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	<title>Kommentare zu: Zum 1. Mai</title>
	<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2005/04/30/133.html</link>
	<description>Der neue Blog ist unter http://campodecriptanablog.apps-1and1.net erreichbar</description>
	<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 13:20:35 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Campo-News</title>
		<link>http://www.campodecriptana.de/blog/2005/04/30/133.html#comment-3480900</link>
		<dc:creator>Campo-News</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 May 2025 02:10:18 +0000</pubDate>
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		<description>Das schöne Geld der Arbeitswelt
Der DGB, die Tradition und die große Pleite.

Treibt der Deutsche Gewerkschaftsbund eigentlich die Arbeiter und Angestellten in den verschärften Kapitalismus weil er ihn liebt oder bekämpft?

"Wir wollen die Arbeitswelt humanisieren" tönen die Gewerkschaften. 
"Wir wollen mehr Lohn", schreit die Belegschaft. 
Die Mitgliederzahlen sinken. Widerspruch in der zunehmend cool durchdachten Arbeitswelt wäre wünschenswert. Debattiert wird jedoch wohl kalkuliert an der OberflÃ¤che mit Stimmungen, denn -

Es wird der Status Quo zementiert; notwendige Veränderungen - möglich und sinnvoll - durch Geldzahlungen befriedet. Eine Diskussion darüber findet nicht statt! Paul Lafargues "Müßiggang" abzüglich idealistischer Schwärmereien wird unter den Proletariern verachtet. Wenn er stattfindet, dann als billiges Spektakel, als simple Belustigung, gedacht und bemessen wird dabei: Nichts!

Man nimmt sie hin, die Hatz, die Einfalt des tagtäglichen Einerleis, 
auch Stumpfheit, welche durch immer gleiche Handlungen, 
die schöpferischen unter den Menschenmaschinen, 
fast bis in den Wahnsinn treibt. 
Unterordnung herrscht vor, weil Fragen stören; 
Initiativen Einzelner werden skeptisch beäugt, 
da sie eine Autoritätsverschiebung darstellen; 
Misstrauen wird gesät, weil es zur Differenzierung der Belegschaft beiträgt.

Der Laden brummt. Die Lautsprecher dröhnen. Sie blöken unentwegt das Lied im Stil der Pressmusike. 
Der Rhythmus klebt im Raum. Er sickert in die Gemüter. Hier und dort strömt Duft aus einem Plastikgehäuse. 
Tag für Tag, Stunde für Stunde, - Pausen werden nervös abgesessen. 

"Für den Lärm muss es 10 Cent Zuschlag in der Stunde geben", poltert "mutig" der Betriebsrat. 
Alle nicken. Guter Mann, der schonungslos sagt, was Sache ist. Sie klopfen ihm auf die Schulter. 
Die Wiederwahl ist ihm sicher. Seine Schritte werden länger und breiter.

Es wird gehn. Das billige GlÃ¼ck, der breiteste Fernseher, die funktionellste Uhr, 
die Anlage mit noch dunkleren Bässen (für noch mehr nichtssagendere Töne als je zuvor), 
das Auto mit allen Schikanen. 
Kann man sich nicht sämtliche unnötigen Notwendigkeiten leisten, heißt man das Armut. 
Um nicht arm zu sein, werden die Rahmenbedingungen jeden Morgen taxiert und verschämt begrüßt. 
Sonne fehlt sowieso.

Früher war alles besser. Die Bergmannskappelle spielte so schön. 
Jawoll, da wurde im Pütt malocht (Staublunge ab 45 garantiert), 
vor dem Hochofen um die Wette geglüht, mit heißer Schlacke getanzt, 
Plaste und Elaste durch die Nasen direkt ins Hirn gesogen. 
An diese Tradition erinnert man sich, schwelgt, beschwört - es hat das kleine Häuschen gebracht.

Die Arbeiterbewegung findet nicht statt. 
Sie hockt auf dem Campingplatz und schmort Würste, große Würste; 
sie klopft sich auf die breiten Schenkel, im Schunkel-Takt und hört die Lieder der "Geschwister Weißwäscher"
Manchmal liest sie auch! Die Frauen das "Bunte Blatt" und die M#nner jetzt auch ein Buch: "Die Dieter Bohlen-Biographie" dann diskutiert man bis spät in die Nacht, ob Naddel es mehr bringt als Verona. Geprügelt wird selten. Die Frauen werden nicht angesehn. Ihre übel riechenden Hunde fressen die Reste.

Ja doch, gesungen wird oft, aber darunter sind keine politischen Mailiedchen und schon gar nicht das "Sozialdemokratische Mailiedchen" von Erich Weinert aus dem Jahre 1923:
Stell auf den Tisch das Bild von August Bebel,
Den Vorwärts, Jahrgang 13, hol herbei,
Und klirre wieder mit dem Schutzmannsäbel
Wie einst im Mai

Lies mir noch mal die alten Manifeste,
Der ersten Jugend holde Schwärmerei,
Und reich mir wieder die gestrickte Weste
Wie einst im Mai

Noch einmal tragt die feierlichen Fackeln
Die Reichswehr mit Musik ist auch dabei.
Wer weiß, ob uns nicht doch die Ärsche wackeln
Dereinst im Mai

Tanja Krienen, April 2003 (!)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Das schöne Geld der Arbeitswelt<br />
Der DGB, die Tradition und die große Pleite.</p>
<p>Treibt der Deutsche Gewerkschaftsbund eigentlich die Arbeiter und Angestellten in den verschärften Kapitalismus weil er ihn liebt oder bekämpft?</p>
<p>&#8220;Wir wollen die Arbeitswelt humanisieren&#8221; tönen die Gewerkschaften.<br />
&#8220;Wir wollen mehr Lohn&#8221;, schreit die Belegschaft.<br />
Die Mitgliederzahlen sinken. Widerspruch in der zunehmend cool durchdachten Arbeitswelt wäre wünschenswert. Debattiert wird jedoch wohl kalkuliert an der OberflÃ¤che mit Stimmungen, denn -</p>
<p>Es wird der Status Quo zementiert; notwendige Veränderungen - möglich und sinnvoll - durch Geldzahlungen befriedet. Eine Diskussion darüber findet nicht statt! Paul Lafargues &#8220;Müßiggang&#8221; abzüglich idealistischer Schwärmereien wird unter den Proletariern verachtet. Wenn er stattfindet, dann als billiges Spektakel, als simple Belustigung, gedacht und bemessen wird dabei: Nichts!</p>
<p>Man nimmt sie hin, die Hatz, die Einfalt des tagtäglichen Einerleis,<br />
auch Stumpfheit, welche durch immer gleiche Handlungen,<br />
die schöpferischen unter den Menschenmaschinen,<br />
fast bis in den Wahnsinn treibt.<br />
Unterordnung herrscht vor, weil Fragen stören;<br />
Initiativen Einzelner werden skeptisch beäugt,<br />
da sie eine Autoritätsverschiebung darstellen;<br />
Misstrauen wird gesät, weil es zur Differenzierung der Belegschaft beiträgt.</p>
<p>Der Laden brummt. Die Lautsprecher dröhnen. Sie blöken unentwegt das Lied im Stil der Pressmusike.<br />
Der Rhythmus klebt im Raum. Er sickert in die Gemüter. Hier und dort strömt Duft aus einem Plastikgehäuse.<br />
Tag für Tag, Stunde für Stunde, - Pausen werden nervös abgesessen. </p>
<p>&#8220;Für den Lärm muss es 10 Cent Zuschlag in der Stunde geben&#8221;, poltert &#8220;mutig&#8221; der Betriebsrat.<br />
Alle nicken. Guter Mann, der schonungslos sagt, was Sache ist. Sie klopfen ihm auf die Schulter.<br />
Die Wiederwahl ist ihm sicher. Seine Schritte werden länger und breiter.</p>
<p>Es wird gehn. Das billige GlÃ¼ck, der breiteste Fernseher, die funktionellste Uhr,<br />
die Anlage mit noch dunkleren Bässen (für noch mehr nichtssagendere Töne als je zuvor),<br />
das Auto mit allen Schikanen.<br />
Kann man sich nicht sämtliche unnötigen Notwendigkeiten leisten, heißt man das Armut.<br />
Um nicht arm zu sein, werden die Rahmenbedingungen jeden Morgen taxiert und verschämt begrüßt.<br />
Sonne fehlt sowieso.</p>
<p>Früher war alles besser. Die Bergmannskappelle spielte so schön.<br />
Jawoll, da wurde im Pütt malocht (Staublunge ab 45 garantiert),<br />
vor dem Hochofen um die Wette geglüht, mit heißer Schlacke getanzt,<br />
Plaste und Elaste durch die Nasen direkt ins Hirn gesogen.<br />
An diese Tradition erinnert man sich, schwelgt, beschwört - es hat das kleine Häuschen gebracht.</p>
<p>Die Arbeiterbewegung findet nicht statt.<br />
Sie hockt auf dem Campingplatz und schmort Würste, große Würste;<br />
sie klopft sich auf die breiten Schenkel, im Schunkel-Takt und hört die Lieder der &#8220;Geschwister Weißwäscher&#8221;<br />
Manchmal liest sie auch! Die Frauen das &#8220;Bunte Blatt&#8221; und die M#nner jetzt auch ein Buch: &#8220;Die Dieter Bohlen-Biographie&#8221; dann diskutiert man bis spät in die Nacht, ob Naddel es mehr bringt als Verona. Geprügelt wird selten. Die Frauen werden nicht angesehn. Ihre übel riechenden Hunde fressen die Reste.</p>
<p>Ja doch, gesungen wird oft, aber darunter sind keine politischen Mailiedchen und schon gar nicht das &#8220;Sozialdemokratische Mailiedchen&#8221; von Erich Weinert aus dem Jahre 1923:<br />
Stell auf den Tisch das Bild von August Bebel,<br />
Den Vorwärts, Jahrgang 13, hol herbei,<br />
Und klirre wieder mit dem Schutzmannsäbel<br />
Wie einst im Mai</p>
<p>Lies mir noch mal die alten Manifeste,<br />
Der ersten Jugend holde Schwärmerei,<br />
Und reich mir wieder die gestrickte Weste<br />
Wie einst im Mai</p>
<p>Noch einmal tragt die feierlichen Fackeln<br />
Die Reichswehr mit Musik ist auch dabei.<br />
Wer weiß, ob uns nicht doch die Ärsche wackeln<br />
Dereinst im Mai</p>
<p>Tanja Krienen, April 2003 (!)</p>
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