â»Ich muÃŸ Dich um Dein Eingreifen bitten und tue es nicht einmal so ungern, wie es etwa gefordert wÃ¤re.Â« (Adorno an Kracauer am 17. September nach Marseille). Adorno habilitierte sich nicht bei Cornelius, sondern 1930 bei Paul Tillich mit der Arbeit Kierkegaard, Konstruktion des Ã„sthetischen. LÃ¶wenthal konnte sein Habilitationsverfahren nicht mehr abschlieÃŸen, obwohl Max Hork-heimer schon ein positives Gutachten Ã¼ber seine Helvetius-Schrift6 verfaÃŸt hatte. 
      
Zwischen 1926 und 1930 trafen sich die ungleichen Freunde wieder hÃ¤ufiger in ihrer Geburtsstadt. Sie befanden sich alle drei in einer Ã¤uÃŸerst produktiven Phase. LÃ¶wenthal war mittlerweile Studienassesor an der WÃ¶hlerschule geworden, hatte sich auch am Freien JÃ¼dischen Lehrhaus ein wenig etabliert. DarÃ¼ber hinaus hielt er an der Volkshochschule VortrÃ¤ge Ã¼ber Cervantes, Flaubert, Zola, Shakespeare und andere Schriftsteller. AuÃŸerdem schrieb er regelmÃ¤ÃŸig fÃ¼r die in Frankfurt erscheinenden Mitteilungen der VolksbÃ¼hne und fÃ¼r die in Berlin erscheinende Zeitschrift fÃ¼r Soziale Theaterpolitik und Kunstpflege. Die VolksbÃ¼hne. Arbeiten Ã¼ber Lassalle, Marx, Freud und Moses Mendelsohn erschienen in jÃ¼dischen Publikationsorganen, wie in der JÃ¼dischen Wochen-schau. Seit 1926 war er Stipendiat am Institut fÃ¼r Sozialforschung und wurde 1930 offizielles Mitglied. 

Adorno verfaÃŸte seine zweite Habilitationsschrift Ã¼ber Kierkegaard, schrieb zahlreiche musiktheoretische Arbeiten und war Redakteur beim Aufbruch. Nicht nur die privaten Kontakte, sondern die Arbeitszu-sammenhÃ¤nge mit Max Horkheimer wurden intensiver. Auch Kracauer befand sich, trotz seiner seelischen StÃ¶rungen, in einem Ã¤uÃŸerst produktiven  schriftstellerischen Lebensabschnitt. RegelmÃ¤ÃŸig erschienen seine Feuilleton-AufsÃ¤tze in der FZ. Parallel dazu schrieb er an seinem Roman Ginster, der 1928 in einer Fortsetzungsserie in der FZ erscheinen sollte. Kurz darauf begann er bereits mit seinem neuen Roman Georg, der als Fragment 1929 in der FZ abgedruckt wurde. Er wird kurze Zeit spÃ¤ter Feuilleton-Chef der FZ in Berlin und schlieÃŸt noch 1929 seine Studie Die Angestellten ab, die 1930 in Frankfurt erschien. 
     
Das Ã¶rtliche Band, daÃŸ die drei weiter in freundschaftlicher Spannung zusammenhÃ¤lt, reiÃŸt schlieÃŸlich mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Die erzwungene Emigration fÃ¼hrt LÃ¶wenthal 1934 Ã¼ber Genf nach New York, Adorno 1934 nach Oxford und 1938 in die USA. Die Emigration der beiden jÃ¼ngeren Wissenschaftler scheint gegenÃ¼ber dem, was Kracauer auf seiner Odyssee widerfuhr, relativ unkompliziert gewesen zu sein. 

Kracauer und seine Frau Lili Ehrenreich, flohen zuerst nach Paris. Dort lebten sie nicht nur unter groÃŸen finanziellen Sorgen, sondern auch unter der permanenten Bedrohung von den Schergen der Gestapo oder von franzÃ¶sischen Kollaborateuren des Vichy-Regimes entdeckt zu werden. Erstmals zeigt der Briefwechsel zwischen LÃ¶wenthal und Kracauer, wie dramatisch sich dieses Leben Ã¼ber annÃ¤hernd acht Jahre gestaltete und daÃŸ LÃ¶wenthal sich stÃ¤ndig darum bemÃ¼hte, die Kracauers aus Europa herauszubekommen. Das gelang dann Ã¼ber den Fluchtweg, von dem sich auch Walter Benjamin eine Rettung versprach, die ihm nicht gelingen sollte. Mit Hilfe verschiedener jÃ¼discher Hilfsorganisation wie der Hebrew Immigration Aid Society (HIAS) und LÃ¶wenthals UnterstÃ¼tzungsgesuche bei Thomas Mann, Paul Tillich und anderen schafften es Kracauers Ã¼ber Spanien, den letzten offenen Hafen in Lissabon zu erreichen. Am 28. MÃ¤rz 1941 zeigt Kracauer LÃ¶wenthal seine bevorstehende Ankunft in New York an: Â»Lieber Leo, heute nur die Mitteilung, daÃŸ wir voraus-sichtlich mit der â€žNyassaâ€œ kommen, die am 15. April hier abfÃ¤hrt; wenn nichts dazwischen kommt, werden wir zwischen dem 25. und 30. April in New York eintreffen. Wirst Du als Affidavitgeber, als Freund am Pier sein kÃ¶nnen? Wie glÃ¼cklich wÃ¤ren wir darÃ¼ber.Â« TatsÃ¤chlich empfingen Leo und Golde LÃ¶wenthal Friedel und Lili Kracauer am 25. April 1941 am Pier in New York. 

Der Â»geheime DritteÂ« im Bunde, dieses Â»schÃ¶ne Exemplar MenschÂ« (Kracauer) aus gemeinsamen Jugendzeiten, ist im weiteren Verlauf des Briefwechsels zwischen den in den USA verbleibenden Kracauer und LÃ¶wenthal nur noch gelegentlich ein Thema. Diesen seltenen ErwÃ¤hnungen Ã¼ber Adorno, der 1949 nach Deutschland re-emigrierte, ist stets der schmerzhafte Verlust der engen, freundschaftlichen Bindung anzumerken. Neben Lob fÃ¼r Adornos wissenschaftliche Leistungen, Â»ich bin sehr stolz auf TeddieÂ«, steht Kritik. Als Kracauer im August 1951 eine lobende Besprechung der Dialektik der AufklÃ¤rung liest, schreibt er an LÃ¶wenthal: Â»Ich schrieb ihm (Adorno, P.E.J.), daÃŸ ich stolz sei auf seinen Ruhm, was ihn sicher glÃ¼cklich machte, und daÃŸ ich mit irgendeinem Artikel von ihm nun wirklich nichts anfangen kÃ¶nne, worÃ¼ber er weniger glÃ¼cklich war.Â« (26. Oktober 1955). Als Adorno Kracauer 1960 die 1957 erstmals erschienen Drei Studien zu Hegel zusendet, lobt er gegenÃ¼ber LÃ¶wenthal, die Apologie Hegels sei wirklich Â»geistreich und blendendÂ«, schrÃ¤nkt aber sogleich ein: Â»Aber auch hier wieder verfÃ¤hrt er nach immer demselben Prinzip: zuerst zertrampelt er alles, dann streicht er es wieder glatt.Â« Im weiteren Verlauf wird deutlich, daÃŸ sich Kracauers frÃ¼he Aversionen gegenÃ¼ber dem BlochÂ´schen Utopismus verflÃ¼chtigt haben, was auf eine AnnÃ¤herung der alten Nebenbuhler auf das Jahr 1930 und 1935 zurÃ¼ck geht. Mehr noch: Bloch und Kracauer waren Freunde geworden. Bloch hatte schon Kracauers Georg 1929 sehr gelobt. VÃ¶llig begeistert war er aber von Kracauers Studie Die Angestellten. Â»Es ist der wichtigste und der aufschluÃŸreichste Blick in unser Dasein seit langemÂ«, lieÃŸ er Kracauer wissen. Auch Kracauer schÃ¤tzte nun Blochs Arbeiten. Auf das Erscheinen von Erbschaft dieser Zeit,  reagierte er enthusiastisch: Lili und er hÃ¤tten sich Â»mit wahrer Leidenschaft darauf gestÃ¼rzt; wie Ausgehungerte, die den letzten Knochen abnagen.Â« Als Kracauer annÃ¤hernd mittellos in Praris lebte, war es neben LÃ¶wenthal auch Bloch, der sich fÃ¼r ihn einsetzte.
  
Auch Leo LÃ¶wenthal lieÃŸ The troubled friendship, wie Martin Jay seine Arbeit zu Kracauer und Adorno 1986 Ã¼berschrieb, in den Nachriegsjahren nicht los.    

Schmerzhaft, ja traumatisch fÃ¼r LÃ¶wenthal, verlief der Konflikt mit dem ebenfalls nach Deutschland zurÃ¼ck-gekehrten Institutsdirektor Max Horkheimer. AnlaÃŸ war ein Streit Ã¼ber PensionsansprÃ¼che, die LÃ¶wenthal aus seiner Arbeit fÃ¼r das Institut zustanden, die aber von Pollock und Horkheimer erst gar nicht, dann auf Druck eines Anwalts nur zÃ¶gerlich und in geringerer Summe an LÃ¶wenthal ausbezahlt wurden. Mehr als fÃ¼nf Jahre dauerte diese Auseinandersetzung, die sich auch auf die Beziehung mit Adorno auswirkte. Adorno, der von Horkheimer Ã¼ber diese unappetitliche Angelegenheit informiert worden war, ignorierte LÃ¶wenthal bei einer Begegnung in Ponterisina in der Schweiz. Das krÃ¤nkte LÃ¶wenthal zutiefst. Ebenso, die abfÃ¤lligen Bemerkungen, die Adorno in einem Brief  vom September 1963 an Marcuse Ã¼ber LÃ¶wenthals Freundschaft zu Paul Larzasfeld machte.

Der 63-JÃ¤hrige LÃ¶wenthal reagierte in seinem Brief zum 60. Geburtstag von Adorno in scharfer, aber auch Ã¤uÃŸerst resignierter Form. Â»Wir waren Ã¼ber vierzig Jahre eng befreundet. Es macht mich unendlich traurig, daÃŸ es Dir leicht fiel, die grauenhaften Dinge, die sich zwischen Max und mir abspielten, so einseitig auf Dich einwirken zu lassen, daÃŸ Du in Ponteresina mein Gesicht vergessen hattest. Es wÃ¤re, so scheint es mir, menschlicher gewesen, mit mir zu reden.[...]. Ich wÃ¼nsche kaum einem Feind, daÃŸ er die tÃ¤glichen und nÃ¤chtlichen Qualen zu erfahren hat, die mich seit fÃ¼nf Jahren zu einem verzweifelten Menschen gemacht haben. Wir haben gewiÃŸ miteinander auch Schwierigkeiten gehabt. Die FragilitÃ¤t und Kompliziertheit unserer Naturen und unserer Geschichte muÃŸte Ambivalenzen miteinschlieÃŸen. Aber nicht mehr. Was mich mehr als vieles unendlich schmerzt, sind die Episoden, die in dem dichten Netz der intellektuellen Welt natÃ¼rlich auch zu mir dringen, in denen Du den persÃ¶nlichen Bruch herÃ¼berspielst ins Intellektuelle. Ein Bekannter nach dem anderen war entsetzt Ã¼ber die â€žstalinistische Geschichtsschreibungâ€œ, die Du in Bezug auf meinen Beitrag zum Institut und unserem gemeinsamen Gedankengut bestÃ¤ndig zu betreiben scheinst. Details will ich nicht aufzÃ¤hlen â€“ sie sind Dir besser bekannt als mir. Mir schaden sie nicht, aber sie schÃ¤digen Dich. Als Dein Freund bedauere ich es aufs tiefste.Â« Der Brief schlieÃŸt mit der Abschiedsformel: Â»Leb wohl, Dein Leo.Â« 

Doch der Abschied, sollte kein endgÃ¼ltiger sein, Ã¼ber die tiefen GrÃ¤ben wurden in den letzten Jahren vor Adornos Tod wieder ein paar wacklige BrÃ¼cken gebaut, denen LÃ¶wenthal in Adorno und seine Kritiker (1978) und in seinen Erinnerungen an Adorno aus dem Jahr 1983 sogar nachtrÃ¤glich StabilitÃ¤t verschaffte. Â»AdornoÂ« so schreibt er 1978, Â»war ein Genie, und sein Werk, das inzwischen in mehr als zwanzig BÃ¤nden vorliegt, umschlieÃŸt das intellektuelle Spektrum der westlichen Zivilisation [...].Â«7 LÃ¶wenthal belieÃŸ es nicht bei dieser Feststellung. Er verteidigte Adorno gegen seine Kritiker, die ihm einerseits einen snobistischen Elitismus vorwarfen, wie Lukacs mit seiner Formulierung, Adorno habe ein Â»Hotel Abgrund bezogenÂ« und andererseits ein Mangel an Marxistischer Dialektik und Strenge unterstellten. LÃ¶wenthal hebt Adornos intellektuelle Leistung und unbestechliche Analyse des Â»gesellschaftlichen UnterdrÃ¼ckungsapparatsÂ« hervor. Â»Gemessen daran fallen alle SchwÃ¤chen der PersÃ¶nlichkeit und des Lebensstils, fÃ¼r die er getadelt wird, kaum ins Gewicht.Â«8

1 Ernst Bloch. Durch die WÃ¼ste, 1923, S. 61.
2 Zwickau in Sachsen.
3 Die Krankheit zum Tode und Philosophische Brocken, Schriften von SÃ¶ren Kierkegaard (1813-1855). 
4 Detlev Claussen. Theodor W. Adorno. Ein letztes Genie, Frankfurt a.M. 2003
5 Wiederabgedruckt in: Siegfried Kracauer. Schriften Bd. 5.1, Frankfurt a.M. 1990. S. 329-336. (Hg.) Charsten Witte und Inka MÃ¼lder-Bach.
6Thema von LÃ¶wenthals um 1930 fertiggestellter Habilitationsarbeit. 
7 Leo LÃ¶wenthal, Schriften 4, 1984, S. 59.
8 ebenda., S. 64
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hier die beiden Aufsatzteile von Peter-Erwin Jansen aus dem CAMPO:</p>
<p><strong>Siegfried Kracauer, Leo LÃ¶wenthal und der geheime Dritte: Theodor W. Adorno â€“<br />
Teil I</strong></p>
<p>Von Peter-Erwin Jansen</p>
<p>Als Siegfried Kracauer bei LÃ¶wenthal anfragt, ob ihm der Suhrkamp-Verlag die Neuausgabe seines Romans Ginster schicken solle, antwortet dieser im Dezember 1963: â€žNatÃ¼rlich besitze ich Ginster noch und seine so warme Widmung aus dem Jahr 1928: â€šIn steter Freundschaftâ€™, ist mir kostbar.â€œ[1]</p>
<p>Diese stete, lebenslange Freundschaft zwischen dem 1889 geborenen Siegfried Kracauer und dem 1900 geborenen Leo LÃ¶wenthal, nahm 1920 im Umfeld des Frankfurter Rabbiners Nobel (zu dessen Kreis Franz Rosenzweig, Ernst Simon, Martin Buber und Erich Fromm gehÃ¶rten) ihren Anfang und endete erst mit Kracauers Tod am 26. November 1966.</p>
<p>Einige einleitende Bemerkungen aus Kracauers Abhandlung Gedanken Ã¼ber die Freundschaft, die 1918 erstmals verÃ¶ffentlicht wurden, geben den GefÃ¼hlssog, der die einstigen Freunde mitriÃŸ, prÃ¤zise wieder. Zudem stellt Kracauers Text eine der eindrucksvollsten Abhandlungen Ã¼ber das Wesen der Freundschaft dar, das ich als â€žheimatlos gewordene Tugendâ€œ bezeichnen mÃ¶chte. Als Beschreibung der annÃ¤hernd 40jÃ¤hrigen Korrespondenz und der freundschaftlichen Beziehung zwischen Kracauer und LÃ¶wenthal, die scheinbar der Ã¶rtlichen Trennung einen Teil ihrer inneren Verbundenheit verdankte, sind die beiden folgenden Zitate genauso aussagekrÃ¤ftig wie Ã¼ber das VerhÃ¤ltnis zu dem in den zwanziger Jahren bedeutenden, spÃ¤ter weniger wichtigen Â»geheimen DrittenÂ« im Bunde, zu dem 1903 geborenen Theodor W. Adorno. Kracauer schreibt:</p>
<p>Â»Wenn auch die Freundschaft, wie jede menschliche Verbindung, letzten Endes aus dem unmittelbaren mÃ¼ndlichen Verkehr ihre Kraft zieht, so spielen doch nicht minder die Zeiten der Trennung in ihr eine bedeutsame und keineswegs negative Rolle. Das Wesen des Entfernten tritt reiner als in der drangvollen Gegenwart vor das innere Auge. Mag seine NÃ¤he beglÃ¼cken, die Erinnerung erst gestattet sein Bild, so wie es dauernd in der Seele lebt; sie dÃ¤mpft den Eindruck des VordergrundmÃ¤ssigen im BewuÃŸtsein ab, um das Typische herauszukehren. Bei Menschen gleicher Wesensart, deren Zusammensein sich aber nur unter Reibungen vollzieht, erhÃ¶ht rÃ¤umliche Ferne daher das FreundschaftsgefÃ¼hl.Â«[2] </p>
<p>Doch Kracauer wuÃŸte auch um die GefÃ¤hrdung der Freundschaft, um die Â»ernste StÃ¶rungÂ« der freundschaftlichen Bindung. Sie ist schmerzhaft, macht gegenÃ¼ber dem einstigen Freund Â»befangen, verschlieÃŸt den MundÂ«. WÃ¤hrend die Freunde Ã¤uÃŸerlich noch Â»zusammenweilen, fÃ¼hlen sie sich in Wahrheit schon getrennt. Ihr Zustand gleicht dem eines Menschen, der alle Koffer bereits zur Abreise gepackt hat, und noch lange Zeit in der leeren, entblÃ¶ÃŸten Wohnung verharren muÃŸ. Die HemmungsgefÃ¼hle werden vermehrt durch die Ungewissheit des Einen Ã¼ber den inneren Zustand des Anderen. Man zÃ¶gert, um nicht zu verletzen, versucht das VerhÃ¤ltnis fortzusetzen, irgendwo im Innern noch eine geheime Hoffnung hegend, und tÃ¤uscht sich mit oft krampfhaftem BemÃ¼hen, so dass selbst eine scheinbare WiederannÃ¤herung gelingen kann.Â«[3] Was Kracauer am Ende dieses Absatzes als die endgÃ¼ltige LÃ¶sung einer Freundschaft benennt, hat sich im VerhÃ¤ltnis Kracauer â€“ Adorno und LÃ¶wenthal â€“ Adorno in dieser letzten Konsequenz nie eingestellt. </p>
<p>Â»Diese Zeit der qualvollen, tastenden LoslÃ¶sung endet erst, wenn sich in beiden Menschen die gleich klare Ãœberzeugung von der UnabÃ¤nderlichkeit ihrer Trennung durchgesetzt hat.Â« Das Qualvolle dieser verlustiggegangenen Â»Ãœbereinstimmung im TypischenÂ« , - wie Kracauer wahre Freundschaft bezeichnet â€“ blieb zumindest bei Kracauer und LÃ¶wenthal gegenÃ¼ber Adorno erhalten.</p>
<p>Die Freundschaft zwischen Leo LÃ¶wenthal und Siegfried Kracauer begann 1920. Der zwanzigjÃ¤hrige LÃ¶wenthal  - Â»ein ziemlicher SchlampsackÂ« in privaten Dingen, wie Kracauer LÃ¶wenthals Mutter im Brief vom 2. Oktober 1921 zitiert - hatte im April 1920 sein Philosophie und Psycho-logiestudium in Heidelberg begonnen.<br />
Dort traf er sich fortan mit Erich Fromm und anderen Studenten zu GesprÃ¤chen Ã¼ber Psychologie, jÃ¼dische Philosophie<br />
und Mystik, meist in dem sogenannten Â»ThorapeutikumÂ«, eine von Frieda Reichmann nach jÃ¼dischen Traditionen gefÃ¼hrte psychoanalytische Klinik. Einige der Diskutanten kannte LÃ¶wenthal aus dem Kreis um den charismatischen Frankfurter Rabbiner Nobel. Politisch hatte sich der Â»jugendliche RebellÂ«, der in Heidelberg Â»GeneralsekretÃ¤r des Deutschen Sozialistischen StudentenbundesÂ« war, fÃ¼r kurze Zeit auch dem dortigen zionistischen Studentenbund angeschlossen. Â»Es war wohl das sozialistisch-revolutionÃ¤re Moment, was mich dazu veranlaÃŸte, mich mit den zionistischen Studenten einzulassen, die mir meist persÃ¶nlich gut gefielen.Â«[4]</p>
<p>Der elf Jahre Ã¤ltere Kracauer durchlebte gerade unruhige Jahre. Er befand sich in einer persÃ¶nlichen Umbruchsphase. Zwar hatte er gleich nach seinem Architekturstudium in Berlin und MÃ¼nchen, das er 1914 mit seiner DoktorprÃ¼fung abschloÃŸ, Anstellungen in ArchitekturbÃ¼ros an der Isar und dann am Main gefunden. </p>
<p>Doch die Lohnarbeit kollidierte bereits mit Kracauers philosophischen und schriftstellerischen Interessen. Zudem kÃ¼ndigte ihm im MÃ¤rz 1920 das ArchitekturbÃ¼ro Max Seckbach in Frankfurt. Parallel zu seiner Anstellung las Kracauer Arbeiten von Georg Simmel und Max Scheler. Eine kleine soziologische Arbeit zu Simmel hatte er bereits fertiggestellt. Doch BemÃ¼hungen um eine VerÃ¶ffentlichung scheiterten. Noch mit einer weiteren Schwierigkeit hatte Kracauer in der Zeit zu kÃ¤mpfen, als sich aus der ersten Begegnung zwischen ihm und Leo LÃ¶wenthal im Cafe Westend, dem Treffpunkt der Â»intellektuellen enfants terriblesÂ« Frankfurts[5] schnell eine intensive Freundschaft entwickelte. Kracauers Arbeit an einer Â»Kritik der PhÃ¤nomenologieÂ« ging nicht voran. Das quÃ¤lte ihn. Â»An meiner PhÃ¤nomenologie habe ich noch keine Zeile geschrieben, von nahem sieht die Sache doch schwerer aus, als von weitem und Ã¼berhaupt â€“ ich habe eben gar keinen Glauben an mich und bin nahezu Ã¼berzeugt davon, daÃŸ nichts rechtes aus mir wird.Â« Auch seine Sprechschwierigkeiten â€“ sein â€žphonetisches Handicapâ€œ â€“ machte Kracauer immer mehr zu schaffen. Am 4. Dezember 1921, Kracauer und LÃ¶wenthal teilten noch das distanzierende Sie, schreibt er: Â»Sehen Sie, an meinem Sprechfehler, der mich auf Schritt und Tritt behindert, leide ich unendlich von Kind an, und wenn mich gar philosophische Kleinheitsrache packt, wie das normalerweise der Fall ist, zerwÃ¼hle ich mich bis zum Wahnsinn. Zumeist enden die Depressionen in lautloser ResignationÂ«. 1924 schreibt er: Â»Ich habe eben nach ausgezeichneten Monaten wieder eine schlechte Sprechperiode und will unter allen UmstÃ¤nden eine Psychoanalyse versuchen.Â« Er bat die Psychoanalytikerin Frieda Reichmann in Heidelberg um Hilfe. Diese verzweifelt klingenden SelbsteinschÃ¤tzungen teilte der promovierte Architekt und mittlerweile auch nicht mehr vÃ¶llig unbekannte journalistische Autor der Frankfurter Zeitung dem jungen LÃ¶wenthal mit.</p>
<p>An die erste Begegnung mit Kracauer, der sich Friedel nennen lieÃŸ, erinnerte sich LÃ¶wenthal im MÃ¤rz 1990 wÃ¤hrend eines Kracauer-Kolloquiums in New York genau: Â»SchrÃ¤g gegenÃ¼ber von der Frankfurter Oper gab es ein kleines CafÃ©, das CafÃ© Westend (es existiert nicht mehr), das nach Ende des Ersten Weltkrieges der Treffpunkt fÃ¼r die Frankfurter Intellektuellen geworden war. </p>
<p>Â»Dort haben wir uns getroffen. Ich habe vergessen, wer mich mit Friedel bekannt gemacht hat, doch entwickelte sich sehr schnell eine intensive Beziehung. Ich studierte zu der Zeit in Heidelberg und war in den Ferien in Frankfurt. Wann immer wir gleichzeitig in Frankfurt waren, trafen wir uns fast tÃ¤glich in diesem kleinen CafÃ© und setzten am nÃ¤chsten Morgen die Diskussion der Themen vom Vortag Ã¼bers Telefon fort â€“ und die Themen reichten von Klatsch und Tratsch Ã¼ber persÃ¶nliche Anliegen bis hin zu komplexen philosophischen Fragen.Â«[6] </p>
<p>Zwei, vielleicht drei Jahre zuvor waren sich Kracauer und Adorno begegnet. Mit Kracauer las der Gymnasiast der Oberstufe Kant, diskutierte mit ihm Ã¼ber Hegel. Adorno erinnert sich an seine erste Begegnung mit Kracauer in seinem 1964 aus AnlaÃŸ von Kracauers 75. Geburtstag verfaÃŸten Essay Der wunderliche Realist: Â»Ich war Sekundaner, als ich gegen Ende des ersten Weltkrieges Kracauer kennenlernte [&#8230;]. Ãœber viele Jahre hindurch las er mit mir regelmÃ¤ÃŸig Samstagnachmittags die Kritik der reinen Vernunft. Nicht im leisesten Ã¼bertreibe ich, wenn ich sage, daÃŸ ich dieser LektÃ¼re mehr verdanke, als meinen akademischen Lehrern.Â«[7] Adornos Festbeitrag wurde von Kracauer mit geteilter Sympathie aufgenommen. Das erfuhr Adorno und beschwerte sich darÃ¼ber wiederum bei Horkheimer. Die Rede Ã¼ber Kracauer sei recht hintersinnig. Sie Â»bezieht sich in dem was Ã¼ber K. negativ gesagt ist, indirekt, positiv, auf uns, Dich und mich. Vielleicht macht dir das StÃ¼ck ein wenig Freude. Den Kracauer scheint es nur geÃ¤rgert zu haben, obwohl er sich weiÃŸ Gott nicht beklagen kann; er hat bis jetzt mit keinem Wort darauf reagiert. Quand meme.Â«[8]</p>
<p>LÃ¶wenthal und Adorno kannten sich bis 1922 sehr wahrscheinlich nicht nÃ¤her. Es ist dem nun gemeinsamen Freund Friedel zu verdanken, daÃŸ sich die noch jungen Frankfurter Intellektuellen kennen lernen. Zumindest geht dies aus den Erinnerungen LÃ¶wenthals hervor. Â»Ein Jahr nach meiner ersten Begegnung mir Kracauer brachte er mich mit Adorno zusammen, der damals achtzehn Jahre alt war.Â«[9] Der Kontakt zwischen Kracauer und Adorno war zu dieser Zeit schon so eng, daÃŸ der Mentor und sein SchÃ¼ler Adorno, ein junger Mann von Â»herrlichem Ã¤uÃŸeren DaseinÂ« und mit einer Â»wundervollen SelbstverstÃ¤ndlichkeit des WesensÂ« bereits zusammen in die Sommerfrische fuhren. Adorno, so schreibt Kracauer am 4. Dezember 1921 an LÃ¶wenthal Â»ist ein schÃ¶nes Exemplar Mensch, und wenn ich auch nicht ohne Skepsis gegen seine Zukunft bin, so beglÃ¼ckt mich doch seine Gegenwart.Â« Als sich LÃ¶wenthal mit gelegentlichen Unterbrechungen aufgrund seines Studiums in Heidelberg zur Genesung von einer schweren Lungenkrankheit vom Oktober 1921 bis April 1922 in St. Blasien â€“ Menzenschwand  im Schwarzwald aufhielt, erfuhr er von Kracauer, wie sehr er wÃ¼nsche, daÃŸ sich LÃ¶wenthal und Teddie kennen lernen. Â»Dem Teddie, der jetzt Tanzstunde nimmt und Jimmie lernt, der ein Quartett geschrieben hat, das von dem RoseÃ©-Quartett im FrÃ¼hjahr aufge-fÃ¼hrt wird (18 Jahr â€“ der Bengel), der sich sehr danach sehnt, eine Frau zu lieben und Ã¼berhaupt â€“ dem Teddie erzÃ¤hle ich oft von Ihnen und er wÃ¼nscht, daÃŸ Sie bald kommen, damit er Sie kennenlernt und wir vielleicht zu Dritt Hegel lesen.Â«[10] </p>
<p>WÃ¤hrend Kracauer und Adorno schon gemeinsame Reisen unternahmen, bereits eine innige Beziehung zwischen beiden bestand, nÃ¤herten sich LÃ¶wenthal und Kracauer erst langsam an. Wie sehr dies von LÃ¶wenthal ausging, lÃ¤ÃŸt sich nicht genau rekonstruieren, da seine Briefe aus den zwanziger Jahren an Kracauer bisher nicht aufzufinden waren. Sicher ist aber, daÃŸ sich LÃ¶wenthal und Kracauer des Ã¶fteren bei Veranstaltungen von Rabbiner Nehemias Anton Nobel trafen. Rabbiner Nobel stand LÃ¶wenthal zu Beginn der zwanziger Jahre sehr nahe und unterstÃ¼tzte ihn finanziell, als sich herausstellte, daÃŸ LÃ¶wenthals Kuraufenthalt in St. Blasien kostspieliger wurde als erwartet. Die Festschrift, die der Nobel-Kreis zum 50. Geburtstag des Rabbiners erstellte, beinhaltet die oben erwÃ¤hnte Arbeit von Kracauer Gedanken Ã¼ber Freundschaft und LÃ¶wenthals Abhandlung Das DÃ¤monische. Entwurf einer negativen Religions-philosophie. Kracauer und Adorno lasen LÃ¶wenthals Â»JugendsÃ¼ndeÂ«, wie er es nannte, gemeinsam. AnstoÃŸ fÃ¼r diese Â»provokativeÂ« Arbeit war ein Seminar bei Karl Jaspers in Heidelberg und sein gerade erschienenes Buch Die Psychologie der Weltanschau-ungen. Von Kracauer erfahren wir Inhaltliches Ã¼ber die Arbeit LÃ¶wenthals: Â»Die Konzeption und der metaphysische Zug darin imponierte mir nach wie vor gewaltig. Ich verglich es mir meinem â€žAmrumâ€œ, das doch viel ich-hafter und von kleineren Dimensionen ist. Gerade weil mir diese Art metyphysischen Dranges und religiÃ¶ser Leidenschaft fehlt, bewundere ich sie an Ihnen und anderen (bei Lukacs, bei Bloch nicht).Â« Auch mit solidarischer Kritik sparte Kracauer nicht, eine Kritik, die LÃ¶wenthal einerseits schmeichelte, andererseits auch Ã¤rgern muÃŸte. Schmeichelhaft daran war, daÃŸ Kracauer selbst die Kritikpunkte an LÃ¶wenthal im Vergleich mit Ernst Bloch positiver bewertete. GeÃ¤rgert hat es LÃ¶wenthal, weil er Bloch sehr vereehrte und von diesem persÃ¶nlich erfahren hatte, daÃŸ er von seiner Arbeit ,Das DÃ¤monische` Â»ganz begeistert war.Â«[11] Im Brief vom 4. Dezember 1921 schreibt Kracauer an LÃ¶wenthal: Â»Ich vermisse in der SphÃ¤re des Begrifflichen die Zucht (obgleich Sie intellektuell immer noch sauberer als Bloch sind);[&#8230;]. Auch rein sprachlich ist manches auszusetzen, besonders etliche an Bloch gemahnende Wendungen stoÃŸen mich ab. [&#8230;].Scheeler soll einmal von Bloch gesagt haben, dessen Philosophie sein ein â€žAmoklauf zu Gottâ€œ. Ich finde, dies treffende Wort gilt auch fÃ¼r Sie. Freilich ich mÃ¶chte bei Ihnen den â€žAmoklaufâ€œ nicht missen, ich weiÃŸ, wie Sie leiden und wie echt das alles bei Ihnen ist (WÃ¤hrend es bei Bloch trotz etwaiger Echtheit doch Unzucht mit Gott, Unechtheit, Geilheit ist).Â«   </p>
<p>Charakterisierend fÃ¼r diesen unechten BlochÂ´schen Messianismus zitiert Kracauer LÃ¶wenthals Â»ausgezeichnetes WortÂ« von der Â»blasphemischen FrÃ¶mmigkeitÂ« aus seiner Arbeit â€žDas DÃ¤monischeâ€œ.</p>
<p>LÃ¶wenthals Studienbeginn in Heidelberg gestaltete sich schwierig, trotz einiger enger Freundschaften zum Beispiel mit Erich Fromm und Frieda Reichmann, trotz aufschluÃŸreicher Seminare bei Alfred Weber, Karl Jaspers und Heinrich Rickert, trotz aufwÃ¼hlender philosophischer GesprÃ¤che, so mit Ernst Bloch. Suizidgedanken plagten ihn, ein Testament hatte er schon verfasst. Ernst Bloch war darin bedacht worden. Er sollte LÃ¶wenthals BÃ¼cher erben. LÃ¶wenthals Lungentuberkolose verschlimmerte sich, die gewollte NÃ¤he zu Friedel stellte sich erst langsam ein. Die Liebe zu Golde Ginsburg, aus einem jÃ¼dischen Elternhaus in KÃ¶nigs-berg stammend und enge Freundin von Frieda Reichmann, konnte LÃ¶wenthal nur gegen den Willen des Elternhauses aufrecht erhalten. Der Streit mit dem assimilierten Vater Victor nahm durch diese Bindung an Heftigkeit zu, weil sich der Sohn nun noch intensiver der jÃ¼dischen Tradition zuwandte. </p>
<p>Der von LÃ¶wenthal verehrte Rabbiner Nobel starb am 24. Januar 192212]. Sein Tod lÃ¶ste erneut eine tiefe seelische Krise bei dem jungen Studenten aus. In einem Nachruf schreibt er darÃ¼ber: Â»Mich traf dieser Tod mit der Wucht und Unerwartetheit eines groÃŸen kosmischen Ereignisses, nein, wie der Sturz eines ganzen Kosmos.Â«[13] Kracauer, der auch von Nobels Tod Â»unbeschreiblich erschÃ¼ttertÂ« war, wie er LÃ¶wenthal  wissen lieÃŸ, hatte schon zuvor in der Frankfurter Zeitung (FZ), fÃ¼r die er ab Januar 1921 hÃ¤ufiger schrieb und dort ab November 1924 eine geregelte Anstellung erhielt, einen Nachruf auf Nobel verÃ¶ffentlicht.</p>
<p>LÃ¶wenthal war auf der Suche nach Halt und die von Kracauer gereichte Hand ergriff der sich in Schwermut befindende junge Student gerne. Auf Rabbiner Nobel Beerdigung hatte er Kracauer wieder einmal persÃ¶nlich getroffen und ihm dort in seinem tiefen Schmerz Ã¼ber den Verlust seines GÃ¶nners und Mentors das â€žDuâ€œ angeboten. Kracauer antwortete erst drei Wochen spÃ¤ter mit ergreifenden Worten auf diese ersehnte Geste. Die Zeilen zeugen von Kracauers innigem Wunsch LÃ¶wenthal nÃ¤her zu sein, als es bisher der Fall gewesen war. Sein beeindruckender Brief vom 12. Februar 1922 steht exemplarisch fÃ¼r die Â»stete FreundschaftÂ« zwischen ihm und LÃ¶wenthal. Â»Mit einer ganz persÃ¶nlichen Bemerkung will ich beginnen. Als wir vor kurzem uns wiedersahen, wuÃŸte ich â€“ ich wuÃŸte es schon vorher â€“ daÃŸ das innerlich lÃ¤ngst gesagt Du zwischen uns ausgesprochen zu werden verlangte. Ich schwieg, weil wir uns nicht allein sahen und auch der AnlaÃŸ des Zusammenseins Schweigen Ã¼ber das PersÃ¶nliche auferlegte. Nun hast Du das Wort, dieses wahrhaft wundersame Wort, aus seiner Heimlichkeit erlÃ¶st und ich danke Dir sehr dafÃ¼r, ich bin glÃ¼cklich darÃ¼ber. Nicht immer hat das Du zwischen den Menschen Bedeutung, aber bei Menschen, wie wir es sind, ist es Geschenk, ErfÃ¼llung, Versprechen, voller Magie und ZÃ¤rtlichkeit. Meinst Du nicht auch? DaÃŸ Du zu meinem Leben gehÃ¶rst, wirst Du genauso wissen, wie ich weiÃŸ, daÃŸ ich Dir etwas bedeute. Da bin ich nÃ¤rrischer Kerl nun dabei, Dir beinahe so etwas wie einen Liebesbrief zu schreiben â€“ vielleicht ist es die Kraft des erstmalig gebrauchten Wortes, das so die Zunge lÃ¶st.Â« </p>
<p>Die NÃ¤he, die Kracauer LÃ¶wenthal gestand, hatte sich bereits in sein Innerstes eingebrannt. Der Brief erinnert sehr an das, was Kracauer in Gedanken Ã¼ber Freundschaft als die Idealgemeinschaft zwischen Freunden beschrieben hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Begegnungen und GesprÃ¤che Â»Ãœbergang, Entwicklung, VorspielÂ« zur wahren Freundschaft. Die Â»BegleitgefÃ¼hleÂ«, wie Â»Sehnsucht nach WÃ¤rme, eine halb unbewuÃŸte Zuneigung zu dem betreffenden Menschen, gegenseitiges seelisches AbtastenÂ«, hatten sich nun in der Tiefe der Â»unbegrifflichen SphÃ¤re des MenschseinsÂ« [14] verfestigt. Im August 1922 verbringen Friedel und Leo den Sommerurlaub im AllgÃ¤u. Es sollte die einzige gemeinsame Reise bleiben. </p>
<p>Im Sommersemester 1923 legte Leo LÃ¶wenthal an der Sozialwissenschaftlichen FakultÃ¤t in Frankfurt am Main seine Dissertation Die SozietÃ¤tsphilosophie Franz von Baaders. Beispiel und Problem einer religiÃ¶sen Soziologie vor. Seine Promotion schloÃŸ er dort am 4. Mai 1925 ab. WÃ¤hrend der Kontakt zwischen Adorno und Kracauer in Frankfurt eng blieb, sie gemeinsame Zeiten in Amorbach, an der BergstraÃŸe, in Bad Ãœberkingen bei Ulm verbrachten, und noch 1925, als die ersten Spannungen zwischen beiden schon aufgetreten waren, ein lÃ¤ngere Reise durch Italien unternahmen, verschlug es LÃ¶wenthal aus privaten, teilweise auch beruflichen GrÃ¼nden an andere Orte. </p>
<p>Gemeinsam von Adorno und Kracauer verfaÃŸte Briefe im Jahr 1923 aus dem Kurort Bad Ãœberkingen, erreichten LÃ¶wenthal in Rauschen[15] und KÃ¶nigsberg. Lorenz JÃ¤ger hat in seiner Adorno-Biografie[16] eine aufschluÃŸreiche Interpretation dieser gemeinsamen Briefe vorgelegt, die dort gefÃ¼hrte Debatte um den Disput zwischen Martin Buber und Franz Rosenzweig hervorragend wiedergegeben, so daÃŸ der zweite Teil des Beitrages, der in der nÃ¤chsten Ausgabe erscheinen wird,  mit den Passagen zu Ernst Bloch beginnen wird.</p>
<p>Alle Briefzitate sind dem Band Leo LÃ¶wenthal/Siegfried Kracauer. In steter Freundschaft. Briefwechsel 1921-1966. Hg. Peter-Erwin Jansen und Christian Schmidt. Einleitung Martin Jay, LÃ¼neburg 2003 entnommen.<br />
2 Siegfried Kracauer. Ãœber die Freundschaft, Logos, Bd. VII, 1917/18, Heft 2. Hier zitiert nach: Gabe. Herrn Rabbiner Dr. Nobel zum 50. Geburtstag dargebracht von Martin Buber, Siegfried Kracauer, Leo LÃ¶wenthal u.a., Frankfurt/M. 1921, S. 26. In dem exzellenten  Artikel Die Entdeckung der jÃ¼dischen Wurzeln befasst sich Rachel Heuberger mit dem  Frankfurter Kreis um den Rabbiner Dr. Nobel. In: Das Utopische soll Funken schlagen. Zum hundertsten Geburtstag von Leo LÃ¶wenthal. Hrsg. Peter-Erwin Jansen, Frankfurt a.M. 2000.<br />
3 Ebda, S. 29<br />
4 Leo LÃ¶wenthal. Mitmachen wollte ich nie. Ein autobiografisches GesprÃ¤ch mit Helmut Dubiel, Frankfurt a.M. 1980, S. 17.<br />
5 Vgl. Leo LÃ¶wenthal. Schriften Bd. 4. Hg. von Helmut Dubiel, Frankfurt a.M. 1984, S. 75 ff.<br />
6 a.a.O. LÃ¶wenthal/Kracauer, 2003, S. 268/269.<br />
7 Zitiert nach: Adorno in Frankfurt. Hg. Wolfram SchÃ¼tte, Frankfurt a.M. 2003, S. 54<br />
8 Max Horkheimer. Gesammelte Schriften, Bd. 18. (Hg.) Gunzelin Schmid Noerr, Frankfurt a.M. 1996, S. 576.<br />
9 vgl. FuÃŸnote 6.<br />
10 a.a.O., LÃ¶wenthal/Kracauer, 2003, S. 28. Jimmy meint Shimmy, ein Swing-Tanz der zwanziger Jahre.<br />
11 a.a.o. LÃ¶wenthal, 1980, S. 59.<br />
12 Nehemias Anton Nobel (1871-1922) war Rabbiner in Frankfurt. Zu Nobel vgl. FuÃŸnote 1.<br />
13 In: Der jÃ¼dische Student. Zeitschrift des Kartells fÃ¼r jÃ¼dische Verbindungen (K.i.V.), MÃ¤rz 1922)<br />
14 a.a.O. LÃ¶wenthal/Kracauer, 2003, S. 37.<br />
15 Rauschen liegt in OstpreuÃŸen (heute: Swetlogorsk), Ostseebad in Samland, nÃ¶rdlich von KÃ¶nigsberg.<br />
16 Lorenz JÃ¤ger. Adorno. Eine politische Biog. Alle Briefzitate sind dem Band Leo LÃ¶wenthal/Siegfried Kracauer. In steter Freundschaft. Briefwechsel 1921-1966. Hg. Peter-Erwin Jansen und Christian Schmidt. Einleitung Martin Jay, LÃ¼neburg 2003 entnommen.</p>
<p><strong>Siegfried Kracauer, Leo LÃ¶wenthal und der geheime Dritte: Theodor W. Adorno â€“ Teil II</strong></p>
<p>Von Peter-Erwin Jansen</p>
<p>Zentrales Thema Ã¼ber Bloch war Kracauers Ã¤uÃŸerst kritische Rezension von Blochs Thomas MÃ¼nzer und dessen harsche Reaktion darauf in seiner Essaysammlung Durch die WÃ¼ste von 1923. Bloch attackierte den ablehnenden Rezensenten in aggresiver From. In Kracauers Rezension sehe er Â»einen kleinen Mann vor sich, der zu beschrÃ¤nkt ist fÃ¼r sein Vorhaben und nicht merkt, wie sehr er sich vergreift; [&#8230;] Die Kracauers (zuerst nur redlich dummes MittelmaÃŸ) werden gereizt aus KÃ¼mmerlichkeit, schuldig aus purer Insuffizienz, aber niedertrÃ¤chtig schlieÃŸlich mit Methode.Â«1 Zwei Menschen standen sich ablehnend gegenÃ¼ber, die LÃ¶wenthal schÃ¤tzte. Kracauer wuÃŸte von LÃ¶wenthal, daÃŸ er und Bloch auch privaten Kontakt hatten, miteinander diskutierten. Das miÃŸfiel ihm und er kÃ¤mpfte um LÃ¶wenthal, indem er gegen Bloch polemisierte, in der Hoffnung Â»die Blochgrippe [bei LÃ¶wenthal, P.E.J.)] werde ja auch einmal weichen.Â« (16. Oktober 1923) Infiziert hatte sich LÃ¶wenthal mit Sicherheit bei Bloch. Denn zwei frÃ¼he Texte, die ich neben den Briefen bei RÃ¤umungsarbeiten mit Susanne LÃ¶wenthal im Keller in Berkeley im Jahr 2000 entdeckte, diskutieren und rekonstruieren den Utopie-Begriff in den Staatsromanen von Thomas Morus und Campanella. Der Hintergrund dieses Textes stellt ohne Zweifel Blochs EinfluÃŸ auf LÃ¶wenthal und Blochs 1918 erstmals erschienes Buch Der Geist der Utopie dar. Nach LÃ¶wenthal entsteht das BedÃ¼rfnis nach Utopien in den Â»Zeiten des Ãœbergangs, des Unsicherwerdens, der AuflÃ¶sungÂ«. Â»Zeiten, in denen feste Inhalte der Kultur verloren gehen, fragwÃ¼rdig werden und in denen dann Denker, die diese eigentÃ¼mliche Struktur ihrer Zeit erfassen, beginnen, sich Rechenschaft Ã¼ber alles zu geben. Die Selbstbesinnung ist die Wurzel der Utopie.Â« (unverÃ¶ffentlichtes Manuskript, Morus, Campanella, S.1)</p>
<p>Die von Kracauer und Adorno gemeinsam verfassten Briefe aus Ãœberkingen sind getragen von einer intellektuellen und persÃ¶nlichen Leichtigkeit, die LÃ¶wenthal teilhaben lÃ¤ÃŸt an den theoretischen Diskussionen und privaten Problemen der beiden Sommerfrischler. Beide gehen auf LÃ¶wenthal zu, bauen ihm BrÃ¼cken, die es ihm einfach machen kÃ¶nnten, ein freundschaftliches Triumvirat entstehen zu lassen. Die Chancen dafÃ¼r waren nicht schlecht und doch aussichtslos. Zu unterschiedlich waren die Charakteere der drei, zu unterschiedlich die wissen-schaftlichen und schriftstellerischen Interessen in diesen Jahren. Neben seinen Verpflichtungen fÃ¼r die FZ schrieb Kracauer an seinem Detektivroman; Adorno komponierte und verfaÃŸte seine musikkritischen und musiktheoretischen Arbeiten, war auf dem Sprung nach Wien, LÃ¶wenthal war beschÃ¤ftigt mit jÃ¼discher Philosophie und arbeitete praktisch als Sozialarbeiter fÃ¼r ostjÃ¼dische FlÃ¼chtlinge. </p>
<p>Kracauer beginnt den Brief vom 22. August 1923 aus dem Urlaub mit Adorno: Â»Teddie und ich sind erstaunt, daÃŸ Du uns nicht geschrieben hast. Wir wissen nicht, wo Du steckst; ob noch in Frankfurt oder an anderen Orten. Warum bist Du nicht in die NÃ¤he gekommen, nach Honau, wie ich vorschlug? Vor einigen Tagen war hier Platz, wir hÃ¤tten Dich untergebracht.Â« Adorno fÃ¤hrt besorgt fort:Â»Lieber Leo, was ist mit Dir? Wir sind unruhig, nichts von Dir zu hÃ¶ren, ohne zu wissen, was an Konfliktstoff zwischen uns gelegen sein sollte!Â« Selbst an LÃ¶wenthals Baader-Arbeit denkt Adorno: Â»Zu Deiner Baader-Arbeit komme ich bestimmt. LaÃŸ endlich von Dir hÃ¶ren.Â« Er schlieÃŸt: Â»Immer Dein Teddie.Â« Diese Wendung schrieb er auch auf ein kleines PaÃŸbild, daÃŸ er um 1922/23 an LÃ¶wenthal schickte. </p>
<p>Religion und Philosophie</p>
<p>Wo steckte LÃ¶wenthal? Intellektuell steckte LÃ¶wenthal mit beiden Ohren in der jÃ¼dischen Philosophie, arbeitete Ã¼ber Moses Maimonides, den bedeutendsten Denker des mittelalterlichen Judentums, der von 1135 bis 1204 in Spanien, dann in Marokko lebte und Ã¼ber PalÃ¤stina nach Ã„gypten zog. LÃ¶wenthal analysiert die Philosophie Maimonides, wie er sie in seinem Hauptwerk More Nebuchim entwickelt hat und setzt sie in Beziehung zu Hermann Cohens zentralem Vorhaben, eine Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums in erkennt-niskritischer Absicht zu begrÃ¼nden. SchlieÃŸlich ging er mit Golde Ginsburg nach KÃ¶nigsberg, wo er auf ein orthodox jÃ¼disches Umfeld traf. </p>
<p>BeeinfluÃŸt durch Erich Fromm, Golde Ginsburg und Ernst Simon hatte LÃ¶wenthal begonnen sich bei der Â»FlÃ¼chtlingsstelle fÃ¼r ostjÃ¼dische FlÃ¼chtlingeÂ«, erst in Frankfurt, dann in Berlin zu engagieren, ein Engagement, daÃŸ der Familie Adorno nicht besonders zusagte. LÃ¶wenthal erhielt Hausverbot bei Adornos. Diese TÃ¤tigkeit provozierte Kracauer und Adorno 1923 einen Briefumschlag mit Â»Generaldirektion des FÃ¼rsorgeamts fÃ¼r Transzendentale ObdachloseÂ« zu Ã¼berschreiben, der nach KÃ¶nigsberg adressiert war. Eine Anspielung an Georg Lukacs Formulierung der Transzendentalen Obdachlosigkeit in seinem Werk Theorie des Romans, daÃŸ die Frankfurter kannten und sehr schÃ¤tzten. </p>
<p>In der Auseinandersetzung mit seinem Elternhaus nahm LÃ¶wenthal von April bis Juli 1924 in Zwickau2 eine Halbtagsstelle bei dem von Martin Buber und Salmon Schocken gegrÃ¼ndeten Â»HauptausschuÃŸ fÃ¼r jÃ¼dische KulturarbeitÂ« an. Dort studierte er nebenbei HebrÃ¤isch, was Kracauer gar nicht gefiel. Er fand es gar Â»jammerbarÂ« wenn LÃ¶wenthal sich nun als HebrÃ¤ist etabliere, Â»der europÃ¤isches Philosophieren verachtet.Â«. Der Â»areligiÃ¶seÂ« Kracauer warnte LÃ¶wenthal davor sich Â»buberisieren oder gar scholemisierenÂ« zu lassen. </p>
<p>Leo und Golde zuvor hatten im Dezember 1923 nach jÃ¼dischen Riten heimlich in KÃ¶nigsberg geheiratet. Darauf reagierten die in Frankfurt zurÃ¼ck-gebliebenen Freunde in einem gemein-samen Brief. Kracauer erÃ¶ffnet: Â»Lieber Leo, Deinen Brief habe ich erhalten, und die VermÃ¤hlungsanzeige gleich befÃ¶rdert; sie steht im heutigen II. Morgenblatt (der FZ). Von der kirchlichen Trauung hatte ich nichts Bestimmtes gewuÃŸt und Dir darum nicht geschrieben; auÃŸerdem dachte ich tatsÃ¤chlich, Du kÃ¤mest in ein paar Tagen zurÃ¼ck. Weitschweifend fÃ¤hrt Adorno fort: Â»Freilich, lieber Leo, bei tieferer charakterologischer Versenkung hÃ¤tten wir auf die Nachricht von der Wahrscheinlichkeit Deiner kirchlichen (sit venia verbo â€“ man verzeihe den Ausdruck) Trauung ohne weiteres die GewiÃŸheit dieser Trauung annehmen kÃ¶nnen; aber um solche psychologische Einsichten zu gewinnen (ohne, daÃŸ EntschluÃŸ und Geschehen bei Dir ohne weiteres zusammenfallen), hÃ¤tte man sich schon als schlechter Zuschauer aus der wirklichen Beziehung lÃ¶sen mÃ¼ssen. Dies soll eine Ideologie fÃ¼r mein VersÃ¤umnis sein; falls Du aber an Ideologie zu glauben nicht gesonnen sein solltest, bitte ich Dich recht herzlich um Verzeihung und wÃ¼nsche â€“ magst Du die Ideologie glauben oder nicht â€“ Dir und Golde alles Gute&#8230;[&#8230;].Â« Auf Adornos Worte eingehend, reagiert Kracauer in bissig ironischer Weise: Â»Solche pseudo-philosophischen Edelschmonzetten hÃ¤lt Teddie fÃ¼r naiv und bevorzugt sie in der leichten Unterhaltung, also in Briefen, Seminaren, GesprÃ¤chen mit jungen Damen usw. seine (eigentlich) schriftstellerischen Leistungen sind, wie Du ja weiÃŸt, so gehalten, daÃŸ die aus Benjamins Gehirnwindungen ausgewundenen SkurrilitÃ¤ten sich daneben wie sabbriges SÃ¤uglingsgestammel ausnehmen. Wenn er eines Tages eine reelle LiebeserklÃ¤rung machen wird, um aus dem Stand der vollendeten junggesellenhaften SÃ¼ndhaftigkeit in den der ebenso vollendet ehelichen Scheinhaftigkeit zu treten, dann wird er sie gewiÃŸ so schwierig gestalten, daÃŸ die junge Dame, die er gemeint und die ihm gemeint ist, den ganzen Kierkegard â€“ zumal die Krankheit zum Tode und die Brocken â€“ gelesen haben muÃŸ, um ihn Ã¼berhaupt zu verstehen, oder auch miÃŸzuverstehen und abzuweisen.Â«3 Adorno konterte: Â»Seine Insufizienz hat natÃ¼rlich wieder nichts verstanden [&#8230;].Â« </p>
<p>Mit diesem Brief endete das postalische DreiecksverhÃ¤ltnis. In Zukunft schrieb Friedel an Leo ohne, aber weiter Ã¼ber Teddie. Kracauers folgende Briefe lesen sich wie ein Tagebuch der Trennung von Adorno und es ist hÃ¶chst bedauerlich, daÃŸ wir wegen der bisher fehlenden Antwortbriefe von LÃ¶wenthal Ã¼ber dessen Reaktionen nichts erfahren konnten. Kracauers Â»SeelenschwingungenÂ« schienen ihn zu zerreiÃŸen. Sie pendelten zwischen dem spÃ¼rbaren Verlust seines Â»LieblingsschÃ¼lersÂ« Adorno, der in den Jahren 1924/1925 immer offensichtlicher wurde, sich auch bald in Ã¶rtlicher Trennung niederschlug und dem BemÃ¼hen um den neuen Freund, dessen Bloch-Verehrung die intensive NÃ¤he zu gefÃ¤hrden schien. Folgt man den Bemerkungen zu Adorno in den Briefen an LÃ¶wenthal, so formten sich die ersten Risse in der Freundschaft zwischen Adorno und Kracauer im Jahr 1924. Ein Ende der Brieffreundschaft lÃ¤ÃŸt sich allerdings zu dieser Zeit nicht konstatieren. Davon zeugt der noch unverÃ¶ffentlichte Briefwechsel zwischen Kracauer und Adorno, aus dem, wie Detlev Claussen in seiner auffallenden und eigenwilligen Adorno-Biografie4 bemerkt hat, nichts verÃ¶ffentlicht werden darf. Daher bleibt auch mir nur die MÃ¶glichkeit von knappen Anmerkungen zu dem Briefwechsel, der im Marbacher Literaturarchiv liegt. </p>
<p>Adorno hielt den alten UrlaubsgefÃ¤hrten Ã¼ber seine Zeit in Wien auf dem Laufenden. Am 8. MÃ¤rz 1925 berichtete er von dort, ein lÃ¤ngerer Aufenthalt in Wien sei ausgeschlossen, Â»geschweige denn gar, daÃŸ mich hier Mensch oder Sache von Dir zu trennen vermÃ¶chte.Â« Adorno berichtet ihm von seinen Begegnungen mit Soma Morgenstern, Â»ein intensiver Mensch und dialektisch begabt, aber doch wohl bescheidenen FormatsÂ«. Morgenstern, der gerne nach Frankfurt zu Kracauer kommen wollte, hatte Adorno mit Georg Lukacs bekannt gemacht; ein, wie er Kracauer am 14. Juni 1925 schreibt: Â»&#8230;kleiner, zarter, ungeschickt blonder Ostjude mit einer talmudischen Nase und wunderbaren unergrÃ¼ndlichen Augen.Â« Er sei eine Person Â»durchdrungen von SchÃ¼chternheitÂ«, ein Â»Ideal der UnscheinbarkeitÂ«. Eine ausfÃ¼hrliche Wiedergabe des GesprÃ¤chs mit Lukacs folgte. Adorno teilt Kracauer detailliert seine EindrÃ¼cke zu Arnold SchÃ¶nberg und Alban Berg mit, erwÃ¤hnt, daÃŸ er Karl Kraus gehÃ¶rt habe, eine Â»prophetische GestaltÂ«, der Â»zu angestrengt geistreichÂ« sei, als daÃŸ sich Adorno von ihm Â»gelangweilt fÃ¼hlte.Â« </p>
<p>Die Briefstellen Kracauers an LÃ¶wenthal Ã¼ber Adorno lassen dem gegenÃ¼ber die schmerzvolle LoslÃ¶sung Kracauers von Adorno sichtbar werden. Am 6. Juni 1924 schreibt er an LÃ¶wenthal: Â»Die Beziehung zu Teddie, nach der Du mich erkundigst, brÃ¶ckelt langsam ab; er weiÃŸ es nicht, aber gerade deshalb&#8230; denn wenn er es merkte, wÃ¤re ja Hoffnung vorhanden. In den letzten Wochen hat er seine Doktorarbeit rasend schnell hingeschrieben: Husserl, in CorneliusÂ´scher Terminiologie angeschaut und kritisiert â€“ gescheit und gediegen, aber objektiv, wie ihm bewuÃŸt ist, hÃ¶chst belanglos&#8230;Er sagte immer, daÃŸ er Dir schreiben wolle, Hat er? Sicher nicht. Er wird stets das Menschlich-Wesentliche vergessen Ã¼ber irgendeiner Wichtigkeit, die nicht wichtig ist. Ich bin bitter und wohl ungerecht, aber das sind die Nachwehen des durch Teddie Erfahrenen â€“ eines der schmerzlichsten (Du hast recht: auch typischen) Erlebnisse meines Lebens.Â« Sechs Wochen spÃ¤ter bemerkt Kracauer: Â»Teddie hat gestern seinen Doktor gemacht: summa. Wieder eine Stufe hÃ¶her. Er hatte sich auÃŸerdem erfolgreich auf erotische  Abenteuer begeben, was Dir hiermit berichtet sei. An den GefÃ¼hlen, die ich dabei hatte, merkte ich, wie sehr ich ihn wirklich liebte. Ich sagte es ihm auch. Nun bin ich in einem ProzeÃŸ der wirklichen, erzwungenen AblÃ¶sung, denn die Leidenschaft fÃ¼r ihn ist wirklich verderblich und nahm Dimensionen an, die erschrecken.Â« Adornos Dissertation, die er Â»rasend schnellÂ« verfaÃŸt hatte, lautet Die Transzendenz des Dinglichen und Noematischen in Husserls PhÃ¤nomenologie. </p>
<p>Trotz der Erosion der freundschaftlichen Beziehung unternahmen Friedel und Teddie noch zwei gemeinsame Reisen. Die erste fÃ¼hrte sie im August 1924 in die Dolomiten. Auch darÃ¼ber berichtet Kracauer LÃ¶wenthal, der ihm in einem Brief zuvor nicht nur seine tiefe Zuneigung zu Kracauer gestanden hatte, sondern auch anklingen lieÃŸ, daÃŸ er Â»eifersÃ¼chtigÂ« auf Adorno sei.  Â»Mit der Eifersucht, das verstehe ich nur zu gut und, gemein genug ich bin  beinahe zufrieden, daÃŸ Du wegen meiner eifersÃ¼chtig bist, so fÃ¼hle ich mich doch begehrt, was ich seit Ewigkeiten nicht mehr erleben durfte. Die Reise mit dem Teddie war aus GrÃ¼nden, die ich Dir mÃ¼ndlich sagen werde, sehr qualvoll fÃ¼r mich, wie schÃ¶ne Gegenden wir auch durchfuhren.Â« Am Gardasee trennten wir uns Samstag vor acht Tagen; ich muÃŸte allein zurÃ¼ck, er wird noch bis Anfang Oktober in Gesellschaft seiner Tante in Italien (Venedig, Florenz, usw.) sein. Glaube mir dies: meine Liebe zu Dir, meine AktualitÃ¤t in der Beziehung, das alles ist unverÃ¤ndert, nur der Mangel an Gegenwart macht die IntensitÃ¤t verblassen, wie Ã¼berhaupt das PhÃ¤nomen der Abwesenheit das der Passion GefÃ¤hrlichste ist, da die Ãœberzeugung der Treue nur dem Leidenschaftslosen zum Troste gereicht. Wesentlich wird sein, daÃŸ wir uns bald sehen und ich mÃ¶chte so gerne, daÃŸ Du wieder dauernd in Frankfurt sein kÃ¶nntest.Â« Die Bemerkungen Ã¼ber Adorno in den Briefen werden seltener. Ãœber die letzte Reise Kracauers und Adornos im September 1925 nach Genua, Neapel und Positano erfahren wir nichts. Allerdings, wer je die Amalfi-KÃ¼ste besuchte, weiÃŸ, wie authentisch Kracauers Beschreibung der SteilkÃ¼ste Amalfis ist, wie abbildhaft er in Der Felsenwahn von Positano5 das zerklÃ¼ftete und Ã¼berwÃ¤ltigende Landschaftsbild dieser Region einfÃ¤ngt. </p>
<p>LÃ¶wenthal wird in einem weitern bisher unverÃ¶ffentlichten Brief von Adorno an Kracauer aus dem September 1926 noch einmal ins Zentrum rÃ¼cken. Es geht um das gescheiterte Habilitations-Verfahren Adornos bei Cornelius in Frankfurt. Adorno fragt Kracauer, ob er bei LÃ¶wenthal intervenieren kÃ¶nne, damit dieser seine geplante Habilitationsschrift Helvetius zurÃ¼ckziehe. Â»Ich muÃŸ Dich hier um einen praktischen Rat fragen. Es handelt sich um Leo, dessen Wolfsnatur eben wieder ganz obenauf ist. Du weiÃŸt, daÃŸ er nach mir â€“ und durch meine Vorbereitung zum Cornelius Examen angeregt â€“ den Plan faÃŸte, sich auch bei Cornelius zu habilitieren. Die Habilitation ist aber nur fÃ¼r einen von uns mÃ¶glich und Leo ist nun dabei, dieser eine an meiner Statt zu sein.[&#8230;]Â« FÃ¼r Adorno sei diese Sache kein Scherz, denn miÃŸlinge die Habilitation, sei ihm von zuhause das juristische Studium mit Examina angedroht worden, wozu er keinerlei Neigung habe. Daher richte er sich an Kracauer: Â»Ich muÃŸ Dich um Dein Eingreifen bitten und tue es nicht einmal so ungern, wie es etwa gefordert wÃ¤re.Â« (Adorno an Kracauer am 17. September nach Marseille). Adorno habilitierte sich nicht bei Cornelius, sondern 1930 bei Paul Tillich mit der Arbeit Kierkegaard, Konstruktion des Ã„sthetischen. LÃ¶wenthal konnte sein Habilitationsverfahren nicht mehr abschlieÃŸen, obwohl Max Hork-heimer schon ein positives Gutachten Ã¼ber seine Helvetius-Schrift6 verfaÃŸt hatte. </p>
<p>Zwischen 1926 und 1930 trafen sich die ungleichen Freunde wieder hÃ¤ufiger in ihrer Geburtsstadt. Sie befanden sich alle drei in einer Ã¤uÃŸerst produktiven Phase. LÃ¶wenthal war mittlerweile Studienassesor an der WÃ¶hlerschule geworden, hatte sich auch am Freien JÃ¼dischen Lehrhaus ein wenig etabliert. DarÃ¼ber hinaus hielt er an der Volkshochschule VortrÃ¤ge Ã¼ber Cervantes, Flaubert, Zola, Shakespeare und andere Schriftsteller. AuÃŸerdem schrieb er regelmÃ¤ÃŸig fÃ¼r die in Frankfurt erscheinenden Mitteilungen der VolksbÃ¼hne und fÃ¼r die in Berlin erscheinende Zeitschrift fÃ¼r Soziale Theaterpolitik und Kunstpflege. Die VolksbÃ¼hne. Arbeiten Ã¼ber Lassalle, Marx, Freud und Moses Mendelsohn erschienen in jÃ¼dischen Publikationsorganen, wie in der JÃ¼dischen Wochen-schau. Seit 1926 war er Stipendiat am Institut fÃ¼r Sozialforschung und wurde 1930 offizielles Mitglied. </p>
<p>Adorno verfaÃŸte seine zweite Habilitationsschrift Ã¼ber Kierkegaard, schrieb zahlreiche musiktheoretische Arbeiten und war Redakteur beim Aufbruch. Nicht nur die privaten Kontakte, sondern die Arbeitszu-sammenhÃ¤nge mit Max Horkheimer wurden intensiver. Auch Kracauer befand sich, trotz seiner seelischen StÃ¶rungen, in einem Ã¤uÃŸerst produktiven  schriftstellerischen Lebensabschnitt. RegelmÃ¤ÃŸig erschienen seine Feuilleton-AufsÃ¤tze in der FZ. Parallel dazu schrieb er an seinem Roman Ginster, der 1928 in einer Fortsetzungsserie in der FZ erscheinen sollte. Kurz darauf begann er bereits mit seinem neuen Roman Georg, der als Fragment 1929 in der FZ abgedruckt wurde. Er wird kurze Zeit spÃ¤ter Feuilleton-Chef der FZ in Berlin und schlieÃŸt noch 1929 seine Studie Die Angestellten ab, die 1930 in Frankfurt erschien. </p>
<p>Das Ã¶rtliche Band, daÃŸ die drei weiter in freundschaftlicher Spannung zusammenhÃ¤lt, reiÃŸt schlieÃŸlich mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Die erzwungene Emigration fÃ¼hrt LÃ¶wenthal 1934 Ã¼ber Genf nach New York, Adorno 1934 nach Oxford und 1938 in die USA. Die Emigration der beiden jÃ¼ngeren Wissenschaftler scheint gegenÃ¼ber dem, was Kracauer auf seiner Odyssee widerfuhr, relativ unkompliziert gewesen zu sein. </p>
<p>Kracauer und seine Frau Lili Ehrenreich, flohen zuerst nach Paris. Dort lebten sie nicht nur unter groÃŸen finanziellen Sorgen, sondern auch unter der permanenten Bedrohung von den Schergen der Gestapo oder von franzÃ¶sischen Kollaborateuren des Vichy-Regimes entdeckt zu werden. Erstmals zeigt der Briefwechsel zwischen LÃ¶wenthal und Kracauer, wie dramatisch sich dieses Leben Ã¼ber annÃ¤hernd acht Jahre gestaltete und daÃŸ LÃ¶wenthal sich stÃ¤ndig darum bemÃ¼hte, die Kracauers aus Europa herauszubekommen. Das gelang dann Ã¼ber den Fluchtweg, von dem sich auch Walter Benjamin eine Rettung versprach, die ihm nicht gelingen sollte. Mit Hilfe verschiedener jÃ¼discher Hilfsorganisation wie der Hebrew Immigration Aid Society (HIAS) und LÃ¶wenthals UnterstÃ¼tzungsgesuche bei Thomas Mann, Paul Tillich und anderen schafften es Kracauers Ã¼ber Spanien, den letzten offenen Hafen in Lissabon zu erreichen. Am 28. MÃ¤rz 1941 zeigt Kracauer LÃ¶wenthal seine bevorstehende Ankunft in New York an: Â»Lieber Leo, heute nur die Mitteilung, daÃŸ wir voraus-sichtlich mit der â€žNyassaâ€œ kommen, die am 15. April hier abfÃ¤hrt; wenn nichts dazwischen kommt, werden wir zwischen dem 25. und 30. April in New York eintreffen. Wirst Du als Affidavitgeber, als Freund am Pier sein kÃ¶nnen? Wie glÃ¼cklich wÃ¤ren wir darÃ¼ber.Â« TatsÃ¤chlich empfingen Leo und Golde LÃ¶wenthal Friedel und Lili Kracauer am 25. April 1941 am Pier in New York. </p>
<p>Der Â»geheime DritteÂ« im Bunde, dieses Â»schÃ¶ne Exemplar MenschÂ« (Kracauer) aus gemeinsamen Jugendzeiten, ist im weiteren Verlauf des Briefwechsels zwischen den in den USA verbleibenden Kracauer und LÃ¶wenthal nur noch gelegentlich ein Thema. Diesen seltenen ErwÃ¤hnungen Ã¼ber Adorno, der 1949 nach Deutschland re-emigrierte, ist stets der schmerzhafte Verlust der engen, freundschaftlichen Bindung anzumerken. Neben Lob fÃ¼r Adornos wissenschaftliche Leistungen, Â»ich bin sehr stolz auf TeddieÂ«, steht Kritik. Als Kracauer im August 1951 eine lobende Besprechung der Dialektik der AufklÃ¤rung liest, schreibt er an LÃ¶wenthal: Â»Ich schrieb ihm (Adorno, P.E.J.), daÃŸ ich stolz sei auf seinen Ruhm, was ihn sicher glÃ¼cklich machte, und daÃŸ ich mit irgendeinem Artikel von ihm nun wirklich nichts anfangen kÃ¶nne, worÃ¼ber er weniger glÃ¼cklich war.Â« (26. Oktober 1955). Als Adorno Kracauer 1960 die 1957 erstmals erschienen Drei Studien zu Hegel zusendet, lobt er gegenÃ¼ber LÃ¶wenthal, die Apologie Hegels sei wirklich Â»geistreich und blendendÂ«, schrÃ¤nkt aber sogleich ein: Â»Aber auch hier wieder verfÃ¤hrt er nach immer demselben Prinzip: zuerst zertrampelt er alles, dann streicht er es wieder glatt.Â« Im weiteren Verlauf wird deutlich, daÃŸ sich Kracauers frÃ¼he Aversionen gegenÃ¼ber dem BlochÂ´schen Utopismus verflÃ¼chtigt haben, was auf eine AnnÃ¤herung der alten Nebenbuhler auf das Jahr 1930 und 1935 zurÃ¼ck geht. Mehr noch: Bloch und Kracauer waren Freunde geworden. Bloch hatte schon Kracauers Georg 1929 sehr gelobt. VÃ¶llig begeistert war er aber von Kracauers Studie Die Angestellten. Â»Es ist der wichtigste und der aufschluÃŸreichste Blick in unser Dasein seit langemÂ«, lieÃŸ er Kracauer wissen. Auch Kracauer schÃ¤tzte nun Blochs Arbeiten. Auf das Erscheinen von Erbschaft dieser Zeit,  reagierte er enthusiastisch: Lili und er hÃ¤tten sich Â»mit wahrer Leidenschaft darauf gestÃ¼rzt; wie Ausgehungerte, die den letzten Knochen abnagen.Â« Als Kracauer annÃ¤hernd mittellos in Praris lebte, war es neben LÃ¶wenthal auch Bloch, der sich fÃ¼r ihn einsetzte.</p>
<p>Auch Leo LÃ¶wenthal lieÃŸ The troubled friendship, wie Martin Jay seine Arbeit zu Kracauer und Adorno 1986 Ã¼berschrieb, in den Nachriegsjahren nicht los.    </p>
<p>Schmerzhaft, ja traumatisch fÃ¼r LÃ¶wenthal, verlief der Konflikt mit dem ebenfalls nach Deutschland zurÃ¼ck-gekehrten Institutsdirektor Max Horkheimer. AnlaÃŸ war ein Streit Ã¼ber PensionsansprÃ¼che, die LÃ¶wenthal aus seiner Arbeit fÃ¼r das Institut zustanden, die aber von Pollock und Horkheimer erst gar nicht, dann auf Druck eines Anwalts nur zÃ¶gerlich und in geringerer Summe an LÃ¶wenthal ausbezahlt wurden. Mehr als fÃ¼nf Jahre dauerte diese Auseinandersetzung, die sich auch auf die Beziehung mit Adorno auswirkte. Adorno, der von Horkheimer Ã¼ber diese unappetitliche Angelegenheit informiert worden war, ignorierte LÃ¶wenthal bei einer Begegnung in Ponterisina in der Schweiz. Das krÃ¤nkte LÃ¶wenthal zutiefst. Ebenso, die abfÃ¤lligen Bemerkungen, die Adorno in einem Brief  vom September 1963 an Marcuse Ã¼ber LÃ¶wenthals Freundschaft zu Paul Larzasfeld machte.</p>
<p>Der 63-JÃ¤hrige LÃ¶wenthal reagierte in seinem Brief zum 60. Geburtstag von Adorno in scharfer, aber auch Ã¤uÃŸerst resignierter Form. Â»Wir waren Ã¼ber vierzig Jahre eng befreundet. Es macht mich unendlich traurig, daÃŸ es Dir leicht fiel, die grauenhaften Dinge, die sich zwischen Max und mir abspielten, so einseitig auf Dich einwirken zu lassen, daÃŸ Du in Ponteresina mein Gesicht vergessen hattest. Es wÃ¤re, so scheint es mir, menschlicher gewesen, mit mir zu reden.[&#8230;]. Ich wÃ¼nsche kaum einem Feind, daÃŸ er die tÃ¤glichen und nÃ¤chtlichen Qualen zu erfahren hat, die mich seit fÃ¼nf Jahren zu einem verzweifelten Menschen gemacht haben. Wir haben gewiÃŸ miteinander auch Schwierigkeiten gehabt. Die FragilitÃ¤t und Kompliziertheit unserer Naturen und unserer Geschichte muÃŸte Ambivalenzen miteinschlieÃŸen. Aber nicht mehr. Was mich mehr als vieles unendlich schmerzt, sind die Episoden, die in dem dichten Netz der intellektuellen Welt natÃ¼rlich auch zu mir dringen, in denen Du den persÃ¶nlichen Bruch herÃ¼berspielst ins Intellektuelle. Ein Bekannter nach dem anderen war entsetzt Ã¼ber die â€žstalinistische Geschichtsschreibungâ€œ, die Du in Bezug auf meinen Beitrag zum Institut und unserem gemeinsamen Gedankengut bestÃ¤ndig zu betreiben scheinst. Details will ich nicht aufzÃ¤hlen â€“ sie sind Dir besser bekannt als mir. Mir schaden sie nicht, aber sie schÃ¤digen Dich. Als Dein Freund bedauere ich es aufs tiefste.Â« Der Brief schlieÃŸt mit der Abschiedsformel: Â»Leb wohl, Dein Leo.Â« </p>
<p>Doch der Abschied, sollte kein endgÃ¼ltiger sein, Ã¼ber die tiefen GrÃ¤ben wurden in den letzten Jahren vor Adornos Tod wieder ein paar wacklige BrÃ¼cken gebaut, denen LÃ¶wenthal in Adorno und seine Kritiker (1978) und in seinen Erinnerungen an Adorno aus dem Jahr 1983 sogar nachtrÃ¤glich StabilitÃ¤t verschaffte. Â»AdornoÂ« so schreibt er 1978, Â»war ein Genie, und sein Werk, das inzwischen in mehr als zwanzig BÃ¤nden vorliegt, umschlieÃŸt das intellektuelle Spektrum der westlichen Zivilisation [&#8230;].Â«7 LÃ¶wenthal belieÃŸ es nicht bei dieser Feststellung. Er verteidigte Adorno gegen seine Kritiker, die ihm einerseits einen snobistischen Elitismus vorwarfen, wie Lukacs mit seiner Formulierung, Adorno habe ein Â»Hotel Abgrund bezogenÂ« und andererseits ein Mangel an Marxistischer Dialektik und Strenge unterstellten. LÃ¶wenthal hebt Adornos intellektuelle Leistung und unbestechliche Analyse des Â»gesellschaftlichen UnterdrÃ¼ckungsapparatsÂ« hervor. Â»Gemessen daran fallen alle SchwÃ¤chen der PersÃ¶nlichkeit und des Lebensstils, fÃ¼r die er getadelt wird, kaum ins Gewicht.Â«8</p>
<p>1 Ernst Bloch. Durch die WÃ¼ste, 1923, S. 61.<br />
2 Zwickau in Sachsen.<br />
3 Die Krankheit zum Tode und Philosophische Brocken, Schriften von SÃ¶ren Kierkegaard (1813-1855).<br />
4 Detlev Claussen. Theodor W. Adorno. Ein letztes Genie, Frankfurt a.M. 2003<br />
5 Wiederabgedruckt in: Siegfried Kracauer. Schriften Bd. 5.1, Frankfurt a.M. 1990. S. 329-336. (Hg.) Charsten Witte und Inka MÃ¼lder-Bach.<br />
6Thema von LÃ¶wenthals um 1930 fertiggestellter Habilitationsarbeit.<br />
7 Leo LÃ¶wenthal, Schriften 4, 1984, S. 59.<br />
8 ebenda., S. 64</p>
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