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	<title>Kommentare zu: Die SED/PDS hat sich aufgelÃ¶st</title>
	<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2005/07/26/254.html</link>
	<description>Der neue Blog ist unter http://campodecriptanablog.apps-1and1.net erreichbar</description>
	<pubDate>Thu, 23 Apr 2026 15:40:58 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Campo-News</title>
		<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2005/07/26/254.html#comment-7813</link>
		<dc:creator>Campo-News</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jul 2005 10:30:16 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.campodecriptana.de/blog/2005/07/26/254.html#comment-7813</guid>
		<description>Verschlungener Lebensweg
Gerhard Bronner: Spiegel vorm Gesicht. Erinnerungen

Von Wolfgang Stenke

"Ich blieb und lernte weiter. Zum Beispiel Wiener Gemuetlichkeit. Es war im MÃ¤rz `38. Zwei Hitlerjungen haben mich furchtbar verdroschen, und der Wachmann, den ich zu Hilfe rief, sagte: 'Na ja, Du wirst sie wahrscheinlich gereizt haben.'

'Ja bist denn Du schon steuerpflichtig?' wollte der Beamte wissen. 'Nein, ich bin erst 15 Jahre alt.' 'Ja, da muÃŸ Dein Vater kommen und den Nachweis einreichen.' 'Bitte, das geht nicht.' sagte ich. 'Warum soll das net gehn?' 'Weil mein Vater im KZ Dachau ist.' 'Ja, da muÃŸt halt warten bis er wieder rauskommt.' Verzweifelt fragte ich: 'Bitte, wovon soll ich bis dahin leben?' Da sah mich der Beamte mit einer durchdringenden Freundlichkeit an und sagte: 'Hat Dir ja keiner g'schafft, dass Du leben sollst!'

1948 verlÃ¤sst Bronner mit Frau und Kind Israel, um nach London zu gehen. 

In Wien macht er auf Bitten seiner Frau Station, um die Schwiegereltern kennenzulernen, die vor dem Holocaust nach Shanghai geflohen waren. Bronner arbeitete beim Sender Rot-WeiÃŸ-Rot, den die amerikanische Besatzungsmacht gegen die Radiostation der Sowjets installiert hatte. AuÃŸerdem spielte er in einer Bar Klavier. Mit einem Stammgast freundete er sich an. Eines Abends war dieser Gast sichtlich bedrÃ¼ckt. Bronner fragte nach dem Grund:

'I muÃŸ aus meiner Wohnung ausziagn. Weil der Jud, dem die frÃ¼her gehÃ¶rt hat, ist zuruckkomm'n. Er will's jetzt wiederham.' - Ich enthielt mich einer Aussage. Er brÃ¼tete still vor sich hin. PlÃ¶tzlich sagt er folgendes: 'Is des net a Pech, hÃ¶rst. Soviele Juden ham's derschlagen und ausgerechnet meiner muÃŸ zuruckkommen.' Das war der Moment, wo ich Ã¼berlegt hab', ob ich da richtig bin, ob's fÃ¼r mich eine Zukunft gibt in dieser Stadt.

Qualtinger war ein schauspielerisches Genie, das leider unmÃ¤ÃŸig trank, in seinen schlechtesten Zeiten auf 160 Kilo anschwoll und im Suff die Texte vergaÃŸ.

Da hatte ich eine seltsame Idee: Ich hab' ein Sauflied geschrieben, als Rolle fÃ¼r ihn in unserem nÃ¤chsten Programm, weil, ich hab' mir gedacht, wenn er ein Lied zu singen hat, wo alle ScheuÃŸlichkeiten des Saufens besungen werden, wird er sich vielleicht Ã¤ndern. 

Zumindest wÃ¤hrend dieses Programms, so behauptet Bronner, sei Qualtinger trocken geblieben.

Auf die Dauer aber half die musikalische Entziehungskur nicht - Qualtinger - Spitzname: Quasi - starb schon 1986, im Alter von 58 Jahren. Ein Partner, der, wie Bronner ein wenig verÃ¤rgert anmerkt, stets dazu neigte, im Laufe der Zeit die Texte, die man ihm schrieb, als die eigenen auszugeben. Mittlerweile ist Qualtinger zu musealen Ehren gelangt: "Quasi ein Genie" hieÃŸ die Gedenk-Ausstellung, die das Wien-Museum ihm ausgerichtet hat. Doch wÃ¤hrend Qualtinger ein Fall fÃ¼r die Ã¶sterreichische Erinnerungskultur geworden ist und Georg Kreisler sich ins Basler Exil zurÃ¼ckgezogen hat, trifft man Gerhard Bronner mit seinen 82 Jahren in der Wiener Broadway Bar oder auf Tournee bei der PrÃ¤sentation seiner Autobiographie - immer im Dialog mit dem Publikum: 

Wissen Sie, was da so stattfindet, ist ein Ping-Pong-Spiel zwischen BÃ¼hne und Publikum. Der Mensch auf der BÃ¼hne kann immer nur 'Ping' sagen, wenn von Ihnen kein 'Pong' kommt, dann steht der Mann auf der Seife und kann sich heimgeigen lassen. Und ich muÃŸ Ihnen ein echtes Kompliment machen: Ihr 'Pong' war groÃŸartig. 

Gerhard Bronner
Spiegel vorm Gesicht. Erinnerungen 
Deutsche Verlags-Anstalt, 267 S., EUR 19,90
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		<content:encoded><![CDATA[<p>Verschlungener Lebensweg<br />
Gerhard Bronner: Spiegel vorm Gesicht. Erinnerungen</p>
<p>Von Wolfgang Stenke</p>
<p>&#8220;Ich blieb und lernte weiter. Zum Beispiel Wiener Gemuetlichkeit. Es war im MÃ¤rz `38. Zwei Hitlerjungen haben mich furchtbar verdroschen, und der Wachmann, den ich zu Hilfe rief, sagte: &#8216;Na ja, Du wirst sie wahrscheinlich gereizt haben.&#8217;</p>
<p>&#8216;Ja bist denn Du schon steuerpflichtig?&#8217; wollte der Beamte wissen. &#8216;Nein, ich bin erst 15 Jahre alt.&#8217; &#8216;Ja, da muÃŸ Dein Vater kommen und den Nachweis einreichen.&#8217; &#8216;Bitte, das geht nicht.&#8217; sagte ich. &#8216;Warum soll das net gehn?&#8217; &#8216;Weil mein Vater im KZ Dachau ist.&#8217; &#8216;Ja, da muÃŸt halt warten bis er wieder rauskommt.&#8217; Verzweifelt fragte ich: &#8216;Bitte, wovon soll ich bis dahin leben?&#8217; Da sah mich der Beamte mit einer durchdringenden Freundlichkeit an und sagte: &#8216;Hat Dir ja keiner g&#8217;schafft, dass Du leben sollst!&#8217;</p>
<p>1948 verlÃ¤sst Bronner mit Frau und Kind Israel, um nach London zu gehen. </p>
<p>In Wien macht er auf Bitten seiner Frau Station, um die Schwiegereltern kennenzulernen, die vor dem Holocaust nach Shanghai geflohen waren. Bronner arbeitete beim Sender Rot-WeiÃŸ-Rot, den die amerikanische Besatzungsmacht gegen die Radiostation der Sowjets installiert hatte. AuÃŸerdem spielte er in einer Bar Klavier. Mit einem Stammgast freundete er sich an. Eines Abends war dieser Gast sichtlich bedrÃ¼ckt. Bronner fragte nach dem Grund:</p>
<p>&#8216;I muÃŸ aus meiner Wohnung ausziagn. Weil der Jud, dem die frÃ¼her gehÃ¶rt hat, ist zuruckkomm&#8217;n. Er will&#8217;s jetzt wiederham.&#8217; - Ich enthielt mich einer Aussage. Er brÃ¼tete still vor sich hin. PlÃ¶tzlich sagt er folgendes: &#8216;Is des net a Pech, hÃ¶rst. Soviele Juden ham&#8217;s derschlagen und ausgerechnet meiner muÃŸ zuruckkommen.&#8217; Das war der Moment, wo ich Ã¼berlegt hab&#8217;, ob ich da richtig bin, ob&#8217;s fÃ¼r mich eine Zukunft gibt in dieser Stadt.</p>
<p>Qualtinger war ein schauspielerisches Genie, das leider unmÃ¤ÃŸig trank, in seinen schlechtesten Zeiten auf 160 Kilo anschwoll und im Suff die Texte vergaÃŸ.</p>
<p>Da hatte ich eine seltsame Idee: Ich hab&#8217; ein Sauflied geschrieben, als Rolle fÃ¼r ihn in unserem nÃ¤chsten Programm, weil, ich hab&#8217; mir gedacht, wenn er ein Lied zu singen hat, wo alle ScheuÃŸlichkeiten des Saufens besungen werden, wird er sich vielleicht Ã¤ndern. </p>
<p>Zumindest wÃ¤hrend dieses Programms, so behauptet Bronner, sei Qualtinger trocken geblieben.</p>
<p>Auf die Dauer aber half die musikalische Entziehungskur nicht - Qualtinger - Spitzname: Quasi - starb schon 1986, im Alter von 58 Jahren. Ein Partner, der, wie Bronner ein wenig verÃ¤rgert anmerkt, stets dazu neigte, im Laufe der Zeit die Texte, die man ihm schrieb, als die eigenen auszugeben. Mittlerweile ist Qualtinger zu musealen Ehren gelangt: &#8220;Quasi ein Genie&#8221; hieÃŸ die Gedenk-Ausstellung, die das Wien-Museum ihm ausgerichtet hat. Doch wÃ¤hrend Qualtinger ein Fall fÃ¼r die Ã¶sterreichische Erinnerungskultur geworden ist und Georg Kreisler sich ins Basler Exil zurÃ¼ckgezogen hat, trifft man Gerhard Bronner mit seinen 82 Jahren in der Wiener Broadway Bar oder auf Tournee bei der PrÃ¤sentation seiner Autobiographie - immer im Dialog mit dem Publikum: </p>
<p>Wissen Sie, was da so stattfindet, ist ein Ping-Pong-Spiel zwischen BÃ¼hne und Publikum. Der Mensch auf der BÃ¼hne kann immer nur &#8216;Ping&#8217; sagen, wenn von Ihnen kein &#8216;Pong&#8217; kommt, dann steht der Mann auf der Seife und kann sich heimgeigen lassen. Und ich muÃŸ Ihnen ein echtes Kompliment machen: Ihr &#8216;Pong&#8217; war groÃŸartig. </p>
<p>Gerhard Bronner<br />
Spiegel vorm Gesicht. Erinnerungen<br />
Deutsche Verlags-Anstalt, 267 S., EUR 19,90</p>
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