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	<title>Kommentare zu: Die SED/PDS hat sich aufgelöst</title>
	<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2005/07/26/254.html</link>
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	<pubDate>Thu, 17 May 2012 19:22:20 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Campo-News</title>
		<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2005/07/26/254.html#comment-7813</link>
		<dc:creator>Campo-News</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jul 2005 10:30:16 +0000</pubDate>
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		<description>Verschlungener Lebensweg
Gerhard Bronner: Spiegel vorm Gesicht. Erinnerungen

Von Wolfgang Stenke

"Ich blieb und lernte weiter. Zum Beispiel Wiener Gemuetlichkeit. Es war im März `38. Zwei Hitlerjungen haben mich furchtbar verdroschen, und der Wachmann, den ich zu Hilfe rief, sagte: 'Na ja, Du wirst sie wahrscheinlich gereizt haben.'

'Ja bist denn Du schon steuerpflichtig?' wollte der Beamte wissen. 'Nein, ich bin erst 15 Jahre alt.' 'Ja, da muß Dein Vater kommen und den Nachweis einreichen.' 'Bitte, das geht nicht.' sagte ich. 'Warum soll das net gehn?' 'Weil mein Vater im KZ Dachau ist.' 'Ja, da mußt halt warten bis er wieder rauskommt.' Verzweifelt fragte ich: 'Bitte, wovon soll ich bis dahin leben?' Da sah mich der Beamte mit einer durchdringenden Freundlichkeit an und sagte: 'Hat Dir ja keiner g'schafft, dass Du leben sollst!'

1948 verlässt Bronner mit Frau und Kind Israel, um nach London zu gehen. 

In Wien macht er auf Bitten seiner Frau Station, um die Schwiegereltern kennenzulernen, die vor dem Holocaust nach Shanghai geflohen waren. Bronner arbeitete beim Sender Rot-Weiß-Rot, den die amerikanische Besatzungsmacht gegen die Radiostation der Sowjets installiert hatte. Außerdem spielte er in einer Bar Klavier. Mit einem Stammgast freundete er sich an. Eines Abends war dieser Gast sichtlich bedrückt. Bronner fragte nach dem Grund:

'I muß aus meiner Wohnung ausziagn. Weil der Jud, dem die früher gehört hat, ist zuruckkomm'n. Er will's jetzt wiederham.' - Ich enthielt mich einer Aussage. Er brütete still vor sich hin. Plötzlich sagt er folgendes: 'Is des net a Pech, hörst. Soviele Juden ham's derschlagen und ausgerechnet meiner muß zuruckkommen.' Das war der Moment, wo ich überlegt hab', ob ich da richtig bin, ob's für mich eine Zukunft gibt in dieser Stadt.

Qualtinger war ein schauspielerisches Genie, das leider unmäßig trank, in seinen schlechtesten Zeiten auf 160 Kilo anschwoll und im Suff die Texte vergaß.

Da hatte ich eine seltsame Idee: Ich hab' ein Sauflied geschrieben, als Rolle für ihn in unserem nächsten Programm, weil, ich hab' mir gedacht, wenn er ein Lied zu singen hat, wo alle Scheußlichkeiten des Saufens besungen werden, wird er sich vielleicht ändern. 

Zumindest während dieses Programms, so behauptet Bronner, sei Qualtinger trocken geblieben.

Auf die Dauer aber half die musikalische Entziehungskur nicht - Qualtinger - Spitzname: Quasi - starb schon 1986, im Alter von 58 Jahren. Ein Partner, der, wie Bronner ein wenig verärgert anmerkt, stets dazu neigte, im Laufe der Zeit die Texte, die man ihm schrieb, als die eigenen auszugeben. Mittlerweile ist Qualtinger zu musealen Ehren gelangt: "Quasi ein Genie" hieß die Gedenk-Ausstellung, die das Wien-Museum ihm ausgerichtet hat. Doch während Qualtinger ein Fall für die österreichische Erinnerungskultur geworden ist und Georg Kreisler sich ins Basler Exil zurückgezogen hat, trifft man Gerhard Bronner mit seinen 82 Jahren in der Wiener Broadway Bar oder auf Tournee bei der Präsentation seiner Autobiographie - immer im Dialog mit dem Publikum: 

Wissen Sie, was da so stattfindet, ist ein Ping-Pong-Spiel zwischen Bühne und Publikum. Der Mensch auf der Bühne kann immer nur 'Ping' sagen, wenn von Ihnen kein 'Pong' kommt, dann steht der Mann auf der Seife und kann sich heimgeigen lassen. Und ich muß Ihnen ein echtes Kompliment machen: Ihr 'Pong' war großartig. 

Gerhard Bronner
Spiegel vorm Gesicht. Erinnerungen 
Deutsche Verlags-Anstalt, 267 S., EUR 19,90
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		<content:encoded><![CDATA[<p>Verschlungener Lebensweg<br />
Gerhard Bronner: Spiegel vorm Gesicht. Erinnerungen</p>
<p>Von Wolfgang Stenke</p>
<p>&#8220;Ich blieb und lernte weiter. Zum Beispiel Wiener Gemuetlichkeit. Es war im März `38. Zwei Hitlerjungen haben mich furchtbar verdroschen, und der Wachmann, den ich zu Hilfe rief, sagte: &#8216;Na ja, Du wirst sie wahrscheinlich gereizt haben.&#8217;</p>
<p>&#8216;Ja bist denn Du schon steuerpflichtig?&#8217; wollte der Beamte wissen. &#8216;Nein, ich bin erst 15 Jahre alt.&#8217; &#8216;Ja, da muß Dein Vater kommen und den Nachweis einreichen.&#8217; &#8216;Bitte, das geht nicht.&#8217; sagte ich. &#8216;Warum soll das net gehn?&#8217; &#8216;Weil mein Vater im KZ Dachau ist.&#8217; &#8216;Ja, da mußt halt warten bis er wieder rauskommt.&#8217; Verzweifelt fragte ich: &#8216;Bitte, wovon soll ich bis dahin leben?&#8217; Da sah mich der Beamte mit einer durchdringenden Freundlichkeit an und sagte: &#8216;Hat Dir ja keiner g&#8217;schafft, dass Du leben sollst!&#8217;</p>
<p>1948 verlässt Bronner mit Frau und Kind Israel, um nach London zu gehen. </p>
<p>In Wien macht er auf Bitten seiner Frau Station, um die Schwiegereltern kennenzulernen, die vor dem Holocaust nach Shanghai geflohen waren. Bronner arbeitete beim Sender Rot-Weiß-Rot, den die amerikanische Besatzungsmacht gegen die Radiostation der Sowjets installiert hatte. Außerdem spielte er in einer Bar Klavier. Mit einem Stammgast freundete er sich an. Eines Abends war dieser Gast sichtlich bedrückt. Bronner fragte nach dem Grund:</p>
<p>&#8216;I muß aus meiner Wohnung ausziagn. Weil der Jud, dem die früher gehört hat, ist zuruckkomm&#8217;n. Er will&#8217;s jetzt wiederham.&#8217; - Ich enthielt mich einer Aussage. Er brütete still vor sich hin. Plötzlich sagt er folgendes: &#8216;Is des net a Pech, hörst. Soviele Juden ham&#8217;s derschlagen und ausgerechnet meiner muß zuruckkommen.&#8217; Das war der Moment, wo ich überlegt hab&#8217;, ob ich da richtig bin, ob&#8217;s für mich eine Zukunft gibt in dieser Stadt.</p>
<p>Qualtinger war ein schauspielerisches Genie, das leider unmäßig trank, in seinen schlechtesten Zeiten auf 160 Kilo anschwoll und im Suff die Texte vergaß.</p>
<p>Da hatte ich eine seltsame Idee: Ich hab&#8217; ein Sauflied geschrieben, als Rolle für ihn in unserem nächsten Programm, weil, ich hab&#8217; mir gedacht, wenn er ein Lied zu singen hat, wo alle Scheußlichkeiten des Saufens besungen werden, wird er sich vielleicht ändern. </p>
<p>Zumindest während dieses Programms, so behauptet Bronner, sei Qualtinger trocken geblieben.</p>
<p>Auf die Dauer aber half die musikalische Entziehungskur nicht - Qualtinger - Spitzname: Quasi - starb schon 1986, im Alter von 58 Jahren. Ein Partner, der, wie Bronner ein wenig verärgert anmerkt, stets dazu neigte, im Laufe der Zeit die Texte, die man ihm schrieb, als die eigenen auszugeben. Mittlerweile ist Qualtinger zu musealen Ehren gelangt: &#8220;Quasi ein Genie&#8221; hieß die Gedenk-Ausstellung, die das Wien-Museum ihm ausgerichtet hat. Doch während Qualtinger ein Fall für die österreichische Erinnerungskultur geworden ist und Georg Kreisler sich ins Basler Exil zurückgezogen hat, trifft man Gerhard Bronner mit seinen 82 Jahren in der Wiener Broadway Bar oder auf Tournee bei der Präsentation seiner Autobiographie - immer im Dialog mit dem Publikum: </p>
<p>Wissen Sie, was da so stattfindet, ist ein Ping-Pong-Spiel zwischen Bühne und Publikum. Der Mensch auf der Bühne kann immer nur &#8216;Ping&#8217; sagen, wenn von Ihnen kein &#8216;Pong&#8217; kommt, dann steht der Mann auf der Seife und kann sich heimgeigen lassen. Und ich muß Ihnen ein echtes Kompliment machen: Ihr &#8216;Pong&#8217; war großartig. </p>
<p>Gerhard Bronner<br />
Spiegel vorm Gesicht. Erinnerungen<br />
Deutsche Verlags-Anstalt, 267 S., EUR 19,90</p>
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